Full text : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

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£eit  wird  aus  alten  und  neuen  Zeiten  manches  herrliche  Beijpiel  erzählt,
Biemlich  allgemein  wirft  man  aber  den  Deutjchen  allzugeope  Bedächtigfeit
  vor,  Durch  welche  fie  oft  Dem  rechten  Zeitpunkt  zum  Handeln
porübergehen  Yafjen.  Sin  ihrer  Berührung  mit  andern  Völfern  trauen
fie  diefen  mehr  Gute  al3  Schlechtes  zu,  weshalb  fie  von  demjelben
oft  überliftet  worden.  —  |

Mit  Ausnahme  von  ungefähr  einer  halben  Millen  Suden  befermen
  fi  die  Berohner  Deutjehlands  zur  chriftlichen  Neligion,
Die  ChHriften  aber  theilen  fih  in  Evangelifche  und  Katholifen.
  Die  Evangelifchen,  über  201/,  Mill.,  wohnen  der  Mehrzahl
nach  in  Norddeutfähland,  wohingegen  die  Katholifen,  etwa  251/,
Millionen,  vorherrfhend  in  Gübd-  und  Weitbeutichland  Ieben.  Der
Deutfche  Hat  ein  tiefeg  Gemüth.  Die  Religion  ift  ihm  Herzens>
jache;  darum  wurden  die  Deutjhen  im  Mittelalter  Die  Träger  deg
ShriftenthHums  für  das  Abendland,  und  zur  Beit  ihrer  großen  Kaifer
waren  fie  das  erfte  Wolf  der  Chriftenheit.  hr  religiöfer  Geift,
ihr  hoher  Glaube  pricht,  wie  aus  dem  MWerfe  der  Reformation,
  jo  aus  den  herrlichen  Domen  und  Münftern  in  Magdeburg,
  Lübel,  Ulm,  Köln,  Kanten,  Straßburg,  Freiburg,
Regensburg,  Augsburg,  Wien  und  Breslau  zu  allen  folgenden
Sahrhunderten.

Freuen  wir  und  daher,  daß  wir  Deutjehe  find!  Beftreben  mir
und  aber  auch,  ftet8  echte,  wahre  Deutfche  zu  fein!

3.  Unfere  Mutterfprache.

Unjere  Sprache  ift  die  deutfche;  ander  zwifchen  Deutih  und
Deutfh  it  hier  ein  folcher  Unterjgied,  Daß  z.  B.  der  Schwahe
den  Weftphälinger  jeäwer  verfteht.  Das  Deutfche  wird  nämlich  im
Sübden  ziemlich  hart  und  am  härtelten  in  dem  Alpenlande,  im  Nord:
weiten  Dagegen  weich  geiprochen,  und  für  die  Schriftipradge  nad
Luther  DWibelüberfeßung  und  bie  gebildete  Umgangsjprage  Hat
ji  eine  mittlere  Mundart,  das  Hochdeutfche  herausgebilbet,
weiches  am  mohllautenditen  in  Holftein,  Medlenburg,  Hannover,
DBraunfchweig  und  Sachjen  gejprochen  wird.  In  Limburg  fpricht
man  auch  Flämifch  und  Holländisch,  welches  urfprünglich  Deutfche
Mundarten  waren;  in  Sübtyrol  und  um  Trieft  fpricht  man  meh:
ttalienifch;  Daß  man  aber  in  Elfak  und  Lothringen  dur  Unterbrüdung
  bed  Deutihen  das  Franzöfijche  verbreitet  Hat,  ift
FH  beirübend  für  den  Waterlandsfreund,  der  mit  dem  Dichter
priogt:

Mutterfprade,  Mutterlaut,  Ad,  wie  trüb’  ift  meinem  Sinn,

Wie  fo  monnefam,  fo  traut!  Wenn  ich  in  der  Fremde  bin,
Erjted  Wort,  das  mir  erichallet,  Menn  ich  fremde  Zungen  üben,
ar  erfted  LTiehesiwort,  Iremde  Worte  brauchen  muß,
Eifter  Ton,  den  ic)  gelallet,  Die  ih  nimmermehr  Tann  Lieben,

Klinget  ewig  in  mir  fort.  Die  nidt.  flingen,  ai  ein  Gruß!
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