Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

umme  30
sang=  und  andere,  n,  ebenso  für  wissenschaftliche
Verefne.  Redner  kommt  dann  auf  765  politischen
Charakter  des  Arbeiter-Turnerbundes  zu  sprechen
  und  verliest  eine  Reihe  von  Fällen,  in
denen  dsarauf  hingewiesen  wird,  daß  in  ersler
Linie  die  Agitation  (ür  die  Soʒialdemoltatie
und  dann  erst  das  Turnen  komme.  Was  die
Jugendfrage  aulange,  —T  sei  er  der  Ansicht,
daß  die  sungen  Leuse  bis  zum  18.  Jahre  nicht
an  politischen  Kämpfen  teigehmen,  sondern  erst
lernen  sollten.

Die  Beratung  wird  am  Donnerstag  fortgesetzt.


 

Faimice  aundschau.

Vom  on

Der  Finonkaueschyß,  der  Kammer  der  Abgeordneten
  hat  dem  Beschluß  der  Kammer  der
Reichsräte,  im  Justizetat  die  seinerzeit  gestrichenen
  Landgerichtstäte  wieder  einzusetzen,  zugestimmt,
  dagegen  verharrte  er  bezüglich  der  von
ihm  herabgesetzten  Jahl  der  Oberamterichter,
die  die  Kammer  der  Reichsräte  gleichfalls  wieder
  eingesetzt  hat,  auf  seinem  früheren  ablehnenden
  Standpunkte.

Militärlieferungen.

Die  Beteiligung  des  Schneidergewerbes  für
die  Bedürfnisse  der  bayerischen  Armee  ist  im
Jahre  1913  um  130  Prozent  gestiegen  und  wiro
auch  in  diesem  Jahre  eine  noch  größere  Steigerung
  erfahren.  Von  Dauer  sind  aber  biie
Verhältnisse  nicht,  weil  es  sich  hierbei  hauptsä
lich  nur  um  Deckung  eines  einmaligen  außerordentlichen
  Bedarfes  anlählich  der  letzten  Heeresvermehrung
  handelt.

Deutschlan.
Das  Spionagegeset.

Die  19.  Kommission  des  Reichstags  zur  Beratung
  des  Entwurfs  betr.  den  Verrat  militärischer
  Geheimnisse  nahm  den  ersten  Absatz
des  8  1  in  folgender  Fassung  an:  „Mililärische
  Geheimnisse  im  Sinne  des  Gesetzes  sind

Sckriften,  Jeichnungen  und  andere  Gegentände
(die  im  Entwurf  einbezogenen  „NRacheichten“
werden  gestrich  en,  deren  Geheimhaltung  im  In.
tleresse  der  Landesverteidigung  erforderlich  it.“

Deutschland  und  England.

In  der  Budgetkommission  des  Reichstages
führte  Staatssekretär  von  Jagow  aus,  day  die
Beziehungen  zwischen  Deutschland  und  England
sich  auf  der  Linie  der  Entspannung  und  Annäherung
  glücklich  weiter  entwickelten.  Der  Grundton
  der  öffentlichen  Meinung  sei  ein  anderer  geworden,
  als  in  den  Vorjahren.  Man  könne
sich  dem  Eindruck  nicht  wenschiehen,  daß  in  der
allgemeinen  Stimmung  ein  gewisser  Wandel
eingerreten  sei.  In  beiden  Ländem  habe  die

