Aummer 80
steht im dringenden Verdacht des Landesverrats.
Landrichter Dr. Göhrs in Mülhausen
ist von der Disziplinarkammer seines Amtes
wegen der Betäligung deutschfeindlicher Gesinnung
entsetzt worden. Während seiner ganzen
Amtzeit hat sich dieler Beamte durch seine
ossene — für sranzösisches Wesen be
merlbar gemacht, selbst mit seinen Reserendaten
suchte er französisch zu parlieren. Der Einzug
der Franzosen in Mülhausen bedeutete ein Freu
densest für diesen Gerichtsbeamten. Er teille
unter die französischen Soldaten Zigarren und
ligaretten aus und begrüßte die franösische
Fahne durch Hutabnehmen! Dabei ist der
Mann gar kein Elsässer. Sein Vater wanderte
vor elwa 30 Jahren aus Darmstadt ein und
ücht in Straßburg an der Spitze angesebener
erangelischer Vereine und Anstalte
Straßburg i. Els., 12. April. Z Kolmar
wurde der Notar Gambs aus Gebweiler, der
Unteroffizier der Reserve war, wegen deutsch
seindlichen Verhaltens vom Kriegsgericht zu
zwei Monaten Gefängnis und Degradation ver
urteilt. Wegen versuchten Kriegsverrats ver-#urleilte
das Kommandanturgericht Mülhausen
den Amtsrichter Acker aus Sennheim zu drei
,Lahren Zuchthaus. Acker, der während der Annesenheit
der Franzosen in Sennheim eine an
scheinend noch nicht ganz aufgeklärse, nach seiner
Angabe unfreiwillige Automobilsahrt in Begleitung
französischer Osfsiziere nach Belfort unlernommen
hatie, war schon vor dem Kriege
durch deulschfeindliches Srnehmen aufgefailen.
Es war auch bemerkt worden, daß die von den
Franzosen mitgebrachle schwarze Liste am Tage
lamen, krdr nn he vornehmlich
nachgewiesen, daß er kurz nach dem Abzug der
Franzosen und vor dem Einzuge der Deutschen
eine Familie, die in Sennheim als deutschfeind.
lich galt und der man allerdings mil Unrecht
die Aufstellung der Liste von Unzmmverlässigen
ihrem angeblichen Verhalten abzubringen ver—
suchte. Das Gericht erblickte in diesem Verhallen
eine versuchte Vorschubleillung im Interesse
der seindlichen Macht, was wegen der Anstel
lung des Angeklaglen als deuitscher Richter
fireng zu bestrafen sei. (3.)
Dee Rrieg gegen Eugland
Repressalien gegen England.
VIBL Berlin, 12. April. Die von der
englischen Regierung angeordnete Maßregelung
der in treuester Pflichterfüllung in ihre (Gewalt
geratenen Besatzung von Unterseebooten durch
Versagung ehrenlafier Kriegogefangenschaft und
Leia
Unterbringung in Naval Detention Barack“ hat
die deutsche Regierung zu der Mahßnabme verunlaßt,
für jeden (Sefangenen der Untersecboots-
ULesatzungen für die Dancr seiner völlerrecht
tidrigen, Barten Bel andlung einen kriegegesan
EI
genen englijchen Ofiiier ohne ue Anlehen der Per
ion in gleicher Weise zu behandeln. Demenlfurrechend
find heute. am 12. April 1015, N
Sssiziersgefangenenlagern 33 englische Offiziere
in entsprechende Haft in Militärarrestanstalten
,-
iiliemcfstlzkt worden.
Der Hilfseokrenzer „Kronprinz Wilyelm".
London, 12. April. Reuter meldet aus
Newport News: Der deutsche Hilsskrenzer
. Kronprinz Wilhelm“ ist geslern früh in den
Hafsen eingelaufen. Er meldete, er habe Mangel
an Kohlen und Lebensmitteln. (JZ.)
Ein englischer Wollaierdamofer
lpedi
London, v4 i GCurseneen)) Das
britische 90000 Tounen große Passagierschiff
„Way Fair“ wurde auf der Höhe der Secilly-Inseln
torpediert. Das Schisf wurde nach
Oueenstown geschleppt. (3.)
r□W r*“½ #
Pon den öIsterr. Keiegsschenpläben.
Der amtliche österr. Bericht.
