II Erdkunde. 75
6. Das Uralgebirge ist doppelt so lang als die Zlpen und etwa so hoch wie
das Riesengebirge. Während die nördliche hälfte des Gebirges mit Eis und Schnee bebeckt
ist, trägt die südliche prächtige Wälder. hier befinden sich auch wichtige Lagerstätten
von Eisenerzen, Gold und Hlatin, so daß sich eine lebhafte Industrie entwickeln konnte.
Im Süden geht das Gebirge in die Steppe über, die von einem mongolischen Dolksstamm,
den Kirgisen, mit ihren Pferde-, Schaf= und Kamelherden durchstreift wird. (Abb. S. 92).
7. die Bewohner Rußlands sind zumeist Slawen und bekennen sich zur
griechischen Kirche. Das große Reich, zu dem auch ganz Uordwestasien gehört,
regiert der Sar (Kaiser). Die Dolksbildung steht noch auf sehr niedriger Stufe.
C. Europa als Erdteil.
1. Derhältnis zum Erdganzen. Wie die Karte zeigt, liegt Europa auf der nördlichen
Hälfte der östlichen Halbkugel. (Gib die Grenzen an!) Es umfaßt 10 Millionen akm,
die von mehr als 400 Millionen Menschen bewohnt werden. Da also im Mittel auf 1 akm
ungefähr 40 Bewohner kommen, ist es der am dichtesten bevölkerte Erdteil. (S. 114.) —
Mit Asien hängt Europa eng zusammen. Sum nahen Afrika führt der Weg über das
Mittelländische Meer, und Amerika erreicht man nach einer 5 ½ tägigen Fahrt über
den Atlantischen Ozean. Der einzige Erdteil, der weit von Europa entfernt liegt, ist
Australien. Die günstige Lage Europas in der Mitte der länderreichen
nördlichen Erdhälfte ist mit der Grund, daß seine Bewohner unter allen Dölkern,
die Welthandel treiben, an erster Stelle stehen. Nicht wenig haben dazu aber auch
2. Gliederung und Nlima des Erdteils beigetragen. Der Rumpf Europas
ist im Süden und Westen in zahlreiche Halbinseln und Inseln aufgelöst. (Nenne
die größten!) Da von seiner Oberfläche ungefähr ½ auf die Glieder entfällt, ist er der
am meisten gegliederte Erdteil. Die Länge der Küsten übertrifft sogar die des dreimal
so großen Afrika bedeutend. Durch die auffallend starke Gliederung wurden die
Bewohner des Erdteils schon seit alten Seiten auf das Meer hingewiesen.
Schiffahrt und handel machten sie zu den herren der Welt. In allen andern Erdteilen
haben die Dölker Europas zesitzungen erworben und Uiederlassungen gegründet.
Während die Westhälfte Europas von vielen Gebirgen und hügelländern
durchzogen wird, ist der Osten fast völlig eben. hier haben sich daher besonders
große Flüsse entwickeln können. Doch auch dem Westen fehlt das Tiefland nicht,
und zwar reicht es bis an den Ztlantischen Ozean. Das hauptgebirge sind die
Alpen. Sie bilden zusammen mit den Dyrenäen im Westen, den Karpaten und dem
Balkan im Osten einen gewaltigen Gebirgszug, der sich nach Asien hinein forttsetzt.
In Europa erreichen diese Gebirge aber nirgends eine solche höhe, daß sie die Dölker
im gegenseitigen Derkehre hindern konnten; sie haben jedoch als Grenzwälle die
Bildung vieler selbständiger Staaten begünstigt.
Europa erstreckt sich durch die nördliche gemäßigte bis in die kalte Sone hinein.
Obgleich es dem Uordpole näher liegt als dem Kquator, sind die Sommer doch zumeist
milde. Ein besonders günstiges Klima haben West= und Mitteleuropa. Dies
verdanken sie vor allem dem warmen Golfstrom des ZKtlantischen Ozeans, der die
Küsten bespült, und den vorherrschenden Südwestwinden, die die laue Seeluft weit
über den reich gegliederten Erdteil tragen (Seeklimal). Je weiter man nach Uordosten
kommt, desto mehr überwiegt der Einfluß der ausgedehnten Landmassen, so daß dort