enntnis  Boden  gewonnen,  daß  sie  in  vielen
Punkten  und  Fragen  mit=  und  nebeneinander
arbeiten  können  und  daß  sich  ihre  Interessen
vielsach  berühren.  Die  Ereignisse  der  letten
Zeit,  die  Vorgänge  auf  dem  Balkan  uno  die
Verhandlungen  in  London  trugen  noch  dazu
bei.  In  England  habe  man  sch  iberzeugen
können,  daß  auf  deutscher  Seite  keine  aggressive
  Politik  getrieben  werde.  Mit  England  habe
Deutschland  dann  arbeiten  lönnen,  zwischen  den
beiden  Mächtegruppen  ausgleichend  zu  wirken
und  internationale  Konflitte  zu  vermeiden.  Daraus
  hätten  sich  gewisse  Annäh:#rungen  ergeben.
  Die  Beziehungen  zwischen  den  beiden  Kabinetten
  seien  vertrauensvoll  und  loyal  uno
von  gegenseitigem  Entgegenkommen  getragen.
Es  würden  ferner  Verhandlungen  über  Einzelfragen
  gefük“.  Diese  Verhandlungen,  die
von  dem  Wun.Se  geleitet  seien,  auf  dem  Gebiete

meintge  von  dirser  Jagd  in  Erregung  versetzt,
noch  ganr  *  war.  Ungefähr  eine  Meile  oder
zwei  konnte  Turand  noch  sein  Tempo  einhalten.
dann  aber  sah  er,  daß  er  mir  nicht  entlommen
konnte  und  lentie  sein  Pserd  aquerseldem.  Das  war
schlecht  für  mich.  Ter  Holelgaul  loume  springen,
mein  Pierd  aler  war  noch  ei  Neuling  in  diesem
Zeitvertreib.  Wir  lamen  sicher  über  einige  Hecken
und  Turand  immer  naber,  als  ein  Drahtzaun
sichtbar  wurde.  Ich  habe  schon  von  Perden
ehort  die  über  einfachen  Düaht  gesprungen  sein
Fen.  gesehen  habe  ich  es  aber  noch  nich!  und
nie  hälte  ich  gedacht,  daß  ich  selbst  einmal  den
Versuch  machen  würde.  urand  —  ich  muß
neeen.  der  Schuft  reuet  gut  —  ging  ohne  Zögern
arauf  los  und  kam  hinüber,  wie  ein  Vogel.
#e  Blut  stockte  mir  in  den  Adern.  Ich  wußte,
daß  mein  Pferd  das  andere  hatte  E——x  sehen
und  vertraute  auf  die  Vorsehung,  d  ich
nicht  geglaubt,  daß  ich  lebeno  biatterkommen
würdem
ner  Geschwindialeit  von  dreißia  enalischen
  M  in  der  Stunde  gingen  wir  darauf
los;  das  Pferd  nteifte  den  Draht  mit  allen  Vieren,
krickte  ein,  erholte  sich  zum  Glück  wieder,  aber  ich
füblte  *  Sicherheit,  daß  alles  vorbei  sei,  zwemn
dieser  Sprung  nicht  der  letzte  war.  Ich  gab  meinem
  Pferde  die  Hilsen  und  einen  Sioß  in  die
Rippen  und  suchte  Durand  cein#uchelen,  ehe  noch  die
nächste  Hecke,  ein  hoher  Stachelzaum  erreicht  war.
ach  machte  wahrhaft  herkulische  M'strengungen,
urands  Zuůgel  zu  erfassen.  ferd
ch  vorne  und  mein  Versuch  gan.  Wir
gingen  nun  auf  den  Zaun  los.  Durand,  der
gewi-6  eupeahe.  des  für  ihn  alles  vorüber  wäre,
wenn  i  über  den  Drahtl  gelangen  konnte,
und  der  dies  noch  dem  Erfolge  des  leyten  Sprunges
  befürchtete,  obwohl  —  ich  bin  überzeuat  davon

 

EAMMIII

des  wirtschaftlichen  und  kolonialpolitischen  Wettbewerbs
  Ingeressengegensae  zu  vermeiden,  nähmen
  ihren  Fortang,  sie  seien  aber  noch  nicht
zu  Ende  geführt.  Es  seien  viele  Wünsche  und
Hehenosche  abzuwägen  und  es  spielten  auch

Interessen  anderer  Staaten  hinein.  Man  dürfe
erwarten,  daß  das  Ergebnie,  wenn  es  auch  niatt
gegen  jede  Kritik  gefeit  sein  werde  in  beiden
Ländern  mit  Befriedigung  ausgenommen  werde.

