Das Lehrverfahren. 85
jungen Leuten eine möglichst abgeschlossene Bildung mitzugeben, wenn
die Betrefienden nur einigermaßen über die unbedingt notwendige Aufnahmefähigkeit
für das in den höheren Klassen Gelehrte verfügen.
In Zweifelsfällen können auch hier die praktischen Leistungen mit
in die Wagschale fallen. Ebenso sind versuchsweise Versetzungen auf
Widerruf empfehlenswert. Schließlich läßt es sich wohl auch einrichten,
daß ein Einzelner an bestimmten Stunden der höheren Klassen, für die
er Verständnis und Begabung hat (z. B. Materialienkunde), teilnimmt,
während er den Unterricht in anderen Fächern, die ihm nicht so gut
liegen (etwa Deutsch und Rechnen), wiederholt.
Den Unterricht in der Bürgerkunde sollte man tunlichst jedem
Lehrling und fortbildungsschulpflichtigen jugendlichen Arbeiter mindestens
während eines Jahres zukommen lassen, wird doch gerade in
ihm eine Saat nationalen Verständnisses und Empfindens gesät, die in
späteren Jahren gute Früchte tragen kann. Einen jungen Mann überhaupt
ohne Bürgerkunde-Unterricht lassen, heißt ihn schonungslos
den zerstörenden und zersetzenden Elementen ausliefern, die unablässig
am Werke sind, das zu vernichten, was andere mit heißem Bemühen
aufrichten, die mit törichten Phrasen gerade die kenntnis- und
infolgedessen urteilslose Menge verblenden und ihr vorspiegeln, daß
von einem plötzlichen Umsturz alles, einer stetigen ruhigen Fortentwicklung
aber, wie wir sie, die wir national fühlen und empfinden, anstreben,
nichts zu erwarten ist. Diese Verantwortung sollte meines
Erachtens kein pflichtbewußter Schulleiter auf sich laden dürfen.
6. Ferien und Feste.
Da das Schuljahr mindestens 40—42 Wochen umspannen soll, so
entsteht für die Leitung der Fabrikschule die Frage, in welcher Weise
die restlichen 10—12 Wochen Ferien zu verteilen sind.
Mancherlei Erwägungen lassen es nun rätlich erscheinen, dem Muster
der sonstigen Bildungsanstalten nicht zu folgen. Wie die praktische
Tätigkeit der Schüler unmöglich durch öftere kürzere Ferienwochen
(etwa zu den hohen Festen Ostern, Weihnachten, Pfingsten) unterbrochen
werden darf, obwohl dies bekanntlich für die gerade aus der
Schule Entlassenen in Rücksicht auf deren körperliche Entwicklung
gewiß begrüßenswert wäre, so sollte dies auch nicht für die Werkschulen
in Frage kommen.
Der beste Ausweg bleibt ein Aussetzen des Unterrichts während
der heißesten Sommermonate Juli und August, in denen er, mindestens
soweit er auf die Nachmittagsstunden fällt, so wie so wegen der Hitze
selten ein ersprießlicher sein würde. Die übrigen 10 Monate aber soll
der Unterricht ohne Unterbrechung fortdauern. Dadurch wird freilich