rung der Bank nicht mehr statutengemäß sichergestellt erscheint. Dem
Darlehensschuldner hingegen steht es frei, auch vor Ablauf der festgesetzten
Zahlungsfrist das Darlehen ganz oder teilweise zurückzuzahlen.
Am Ende des Jahres 1907 waren seitens der Hypothekenabteilung der
Bank insgesamt 4235 Darlehen im Gesamtbetrage von 299,99 Millionen K
erteilt. Demgegenüber waren 292,67 Millionen K Pfandbriefe der Bank
im Umlauf.
4. Fortbestand der Österreichisch-ungarischen Bank?
Der wirtschaftliche Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn ist zwar
bis Ende des Jahres 1917 geschlossen worden, die Bankfrage wurde jedoch
hierbei ausgeschaltet. So läuft das Bankprivileg am 31. Dezember ıgıo ab.
Während bei den letzten Privilegserneuerungen die beiden Regierungen
geeint vorgingen — begegneten sie sich doch in dem Streben, das Privileg
möglichst teuer zu verkaufen —, verlangen jetzt die Führer der
ungarischen Unabhängigkeitspartei ein selbständiges ungarisches
Noteninstitut. Politische Ursachen, nicht wirtschaftliche Interessen sind
die Beweggründe.
Daß Ungarn bei einer Banktrennung schlecht fahren wird!), unterliegt
keinem Zweifel: Österreich hat eine aktive, Ungarn eine passive Zahlungsbilanz.
Ungarn ist vor allem auch in sehr großen Beträgen kurzfristig an
das Ausland verschuldet. Die Aufrechterhaltung der Wechselparität wird
Ungarn mit einem hohen Zinsfuß und weitgehenden Kreditbeschränkungen
bezahlen müssen. Ungarn findet jetzt, das hebt Federn mit Recht hervor,
in Österreich jeden berechtigten Kredit, den es zur Entfaltung seiner Industrie
und Landwirtschaft braucht, weil keine Sorge hinsichtlich der Valuta,
in der diese Kredite zurückbezahlt werden, aufkommt und die gemeinsame
Bank eine Gewähr dafür bietet, daß nicht allzu leichtfertig mit dem österreichischen
Geld in Ungarn gewirtschaftet wird.
Aber auch für Österreich würde die Trennung der Bank große wirtschaftliche
Nachteile zur Folge haben. Die beiden Länder sind nun einmal
aufeinander angewiesen, vor allem so lange, als ein einheitliches Zollgebiet
besteht. Auch die Österreicher müssen alles vermeiden, wodurch
Ungarns Volkswirtschaft Schaden leidet.
Im Interesse beider Länder liegt also das Fortbestehen einer gemein-1)
S, a. die Aufsätze „Die Bankfrage“ im „Österreichischen Volkswirt“ vom
5. Dezember 1908 u. f. von Walter Federnundim „Tag“ vom 23. Dezember 1908
von Dr. Emden.