"“  Die  Fahrkartensteuer.

Die  zweite  württembergische  Kammer  nahm
einen  Antrag  an,  in  dem  die  Regierung  ersucht
wird,  im  Bundesrat  für  eine  möglichst  baldige
Aufhebung  der  Fahrkartensteuer  einzutreten  unter
  der  Voraussetzung,  daß  der  dadurch  entstandene
  Ausfall  ohne  Erhöhung  der  Matrikularbeiträge
  gedeckt  werde.  Minislerpräsident  v.
Weizsäcker  erklärte  darauf,  daß  er  mit  diesem-Antrag
  einverstanden  sei  und  daß  er  der  Negierung
  eine  Stütze  bieten  werde,  wenn  die  Frage
der  Aufhebung  der  Fahrkartensteuer  wieder  zur
Sprache  komme.  Vielleicht  werde  die  Steuer
*  einmal  abgeschafft  werden.  Einer  Erhöhung

der  Matrikularbeiträge  würde  er  sich  mit  aller
Entschiedenheit  widersehen.

Ausland.
Rußlands  strategischer  Bahnbau.

Der  russische  Ministerrat  stimmte  einer  Kreditvorlage
  an  die  Duma  zu,  die  240  Millevnen
  Rubel  zum  Bau  strategischer  Bahnen  an

der  r  ussischen  Westgrenze  vorsieht.

Eine  Rede  Eduard  Greus.
Condon,  4.  Febr.

Sir  Edward  Grey  hielt  gestern  spät  abends
nach  dem  Diner  der  Handelskammer  in  Manchesier
  eine  Nede,  in  der  er  die  Wichtigkeit  der  Erhaltung
  der  Politik  der  offenen  Tür  betomee.
Eine  Schwierigkeit,  die  auswärtigen  Märkte
osfen  zu  halten,  entstehe  im  Falle  innerer  Wirren
  und  Nevolutionen  wie  jetzt  in  Mexiko.  Dort
nehme  die  Revolution  einen  solchen  Umfang  an.
daß  sie  sich  jeder  Kontrolle  entzöge.  England
könne  nicht  eingreifen,  um  die  Märkte  zu  schützen,
  weil  der  Markt  vollständig  ruiniert  sei.
In  Persien,  wo  die  Handelsstroße  gesperrt  sei,
lönnte  England  sie  mit  einer  verhältnismäßig
tleinen  Macht  oifen  halten.  Man  müsse  aber
auch  weiter  blicken  und  die  Verpflichtungen  des
Reiches  in  Betracht  ziehen,  die  durch  die  Entlendung
  einer  bewaffneten  Macht  entständen.
Das  wichtigste  Ziel  der  äußeren  Peitik  sei,
den  Landessfrieden  zu  erhalten,  nicht  aus  Mangel
an  Mut,  als  ob  England  so  vor  der  Idee  eines
Krieges  zurückschrecke,  daßt  es  ihn  uniter  beincn
Umständen  ins  Auge  jassen  könnte,  sondern
wmeil  es  sich  der  verwüstenden  Folgen  eines  Krieges
  voll  bewußt  sei.

