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Über allen diesen mannigfachen Mundarten
steht als gemeinsames Bindeglied die hochdeutsche
Schriftsprache. Nicht als ob sie überall ein unveränderliches,
starres Wesen aufwiese, nein, von
Gegend zu Gegend zeigt sie sich von der Mundart
in mehr oder minder hohem Grade beeinflusst.
Aın wenigsten im schriftlichen Gebrauch, obwohl
hier selbst unsere grössten Dichter und Schriftsteller
nicht ganz unbeeinflusst von .ihrer heimatlichen
Mundart geblieben sind. Die Umgangssprache
aber, soweit sie hochdeutsch ist, wird in
hervorragendem Masse von der Mundart beeinflusst.
Vielfach abgestuft ist vom Hochgebirg bis zur See
der Tonfall beim Sprechen, vom rauhen Kehllaut
des Gebirgsbewohners.bis zur weichen Sprechweise
des Niederdeutschen. Auch im Wortschatz macht
sich die Einwirkung der Mundart geltend, am geringsten
wohl da, wo der Abstand zwischen ihr
und der Schriftsprache am grössten ist, also etwa
im Hochalemannischen und im ausgesprochen
niederdeutschen Gebiet; hier muss die Schriftsprache
als etwas ganz Fremdes schulmässig erlernt
werden und wird gewissermassen als neue
Sprache empfunden. Aber auf mitteldeutschem
Boden ist der Unterschied zwischen Mundart und
Schriftsprache zumeist nicht allzu gross, so dass
diese nur als eine bessere, feinere Art zu sprechen,
nicht als etwas Fernstehendes empfunden wird.
Daher ist hier die Einwirkung des Dialekts auf die
Schriftsprache am meisten zu spüren; mundartliche
Wörter und Redensarten, Flexionsformen und syntaktische
Eigentümlichkeiten dringen in die Umgangssprache
ein. Die Redeweise der niederen
und der höheren Stände unterscheidet sich durch
Schrift-.
sprache
und
Mundart.