Full text : Blätter für Rechtsanwendung. XLVI. Band. (46)

62  Entſcheidungen  des  Oberlandesgerihts  München.

neben  einander  erkannten  Strafen  und  von  der  Zuerkennung
  einer  Haupt-  und  Nebenſtrafe  angeführt
wurde,  nicht  in  Betracht  gezogen  zu  werden  vermag,
da  es  ſich  im  gegebenen  Falle  eben  nicht  um  mehrere
neben  einander  erkannte  Strafen  handelt  und  ſonach
hier  Ziff.  6  und  nicht  Ziff.  5  des  8.  70  des  RStGB.
zur  Anwendung  zn  kommen  hat.  Beſchluß  vom
20.  März  1880.  %

S.  242.  N.  war  verdächtig,  aus  einer  nicht
verſchloſſenen  Geldſchublade  eines  Verfaufstiſches  in
einem  nicht  verſperrten  Laden  Geld  in  rechtswidriger
Zueignungs8abſicht  weg  und  an  ſich  genommen,  vor
dieſer  Entwendung,  um  zu  deren  Verübung  unbemerkt
in  den  Laden  zu  gelangen,  vorſäßlich  eine  Glastafel,
welche  an  der  von  der  Straße  in  den  Laden  führenden
  Thüre  angebracht  war,  eingedrüt  und  darauf
mit  dem  Arme  durch  ſie  ſo  bewirkte  Oeffnung  langend,
  die  Feder,  an  welcher  die  Ladenglo>e  befeſtigt
iſt,  ſo  weit  aufgebogen  zu  haben,  daß  beim  Oeffnen
der  Thüre  das  daran  befeſtigte  Eiſenſtäbchen  die
GloFRe  nicht  erreichte  und  ſo  ihr  Ertönen  unterblieb.

Die  Anſchauung  der  betreffenden  Strafkammer,
daß  der  ſo  verübte  Diebſtahl  nicht  als  ein  mittelſt
Einbruchs  begangener  ſich  darſtelle,  wurde  gebilligt,
weil  ſich  der  Dieb  den  Eingang  in  den  Laden  nicht
durch  das  Eindrü>en  der  Glastafel,  ſondern  durch
die  Benüßung  der  unverſperrten  Ladenthüre  verſchaffte,
indem  er  die  Gla8tafel  nur  zu  vem  Zwecke  eindrücte,
um  zu  verhindern,  daß  ſein  Eintreten  in  den  Laden
ſofort  dur?  das  Ertönen  der  Glo>e  der  das  Ladengeſhäft
  beſorgenden  Perſon  kund  werde.  Beſchluß
vom  9.  Januar  1880.

6S.  246,  350,  359.  Gegen  T.  S<.  war
Anklage  darauf  gerichtet,  in  ſeiner  Eigenſchaft  als
verpflichteter  Gemeindediener  von  W.,  nachdem  ihm