Sir  Grey  kam  dann  auf  die  Rüstungsfrage
zu  sprechen.  Er  sagte,  er  baabsichtige  nicht  eine
wichtige  Erklärung  abzugeben.  Die  Uriachen
der  hroßen  Ausgaben  für  die  Rüstungen  seien
nicht  allein  die  britische,  sondern  eine  europälische
Frage.  Man  müsse  die  Rüstungen  zu  Lande
und  zu  Wasser  im  ganzen  betrachten.  England
vermebrte  seine  Seerüstungen  gewaltig.,  angesickts
  der  Vermehrung  der  gesamten  Rüsungen
Eurovas  war  das  unvermeidlich.  für  Enaland
sei  die  Flotte  das,  was  für  die  kontinentalen
Nationen  ibre  Armee  bedeute.  Eine  große  Steierung
  in  dem  Bauprogramm  eines  jeden
Landes  wirke  stimulierend  auf  die  Auzgaben
anderer  Länder,  während  eine  Verminderung
der  Ausgaben  eines  Landes  andere  nicht  notwendig
  beeinflusse.  Es  herrsche  in  Europa  die
Idee,  daß  dies  ein  Wettrennen  sei,  wobei  man
chliehlich  einen  Preis  erringen  könne,  doch  sei
das  ganz  irreführend.  Wenn  das  vordersie

 

—  auch  in  hundert  Irhren  mein  V###  nichr  imstande
  gewesen  wäre,  den  nächsten  Zaun  zu  überspringen,
  zügelte  sein  Pferd,  gerade  als  wir  beide
von  der  Hecke  gelangt  waren,  drehte  sich  nach  mir
um  und  versetzte  meinem  Tier  einen  heftigen  Schlag
mit  seiner  Peilsche.  Tas  nächste  war  ein  furchtbarer
  Sunz.  Ich  horie  nur  mehr  das  Rassein
von  Traht  und  erinnere  mich  sonst  an  nichte  mehr
bis  ich  im  Bealey  Hotel  erwachte.  Ich  erfuhr,  daß
mich  die  Postlutsche  ausgenommen  halie,  da  mich
einige  ihrer  Passagiere,  die  auf  dem  Imperial
saßen,  auf  dem  Rücken  eines  toten  Pferde  liegen
sahen,  während  ich  in  einem  Knäuel  von  etlichen
hundert  Ellen  Stacheldraht  eingeiponnen  war.
erholte  mich  jedoch  genügend  rasch,  um  am  nächsten
Tage  Holilila  zu  erreichen,  von  wo  ich  nach  Colombo
  fuhr.  Tie  erste  Zeit  konnte  ich  Turands
Spur  nicht  sinden.  Gestern  abend  aber  sah  ich
ihn,  wie  er  gerade  mit  ein  paar  Singalessen  in
einer  Straße  in  der  Nähe  des  Hasens  schwänte.
Ob  er  mich  in  diesem  verd  .  ..  Bar#r  erlanm  hat
oder  nicht,  weiß  ich  nicht  —  aber  er  ist  sehr  schlau
—  und  sobald  ich  mich  näherte,  lie  er  davon.  Tas
übrige  wissen  Sie  ja  bereits.  —  Wollen  Sie  noch
etwas  trinken?“

„Danke,  nein,“  erwiderte  Anson.  Und  während
  sie  noch  zusammen  da  saßßen,  leuchtete  der
sahle  indische  Tämmerschein  des  Morgens  durch
die  Spitzen  der  Palmen  von  draußen  herein.  Und
da  es  ihnen  llar  wurde,  daß  sie  nichts  beginnen
lonnten,  bevor  nicht  die  Stadt  wieder  das  geschäftige
  Treiben  ausgenommen  hatte,  begaben  sie
sich  zu  Bette

18.  Kapitel.
Nach  einer  unrubig  verbrachten  Nacht  erwachte
Anson  spät  und  begab  sich  in  das  Frühstücks-Rimmer,

  hinunter,  wo  er  Estielle  und  Char#lers

 

