dieser belgischen Berichterstattung für die Abwehr der Haßpropaganda
der uns feindlichen Welt erwachsen war. Leider brachte die Beschränkung
der Berichte auf nur drei Ursprungsorte, Berlin, London, Paris, und ihre
— durch kaum ein böses Urteil getrübte — auffallend deutschfreund-
liche Grundrichtung die Veröffentlichung um den besten Teil ihrer Wir-
kung. Im Auslande wollte man in dem allen eine neue Hunnentücke
erkennen und erklärte die Sammlung für tendenziös ausgesucht und
daher wertlos.
Die von mir herausgegebenen, erst nach Abschluß des Weltkrieges
erschienenen fünf Bände ‚Zur europäischen Politik‘ mit ihren über 600
Originalberichten und Zirkularen des belgischen Ministeriums des
Äußeren!) bilden — weit über die erwähnte erste Veröffentlichung hinaus —
für unseren heutigen Kampf um die Wiederherstellung des deutschen An-
sehens wohl den politisch wertvollstenBestandteil der deutschenKriegstätig-
keit im besetzten Belgien. Während fast alles in den viereinhalb Jahren
der deutschen Besetzung dort Geschaffene als Anklage gegen Deutsch-
land verwendet wird und für ungeheuerliche Rückerstattungsforderungen
den Vorwand herleihen muß, spricht diese belgische Berichterstattung
aus den Jahrzehnten vor dem Kriege eindringlich zu Deutschlands
Gunsten. Wer aber in Deutschland hat sich mit ihrem Inhalte vertraut
gemacht?
Die 1915 zunächst in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung‘
abgedruckten 119 Gesandtschaftsberichte wurden in Deutschland be-
gierig aufgenommen und in der politischen Publizistik häufig verwendet.
Zu Unrecht verwechselt man sie noch heute vielfach mit den auf Erweisung
eines neutralitätswidrigen belgischen Verhaltens abzielenden Veröffent-
lichungen des Jahres 1914, die unter dem Sammelnamen der ‚Conventions
anglo-belges‘“ bekannt geworden sind und der deutschen Sache nur ge-
schadet haben?). Die von mir herausgegebenen fünf Bände „Zur euro-
päischen Politik‘ sind aber in Deutschland noch so gut wie unbekannt. Die
Übersättigung des Publikums mit Weltkriegsbüchern und polemischen
Erzeugnissen der verschiedensten Art hat mit dazu beigetragen. Es
blieb so gut wie unbemerkt, daß die belgische Regierung gegen die Ver-
öffentlichung der fünf Bände im April 1919 Einspruch erhob und bei
dieser Gelegenheit die in Frage stehenden Schriftstücke als „politische
Dokumente von höchster Wichtigkeit“ bezeichnete.
) Zureuropäischen Politik 1897-1914. Unveröffentlichte Doku-
mente. In amtlichem Auftrage herausgegeben unter Leitung von Bernhard
Schwertfeger. Bd. I. 1897-1904. Zweibund, Englisch-deutscher Gegensatz.
(Bearbeitet von Dr. Wilhelm Köhler.) Bd. Il. 1905-1907. Marokko-
Krisis, König Eduard VII. (Bearbeitet von Oberst B. Schwertfeger.)
Bd. III. 1908-1911. "Bosnische Krise — Agadir — Albanien. Bd. IV. 1912—1914.
Kriegstreibereien und Kriegsrüstungen. (Bd. Ill und IV bearbeitet von Pro-
fessor Dr. Alfred Doren.) Zur europäischen Politik, Bd. V.
Revanche-Idee und Panslawismus. Belgische Gesandtschaftsberichte zur Entstehungs-
geschichte des Zweibundes. (Bearbeitet von Dr. Wilhelm Köhler.)
2) Verg. Bernhard Schwertfeger. Der geistige Kampf um die Ver-
letzung der belgischen Neutralität. Verlag Hans Robert Engelmann, Berlin, 1919.
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