Volltext : Lehrbuch der bayerischen Geschichte.

414  Kurze  Geschichte  Schwabens.

in  Elsaß  jenseits  des  Rheins,

in  Alemannien  im  engeren  Sinne  zwischen  Rhein  und  Iller,

in  Schwaben  zwischen  Iller  und  Lech,  und

in  Rätien  südlich  von  Alemannien  und  Schwaben  bis  an  den
Höhezug  der  rätischen  Alpen.

Von  den  genannten  vier  Theilen  hat  für  die  bayerische  Geschichte  nur
Schwaben,  d.  i.  das  Land  zwischen  Iller  und  Lech,  Wichtigkeit,  da  dieses
den  größten  Theil  des  heutigen  Kreises  Schwaben  und  Neuburg  ausmacht.
Gleichwchl  kann  Alemannien  im  engeren  Sinne,  d.  i.  das  Land  vom
Rhein  bis  zur  Iller,  nicht  unberührt  bleiben,  weil  noch  vor  dem  Beginne
der  Karolinger-Herrschaft  die  Geschichte  Alemanniens  im  engeren  Sinne
mit  der  Schwabens  in  Eins  zusammenfällt.

§+  2.  Um  das  Jahr  648  tritt  als  Herrscher  Schwabens  Leuthar
hervor,  der  auch  die  übrigen  Theile  Alemanniens  beherrscht  zu  haben  hhein
Nach  ihm  tritt  in  Schwaben  ein  Herzog  Gottfried  (689—709)  und
dann  ein  Herzog  Wilchar  auf,  welche  dem  Pippin  von  Heristal  mit
Erfolg  entgegentraten.  Karl  Martell  schuf  klug  mehrere  Herzäge  neben
einander,  als  Berchtold,  Nebi,  Lautfried  um  720—725.  Einer  von
diesen,  Lantfried,  machte  in  Verbindung  mit  den  Bajoariern  den  Franken
viel  zu  schaffen  und  starb  im  Jahre  730.  Theobald,  wahrscheinlich  des
vorhin  genannten  Gottfried  Sohn  und  Vatersbruder  des  Nebi,  erlangte  die
herzogliche  Würde  über  das  ganze  diesseits  des  Rheins  bis  zum  Lech  gelegene
Alemannien,  erlag  aber  endlich  dem  Zorne  Karlmanns  (746).  Statt  der
Herzöge  kamen  nun  neben  vielen  Grafen  die  Send=  und  Kammerboten
(Missi  regis  et  Nuntii  camerae)  zum  Vorschein.  Eine  Zeit  lang  haben
Karl  der  Kahle  und  Karl  der  Dicke  Alemannien  vom  Rhein  bis  zum
Lech  als  gesondertes  Reich  regiert.  Bei  der  Schwäche,  die  namentlich  der
Letztere  an  den  Tag  legte,  schien  es  angezeigt,  die  verlorene  Unabhängigkeit
dieses  Landes  wieder  herzustellen.  Markgraf  Burkard,  ein  Sohn  des
Grafen  von  Thurgau,  trat  unter  dem  Karolinger  Ludwig  dem  Kinde
(899—911)  mit  dem  Verlangen  hervor,  zum  Herzog  Schwabens  erhoben
zu  werden,  wurde  aber  in  einer  Volksversammlung  ermordet.  Nicht  besser
erging  es  den  beiden  Kammerboten  Erchanger  und  Berthold,  die  denselben
  Plan  versolgten.  König  Konrad,  welcher  Kunigunde,  die  Schwester
der  beiden  Kammerboten  zur  Gemahlin  hatte,  schritt  gegen  sie  mit  Gewalt
ein,  nahm  den  Erchanger  gefangen  und  verwies  ihn  des  Landes.  Erchanger
kehrte  aber  bald  zurück  und  ließ  sich  915  als  Herzog  Schwabens  ausrusen-König
  Konrad  1  war  grausam  genug,  seine  Schwäger  Erchanger  und
Berthold  nach  einer  im  Jahre  916  zu  Hohenaltenheim  im  Ries  abgehaltenen
  Fürstenversammlung  bei  Adingen  im  Neckargau  am  21.  Januar
917  enthaupten  zu  lassen.

+3.  Nach  dem  traurigen  Ende  Erchangers  und  Bertholds  erneuerte
Burkard,  ein  Sohn  des  in  der  Volksversammlung  gemordeten  Markgrafen
die  herzogliche  Würde  in  Schwaben,  mußte  sich  aber  dem  Könige  Heinrich
dem  Finkler  924  unterwerfen  und  wurde  926  in  Italien  gemeuchelt.  Statt
seines  Bruders  Udalrich  folgte  der  Franke  Hermann  17),  des  im  Jahre
910  gegen  die  Ungarn  gefallenen  Grafen  Gebhard  von  der  Wetterau  zweiter
Sohn,  der  die  Wittwe  Burkards  II,  Regilinde,  ehelichte  und  936  das  Amt
eines  Erzschenken  ausübte.  Als  er  im  Jahre  948  starb,  wurde  sein  Schwiegersohn
  Ludolf,  des  Kaisers  Otto  1  Sohn,  Herzog  in  Schwaben.  Da  sich

—.

*)  Siehe  unten  in  der  Geschichte  Frankens  S.  421  die  genealogische  Tafel
des  fränkisch-salischen  Herrscherhauses.