Pierd  seine  Tempo  verlangsame,  würden  die  an

deren  nicht  dasselbe  tun.  Der  britische  Flottenetat
  sei  zwar  ein  bedeutender  Neltor  für  die
europäischen  Flottenetats,  aber  die  Kräfte,  die
auf  eine  Vermehrung  Dindrängten,  entzögen  sich
tatsächuich  jeder  Kontrolle.  Durch  den  Bau
des  ersten  Dreadnoughts  übernahm  England
eine  gewisse  Verantwortung,  aber  die  gegenwärtigen
  vermehrten  Ausgaben  für  Dreadhugeen
  leien  nicht  durch  England  bedingt.
Deutschland  lege  neue  Schiffe  auf  Kiel  auf
Grund  seines  Flottengesetzes,  das  England  nicht
ändern  könne.  Frankreich,  Oestlerreich-Ungarn,
Rußland  und  Italien  bauten  Dreadnoughts
nicht  Englands  wegen.  Wenn  England  in
diesem  Jahre  gar  nichts  baute,  so  würde  das
keine  Aenderung  im  europäischen  Schissobau  verursachen,
  für  England  würde  eine  enorme  Redultion
  ein  zu  großes  Hasardspiel  sein,  solange
keine  Gewißheit  bestehe,  daß  eine  entsprechende
Wirkung  auf  das  übrige  Europa  solge.  Auf
die  zu  erwartenden  parlamentarischen  Klagen
über  die  Höhe  des  Flottenetate  bezugnehmeno,
sagte  Grey,  daß  England  den  finanziellen
Druck  nicht  mehr  empfinde  als  andere,  daß  es
aber  als  kaufmännische  Nation  von  der  Unprodultivität
  der  Ausgaben  durchdrungen  und
von  der  Besorgnis  wegen  der  Wirkungen  auf
den  Kredit  nicht  nur  Englands,  sondern  ganz
Europas  erfüllt  sei.  Gegenwärtig  könne  man
indes  wenig  tun,  außer  die  Ausgaben  Englands
  in  den  Grenzen  der  Sicherheit  und  Verpflichtungen
  gegen  andere  Reichsteile  zu  halten.

Grey  sprach  seine  Sympathie  mit  der  Beschränkung
  der  Rüstungen  aus,  er  betonte  aber,
daß  hes  keinen  Zweck  habe,  an  andere  Nationen
  den  Appell  zu  richten,  der  ihnen  nicht  willkommen
  sei  und  den  sie  nicht  zu  akzeptieren  bereit
  seien.  Man  müsse  berücksichtigen,  daß  sehr
viele  Länder  die  Rüstungsausgaben  als  eine
innerpolitische  Angelegenheit  betrachten  und  das
Verlangen  eines  fremden  Landes,  die  Rüstungsctate
  sollten  Gegenstand  von  Erörterungen
oder  Abmachungen  sein,  als  eine  Anmaßung
übelnehmen.  Die  NRegierung  habe  das  Empfinden,
  warten  zu  müssen,  bis  die  großen  europäischen
  Länder  von  dem  gleichen  Gesühl  durchdrungen
  seien  wie  sie,  daß  ein  Einhalten  in
den  Rüstungsausgaben  wünschenswert  sei.  Grenyn
sprach  zum  Schluß  die  Erwartung  aus,  daß
die  Finanzschwierigleiten  in  Europa  allmähl  ich
eine  Atmosphäre  erzeugen  würden,  die  ein
Uebereinkommen  unter  den  Nationen  über  die
Rüstungsausgaben  weit  möglicher  machen  würden,
  als  gegenwärtig.

Vor  dem  drikten  Bakkankeleg  7

Die  Nachrichten  aus  dem  europäischen  Wetterwinkel
  lauten  in  der  lehten  Zeit  wieder  sehr  beunruhigend.
  Obwohl  noch  ganz  unverbürgt,  erhalten
  sich  Gerüchte  von  neuen  Geheimbünden
auf  dem  Ballan  mit  großer  Hartnäckigkeit,  und
man  ist  versucht,  ihnen  Elauben  zu  schenken,
wenn  man  rerschiedene  Vorgänge  der  leptzten
Zeit  ins  Auge  saßt.  Obgleich  man  in  Europa
ziemlich  allgemein  über  die  Möglichkeit  eines
baldigen  neuen  Balkanmiieges  spricht,  scheint  man
nirgends  diese  Möglichkeit,  die  für  ganz  Europa
von  weittragender  Bedentung  und  sehr  ernsten
Folgen  sein  kann,  ernsthaft  in  Frage  zu  ziehen.

