Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1902. (36)

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Schiffsmann  im  Sinne  dieses  Gesetzes  ist  jede  sonstige  zum  Dienste  auf
dem  Schiffe  während  der  Fahrt  für  Rechnung  des  Rheders  angestellte  Person,
ohne  Unterschied,  ob  die  Anmusterung  (§.  13)  erfolgt  ist,  oder  nicht.  Auch  die
weibliche  Angestellte  hat  die  Rechte  und  Pflichten  des  Schiffsmanns.  Der  Lootse
gilt  nicht  als  Schiffsmann.  Die  Gesammtheit  der  Schiffsleute  bildet  die  Schiffsmannschaft.


G.  3.

Der  Kapitän  ist  der  Dienstvorgesetzte  der  Schiffsoffiziere  und  Schiffsleute.
Seine  Stellvertretung  liegt,  soweit  nicht  vom  Rheder  oder  vom  Kapitän  hinsichtlich
  der  Vertretung  in  einzelnen  Dienstzweigen  anderweitige  Anordnung  getroffen
  ist,  dem  Steuermann,  in  Ermangelung  eines  solchen  dem  Bestmann  ob.

Die  Schiffsoffiziere  sind  Vorgesetzte  sämmtlicher  Schiffsleute.  Auf  die
Schiffsoffiziere  finden  die  für  die  Schiffsmannschaft  oder  den  Schiffsmann
geltenden  Vorschriften,  soweit  nicht  ausdrücklich  ein  Anderes  festgesetzt  ist,  Anwendung.


Das  dienstliche  Verhältniß  der  Schiffsoffiziere  unter  einander,  insbesondere
das  Verhältniß  zwischen  Offizieren  verschiedener  Dienstzweige,  bestimmt  sich  nach
den  vom  Rheder  oder  vom  Kapitän  getroffenen  besonderen  Festsetzungen.  Auf
Dampfschiffen  ist  jedoch  während  der  Ausübung  des  Wachtdienstes  der  wachthabende
  Maschinist  dem  wachthabenden  Steuermann  insofern  untergeordnet,  als
er  die  von  diesem  nach  der  Maschine  gegebenen  Befehle  auszuführen  hat.

Die  außer  den  Schiffsoffizieren  in  den  einzelnen  Dienstgweigen  als  Vorgesetzte
geltenden  Schiffsleute  werden  vom  Kapitän  bestimmt  und  sind  der  Schiffsmannschaft
  durch  Aushang  bekannt  zu  geben.

S.  4.

Der  Bundesrath  erläßt  Bestimmungen  über  Zahl  und  Art  der  Schiffsoffiziere,
  mit  welchen  die  Schiffe  zu  besetzen  sind,  sowie  über  den  Grad  des  Befähigungszeugnisses,
  das  der  Kapitän  und  die  Schiffsoffiziere  besitzen  müssen.
Die  Bestimmungen  sind  dem  Reichstage  bei  seinem  nächsten  Zusammentritte  zur
Kenntnißnahme  vorzulegen.

G.  5.

Seemannsämter  mit  den  durch  dieses  Gesetz  ihnen  zugewiesenen  Befugnissen
und  Obliegenheiten  sind  im  Reichsgebiete  die  landesrechtlich,  in  den  Schutzgebieten
die  vom  Reichskanzler  bestellten  Behörden,  im  Auslande  die  Konsulate  des  Reichs
für  Hafenplätze.

Die  Einrichtung  der  Seemannsämter  im  Reichsgebiete  steht  den  Landesregierungen
  nach  Maßgabe  der  Landesgesetze  zu.  Ihre  Geschäftsführung  unterliegt
der  Oberaufsicht  des  Reichs.  Bei  der  Entscheidung  in  den  im  9.  122  bezeichneten
Fällen  müssen  die  Seemannsämter  innerhalb  des  Reichsgebiets  mit  einem  Vorsitzenden
  und  zwei  schiffahrtskundigen  Beisitzern  besetzt  sein.