Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1897. (31)

    

§.  525.

Der  Richter  ist  befugt,  außer  den  gestellten  noch  andere  Personen  der  Schiffsbesatzung,
  deren  Abhörung  er  angemessen  findet,  zu  vernehmen.  Er  kann  zum  Zwecke
besserer  Aufklärung  dem  Schiffer  sowie  jeder  anderen  Person  der  Schiffsbesatzung
geeignete  Fragen  zur  Beantwortung  vorlegen.

Der  Schiffer  und  die  zugezogenen  übrigen  Personen  der  Schiffsbesatzung  haben
ihre  Aussagen  zu  beschwören.

Die  über  die  Verklarung  aufgenommene  Verhandlung  ist  in  Urschrift  aufzubewahren
  und  jedem  Betheiligten  auf  Verlangen  eine  beglaubigte  Abschrift  zu  ertheilen.


§.  526.

Rechtsgeschäfte,  die  der  Schiffer  eingeht,  während  sich  das  Schiff  im  Heimathshafen
  befindet,  sind  für  den  Rheder  nur  dann  verbindlich,  wenn  der  Schiffer  auf
Grund  einer  Vollmacht  gehandelt  hat  oder  wenn  ein  anderer  besonderer  Verpflichtungsgrund
  vorhanden  ist.

Zur  Annahme  der  Schiffsmannschaft  ist  der  Schiffer  auch  im  Heimathshafen
befugt.

  §.  527.

Befindet  sich  das  Schiff  außerhalb  des  Heimathshafens,  so  ist  der  Schiffer
Dritten  gegenüber  kraft  seiner  Anstellung  befugt,  für  den  Rheder  alle  Geschäfte  und
Rechtshandlungen  vorzunehmen,  welche  die  Ausrüstung,  die  Bemannung,  die  Verproviantirung
  und  die  Erhaltung  des  Schiffes  sowie  überhaupt  die  Ausführung  der
Reise  mit  sich  bringen.

Diese  Befugniß  erstreckt  sich  auch  auf  die  Eingehung  von  Frachtverträgen;  sie
erstreckt  sich  ferner  auf  die  Anstellung  von  Klagen,  die  sich  auf  den  Wirkungskreis
des  Schiffers  beziehen.

§.  528.

Zur  Aufnahme  von  Darlehen,  zur  Eingehung  von  Käufen  auf  Borg  sowie  zum
Abschluß  ähnlicher  Kreditgeschäfte  ist  der  Schiffer  nur  dann  befugt,  wenn  es  zur
Erhaltung  des  Schiffes  oder  zur  Ausführung  der  Reise  nothwendig,  und  nur  insoweit,
als  es  zur  Befriedigung  des  Bedürfnisses  erforderlich  ist.  Ein  Bodmereigeschäft  einzugehen,
  ist  er  nur  dann  befugt,  wenn  es  zur  Ausführung  der  Reise  nothwendig,
und  nur  insoweit,  als  es  zur  Befriedigung  des  Bedürfnisses  erforderlich  ist.

Die  Gültigkeit  des  Geschäfts  ist  weder  von  der  wirklichen  Verwendung  noch
von  der  Zweckmäßigkeit  der  unter  mehreren  Kreditgeschäften  getroffenen  Wahl  noch
von  dem  Umstand  abhängig,  ob  dem  Schiffer  das  erforderliche  Geld  zur  Verfügung
gestanden  hat,  es  sei  denn,  daß  der  Dritte  in  bösem  Glauben  war.

§.  529.

Auf  den  persönlichen  Kredit  des  Rheders  Geschäfte  abzuschließen,  insbesondere
Wechselverbindlichkeiten  für  den  Rheder  einzugehen,  ist  der  Schiffer  nur  auf  Grund
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