it  einer  gewissen  Sorglosigkeit  überfliegt  man
die  Meldungen  vom  Ballan,  die  von  dem  Abschluß
  eines  türkisch-bulgarischen  Bündnisses  mit
der  Spitze  gegen  Griechenland  und  Serbien  oder
von  der  bereits  weit  vorgeschrittenen  Mobilisierung
  der  Türkei  und  dem  erstaunlichen  Opsermut
  und  der  besorgniserregenden  Revanchelust
  dler  türkischen  Bevölkerung  berichten.

Und  doch  ist  es  heute  mehr  denn  je  fraglich,

 

ob  die  bislang  mühsam  erhallene  Eintracht  zwimut

  der  Halste  der  Mahlzcit  schon  ferlig  sand.

Sein  Eimretlen  wurde  von  ihnen  nucht  bemerkt
und  er  konnte  Sie  eine  Weile  unbemerkt  beobachten


"7*  Er  bemerkte,  daß  Esielle  noch  nie  so  lieblich
ausgesehen  hätte  wie  jeßt,  da  sie  mit  ihrem:  Valer
planderte,  entzückt,  wieder  mit  ihm  vereint  zu  sein.
Gelleidet  war  sie  in  einen  jener  vornchmen  einsachen
  weißen  Stosfe,  die  englische  Frauen  in
Colombo  herstellen.

Endlich  blickte  sie  in  Ansons  Nichtung  und
erwiderte  seinen  Gruß  mit  einem  glücklichen
Lächeln.

.Sie  müssen  sich  beeilen,  mein  Junge“  sagte
Cbariers.  nachdem  Anson  Csuille  begrußt  hatle.

.In  einer  Stunde  geht  das  Schif  ab;  wir  dürsen
ucht  zugeben,  daß  Durand  uns  dieermal  wieder
ein  Schnippchen  schlägt.  Wir  müssen  annehmen,
daß  er  heute  Colombo  verlassen  will.  Es  ist  gut,
daß  ich  alle  Osfiziere  auf  diesem  Schisse  leune
und  wenn  wir  noch  rechtzeitig  dort  eintressen,
wird  es  leicht  sein,  seine  Absichten  herauszubekommen.“


Peler  Papal“  rief  Estelle.  „Du  willst  mich
doch  vs-  wirder  verlassen?

Il  Turand  nicht  wieder  verlassen.“
bemerdee  aharters  ingrimmig.  „Wenn  er  fährt,
sahre  ich  mit  ihm  —  oder  ich  haber  die  Opale.  Aber
glaube  nur  ja  nicht,  daß  es  wahrscheinlich  ist,
daß  er  den  Versuch  machen  wird,  so  frank  und
frei  davonzugehen.  Er  wird  sich  vdenken,  daß  wir
beim  Schisse  Wache  halnn  Toch,  Liebl#ng,“  fuhr
er  sort  und  schaut  Estelle  mit  zärtlichen  Blicken
an,  „ich  will  dich  nicht  allein  lassen.  Ich  glaube,
ich  kann  mit  Durand  allein  fertig  werden.
Anson  kommt  noch  zurück  und  wird  Dich  schon
von  hier  weg  bringen,  wenn  ich  leine  Zeit  mehr
baben  sollte,  mich  mit  Dir  zu  verständigen,  daß

 

 

