Full text : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

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bilden  fich  vorzüglich  in  ungeheurer  Menge  in  allen  Aufgüfjfen  ober
allem  MWaffer,  in  dem  pflanzliche  oder  thiertiche  Stoffe  faulen;  daher
nennt  man  fie  Aufgußthierchen  oder  Snfufionsthierchen,  dem
Sinfuftion  heißt  Aufguß.

Be  Das  Pflanzenreid.
38.  Das  Samenkorn.

Sede8  Samenforn,  ed  fei  auch  noch  jo  flein,  ijt  merkwürdig
durch  jene  Befchaffenheit.  E83  beiteht  aus  einem  weißen,  mehlartigen
Kern  und  aus  einer  Schale,  Die  den  Kern  überzieht,  um  ihn  zu  jchüßen.
Außer  der  groben,  äußern,  härtern  Schale,  die  den  zarten  Kern  vor
allen  Verlegungen  behliten  muß,  Tiegt  zwijchen  ihr  und  dem  Kern  noch
eine  feine,  dünne  Haut,  damit  die  feite  Schale  den  Kern  nicht  drüden
möge.  Sp  hüllt  eine  Tiebende  Mutter  ihr  zartes  Sind  in  mehrere
Tücher  ein,  um  e3  zu  fehonen,  umd  Iegt  die  feinjten  Zücher  gern  zus
nächit  um  des  Kindes  Glieder.  Welche  Fürforge  des  Schöpferd  für
da3  Mllerkleinfte  in  feiner  Natur!  Wie  manche  Eltern  haben  für  ihre
eigenen  Kinder  und  deren  Gejundheit  nicht  Io  viel  Sorgfalt,  ald  Gott
für  das  Leben  de3  Fleinften,  oft  fun  dem  Nuge  fihtbaren  Samenforns
der  gemeinften  Pflanze.  Uber  auch  das  Sinnere  des  Samenförnleind
it  merfwürdig.  Man  entdeckt  in  demfelben  einen  Kleinen  Punft,  Der  erhaben
it.  Man  nennt  ihn  das  Herzchen;  e8  ıjt  der  Keim  der  fünftigen
Pflanze,  der  erite  Anfang  zum  Rornhalm  oder  zum  Eichbaum.  Gelbft
alijo  auch  die  mehligen  Theile  find  nur  eine  Hülle;  fte  Dienen  dem
jungen  Keim  als  erjte  Nahrung,  jo  lange  er,  nicht  heruorgetrieben,
noch  Feine  Wurzeln  und  Blätter  gebildet  Hat,  um  Nahrung  aus  LYuft
und  Erde  einzufaugen.  Sie  find  dem  jungen  Pflanzenfinde  gleichjam
die  erfte  Muttermilch,  Durch  welche  e8  erhalten  wird,  bi8  e8  fähig  ift,
jtärfere  Koft  zu  genießen.  —  Wenn  nun  im  Frühjahre  Die  Strahlen
der  Some  den  aufgethauten  Erdboden  burhwärmen,  regt  fich  ber
wohlverwahrte  Keim  und  jchwillt  von  der  Nahrung,  daß  Die  ihn  umgebende
  Schale  zerplabt.  und  er  Heruordringen  kann.  Die  Kraft,  welche
diejer  Schwache  Keim  Hat,  ift  erftaunenswürdig,  indem  er  den  Kern  an-Ihmellt.
  Wenn  man  ein  Gewicht  von  Kundert  und  fünfzig  Pfund  auf
Erbjen  Iegt,  die  man  durch  Anfeuchtung  zum  Keimen  Iodt,  jo  wird
Dad  Gewicht  Durch  daB  Schwellen  der  Erbfen  bewegt,  und  ber  Keim
bringt  hervor!  Woher  diefe  außerordentliche  Stärke?  Wie  kann  folche
Kraft  in  einem  jo  zarten  Keime  wohnen,  den  der  Finger  eines  Kindes
zeritört?  —  Der  fcharffinnigfte  Künftler  auf  Erben  und  der  gemaltigfte
  der  Fürften,  defjen  Winfen  Millionen  gehorchen,  Tönnen  fte  ein
einzige8  Samenforn  machen?  —

39.  Die  Pflanzen  und  das  Licht.

Die  Pflanze  Hat  ein  wejentlihes  Verhältntg  zum  Lichte.
Das  Licht  giebt  den  Pflanzen  vorzugsweife  die  Mannigfaltigfeit  und  bie