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I. K8räuter.
53. Die Blumen.
Unter Allem, wad der Frühling Schönes bringt, ift doch nichts fo
[Hön, al3 feine Blumen.
Sch begreife nicht, wie man anders fanı, al8 die Blumen Yieken.
Wer nicht die Blumen liebt, muß noch nie eine Blume recht betrachtet
haben, oder e8 muß etwas in ihm fein, was ihn überhaupt der reinen
Liebe unfähig macht.
MWelh ein unjshulbiges, einfältiges, demüthiges, fröhliches Werfen
in den Blumen!
Sede Tugend hat ihr reizenbe8 Sinnbild in der Blumenwelt:
der zarte Sinn, die Befcheidenheit, bie Geduld, die Sanft:
muth, Die Herzensreinheit, der Glaube, Die Hoffnung, ber
Himmelßjinn.
Am meilten Iob’ ich mir die Blumen des Marl Sie haben meift
jo helle, Iuftige Farben; ein fo frifches, fröhliches Anjehen, jo ein Yiebliches,
unfchuldiges Uejen.
Sie ftehen jo in Haufen zufammen und niden muthwillig einander
zu. Ste blühen jo Tebendig Hinauf in Das Licht. AL feinen Glanz
im Angefichte, in all feine Schimmer geffeidet, find fie, wie Die Tage
ihres Xebend. Sie Icheinen und zuzurufen: „Seht Doch, wie wir guter
Dinge find! Sekt ift die fchöne Zeit, da foll alle Welt fröhlich fein.”
Auch die erften Kinder des jahres, da8 Schneeglöcdkhen, das
Qeberblümchen, die Primel, der Krofus und das Veildhen
nehmen fich in ihrer unjdhuldigen Ginfachheit ungemein Tieblih auß.
„Seht," Tprechen fie, „wir find wieder Da; e8 ift zwar noch) Falt, aber
wir machen und nicht viel Daraus, wir find Daran gewöhnt, und friert
nicht Leicht; wir Eonnten e3 nicht mehr aushalten unter der Erde, darum
mußten wir Hinaus in Den Iuftigen Tag, in bas Tiebliche Leben und
euch jagen, daß der Frühling fommt!”
54. Das Leben der Blumen.
a. Einfachfte Darfiellung.
Die Erde giebt allen Pflanzen, alfo auch den Blümchen, Nahrung,
jo wie die Mutter ihren Kindern Nahrung giebt. Sm Winter find
jedoch draußen feine Blumen zu finden, und die Wurzeln berjelben,
welche in der Erde verborgen find, fangen erft wieder an, Knospen
zu treiben, wenn ber warme Frühling fommt. Da freut fich Miles
über die Tieblichen Blumen; fie werden von vorüberfließenden Quellen
getränkt, Vögel und Snfekten flattern um fie her, Die Sonne Befcheint
fie fo freundlich, und felbft der Menfch freut fich über Die Ankunft der
Ichönen, bunten Blümchen. An jeden Morgen aber werben fie durd)
den funfelnden (glänzenden) Thau erfrifcht und gereinigt. — Die Heis
nen, danfbaren Blumen möchten auch gern und Alle noch mehr erfreuen.
Sie verbreiten daher, fo lange fie blühen, einen angenehmen Gerud