Ireltag,  6.  Jebruar  ##
schen  den  europäischen  Großmächten  eine  neutl
Belastungsprobe  aushalten  würde,  seit  dem  Bu%
karester  Frieden  ist  so  manches  über  die  vielge,
priesene  Friedensliebe  einiger  Großmächte  durcgesickert,
  dah  man  zum  zweiten  Mal  nur  mit
Kroher-  Skepsis  und  unbberp,iinolichem  Mihtraun
das  Schicksal  Europas  in  den  Händen  einet
europäischen  „Friedenskonferenz“  sehen  würde
Die  Enthüllungen  über  das  Zustandelommen
des  Balkanbundes  unter  russischer  Aegide  mi
der  Spitze  gegen  Hesterreich  kamen  spät  aenug
um  den  Balkanfrieden  und  den  Frieden  Europa:
nicht  mehr  zu  gefährden,  aber  doch  viel  zu  frũh,
uni  boi  neuen  europãischen  Verwidlungen  nigi
einen  bitteren  Vorgeschmack  hinterlassen  zu  ha.
ben.  Seitdem  am  Goldenen  Horn  das  rrtürkentum
  unter  der  radikalen  Führung  Enve#
Paschas  und  Talad  Beys  das  Steuer  fühn,
muß  Eur-pa  jeden  Augenblick  gewärtig  sein,
daß  der  Funlen  von  neuem  ins  Pulverfah  schläg.
und  u5  der  gewaltigen  Erschöpfung  der  Bukanvölker
  ein  neuer  Nachelrieg  die  verödete
Dörfer  und  Ländereien  nochmals  verwüseet.

Und  wie  die  Türkei,  so  steht  auch  das  junge
Albanien,  das  in  seiner  jetzigen  Gestalt  nich
leben  und  nicht  sterben  kann,  auf  dem  Sprung,
um  zurückmerwerben,  was  ihm  nach  seiner  *
sicht  gebührt.  Albanien  will  von  Serbien  und
Griechenland  die  Städte  und  fruchtbaren  Län—
dereien,  ohne  die  es  nimmer  bestehen  kann,  und
die  Türkei  will  wenigstens  einen  Teil  seinez
ehemaligen  Besitzes  zurück,  die  ihm  der  gemein
same  Feind  genommen  hat.  Die  bulgariche
Erbitterung  und  Enttäuschung  kommt  hier  der
Türlen  sebr  gelegen;  Bulgarien  hat  durch  den
blutigen  Krieg  vor  allem  Mazedonien  gewi##
nen  wollen,  und  dies  ist  ihm  zum  großen  Teile
von  den  Serben  enkrissen  worden.  baziender
  Türkei  und  Mazedonien  den  Bulgeren,  #
rlechnen  und  verteilen  jetzt  die  Staatsmänner  n#
Konstantinopel  und  Sofia.  Daß  dies:  An,
nahme  nicht  bloß  Mutmahßung  ist,  ertellt  ans
der  Tatsache,  daß  Bulgarien  n  #3  nicht  all
Teile  Thraziens  besetzt  hat,  die  ihm  nach  den
letzten  Friedensschluß  zugesallen  sind,  dafz  viel—
mehr  in  diesen  „Teilen  immer  noch  türkischez
Militär  sieht.  Das  legt  die  Verutung  ieht
nahe,  daß  im  Ernstfall  die  Türkei  ohne  weiteres
ihre  Truppen  über  die  griecht  sche  Grenze  rückn
zu  lassen  in  der  Lage  sein  soll,  ohne  vorerst  m
Bulgarien  wegen  Durchquerung  bulgorischen  Ge,
bietes  Verhandlungen  pflegen  zu  mussen.  Soviel
  sieht  jedenfalls  fest,  daß  zwischen  der  Tur.
kei  und  Bulgarien  ein  Einverständnis  vorhem
den  ist,  das  entweder  schon  zu  Geheimabmackur.
gen  geführt  hat  oder  doch  sehr  leicht  suhten
kann  und  wird.

Wie  sich  bei  einem  Neuaur  obruch  des  Kricg
der  Balkan  formieren  und  wie  Europa  sich  cis.
dann  verhalten  wird,  das  ist  die  bange  Itaee
an  die  Zulunft.  Der  Konflilt  zwischen  Türka
und  Griechen  scheint  bereits  nahe  bevorzuneben.
Ob  dann  Bulgarien  mit  seinen  Forderungen  c
Serbien  herantreten  wird,  ob  dann  auch  die  Abanier
  den  Griechen  und  Serben  ihre  Rechnun
präsentieren  werden,  ob  dann  Numänien  sein
Balkanprestige  zu  wahren  suchen  wird,  ob  der
russtscke  Bär  seine  begehrlichen  Pranken  auf
Armenien  schlagen  und  FErankreich  sich  in  Saric
niederlassen  wird,  das  alles  find  Fragen,  die
vielleicht  schon  die  nächste  Zulunft  aufurien
wird.  Darum  tun  auch  wir  Deutt  schen  gut.  die
mögliche  Entwicklung  der  Dinge  auf  dem  Valla#
zeilig  ins  Auge  mu  sassen,  damit  wir  uccht  wid
der  so  verdutzt  und  rallos  den  Geschehnissen  im
Orient  zusehen  müssen,  wie  vor  Jahresstis.

Hof-  und  Personalnachrichken.
München,  4.  Febr.  Der  König  hatte  auf
heute  Mittag  die  Mitglieder  der  Kammer  de#

 

 

Du  noch  vor  Absahrt  des  Schisfes  an  Boꝛd
kommen  olll.=Errölend

  blickte  Estelle  Auson  anu.  Tan#
sagte  sie  mit  einem  ein  wenig  verdachligen  La.lelu-Du

  arrangierst  da  Mr.  Ansons  Pläne  in  cmlich
kühler  Weise,  Papa.  Wielleicht  wurde  er  es  verzuben.
  nicht  einen  so  veramworlungsvollen  Poslen

eiden.“

Ansons  Erwiderung,  die  er  murmelle,  wahrend
ein  eingeborener  Kellner  Charters  indischen  Cmm
reichte,  machte  Estelle  noch  mehr  erröten.  Anson
vergaß  fast  den  Ernst  des  Augenblickes  und
hoffle,  daß  Durand  sich  wirklich  zusammen  mil
dem  armen  Charters  einschissen  und  er  zuruckbleiben
  würde  —  allein  mit  ihr  in  dieser  bezaubernden
  Stadt.

Es  sollte  nicht  sein.  Während  sie  noch  an
dem  Tischchen  saßen,  nachdem  sie  mit  dem  Frühstück
  bereits  fertig  waren  und  ihre  Pläne  lesprachen,
  kam  einer  der  Diener  mit  der  Nachrickt,
daß  draußen  ein  Knabe  mit  einem  Briese  für
Eharters  sei  und  dieser  ging  hinaus,  um  mit  ihm
zu  sprechen.

Sobald  er  verschwunden  war,  wendete  Estelle
sich  rasch  zu  Anson.  „Mr.  Anson,  können  Sie
Papa  nicht  dazu  überreden,  dies  auszugeben  —
diesen  Versuch,  die  Opale  zu  bekommen.  Vapa
ist  so  hitzig,  so  waghalsig  —  und  dieser  Mann
ist  so  gesährlich,  das  sühle  ich.  Was  sind  dicee
Edelsteine  im  Vergleiche  zu  den  Gesahren,  die  sie
mit  sich  bringen  Ich  spreche  nicht  gerne  davon
mit  Papa,  denn  ich  weiß,  er  denkt  dabei  nur  an
mich  und  lacht  dann  über  meine  Angst,  aber  —
ich  vergesse  ganz,  die  Opale  gehoren  ja  auch

nen.-„Ehe

  Wren  Vater  irgend  ein  VLeid  geschegch
soll.  oder  Sic  Angst  und  Schrecken  ausgustehen