WIB. Wien, 12. April. Amllich wird verlautbart:
Die allgemeine Lage ist unverändert.
In Russisch-Polen und Westgalizien stellenweise
Geschützkampf. An der Karpathenfront und im
Waldgebirge, besonders in den Abschnitten östlich
des Uzsoker-Passes wurden mehrere russische
Angriffe unter großen Verlusten des Feindes
abgewiesen und in Summe 830 Mann gefangen.
In Südostgalizien und in der Bukowina ver
inzelte peftige Gesch
ützkämpie.
Rosenhe#imer Anzeiger
Des Kren auf dem Schlachtfeld.
Unser Bild zeigt ein zerschofseneo Kreuz auf
der Straße von Saarburg in Lothringen nac
Bähl in der Schlacht am 20. Angust 1711.
und das Kreuz weggeschossen, so daß die Christus
Figur in gelren#ugter Hallung allein auf
dem Sieimockel stehhen blieb. Die Trümmer des
Das Monument wurde von feindli hen Projel sKreuze: lienen vor der Eittereinfassung.
tilen aller Art stark in Milleidenschafl gezoslen —–
v.
8
Bukowinger Beutc.
Krakanu, 12. April. Die Russen ließen bei
ihrer Flucht aus der Bukowina 1/u. Waggon
Weizen zurück. (.).)
Die Karpathenschlacht.
Wien, 12. April. Aus dem Kriegspresse.
quartier wird gemeldet: An der ganzen Kar
nathenfront ist es wesentlich ruhiger geworden.
iu westlichen Abschnint wird seil dem von den
NRussen im Ondawa und Laborczaial mil starken
Kräften versuchten Durchbruch, der in der
Schlacht der Ostertage unter außerordentlich
sch,-weren Verlusten des Gegners völlig schei.
terte. seit mehreren Tagen nicht gekämpft. Die
in dem Abschnitt wischen Virava und dem
Uzsoler Paß i stehenden Truppen haben wmährend
der letzten Lage in der Linie Telepoc-zellöuhaslal-Patakofaln
alle Angrifse zuruchgeschlagen.
Auch hier ließ der russische Angriff
nach. Die den. Ussoker Paß nördlich deckenden
Höhen sind von unieren Truppen in dreilägigen,
heftigen Kämpfen behauptet worden. Gestern
war hier nur (eschützlampf. Nördlich von Tucholka
und Slapsko gelang es den deulschen und
unseren Truppen, mehrere Siellungen zu er
obern und Gefangene zu machen. Die seit dem
Fall von Przemusl andauernde ruffische Offen
sine ist somit an der ganzen Karpathenfront
zum Steleen gelommen und durch Gegenoße
unserer Truppen an mehreren Stellen empiind
lich getroffen worden.
Die Einnahme der nordlich von Tuchoila
von den Russen Karl bejeiti nuen Zwinin Rüdens
durch Truppen der Armee Linsingen itelit ĩrh
als eine hervorragende Wafsental dar und imm
auch in strategisch er Hinsich sehr bedeutend. Der
Rücken trai als machtige E Ferhebung unweit des
Punltes empor, auf dem die aus dem Öpor
lale kommende Vatlnulinie mi: der durch das
Orawalal geführten Straße zusammentrifft.
Jeder Versuch, sich in der Richtung Sieni aus
dieser Straße Bahn zu brechen, mußte ichei
tern, so lange die beiden Kuppen dieses milt
allen erdenklichen Besestigungen verfehenen
Stünpunktes nicht bezwungen mar. Lange.
schwierige Kämpfe waren nölig. um sich gegen
den Zwinin vorarbeiten zu konnen. Aufs der
Magurahöhe wurden russische Kerniruppen nach
heroischem Widersland neworsen. Dann erit
konnte man daran denlen, in zähem Angeren
den Zwinin zu crobern. Aber es vergingen doch
einige Wochen, bis dos Werl gelang, nachdem
sich die Deuuschen in zmei Gruppen bis dicht
an die Feinde herangegraben hatten und diese
im Sturm überrannten. Das äußerle seine Wir.
lungen auf dem rechten Flügel der Sudarmec.
Es kam dor zu einer ganzen Reihe von Gefechten.
Am westlichen Teil der Karpathen zeigte
sich die völlize Erschöpfunz der Russen in dem
Stillstand ihrer Angriffe. Auf der übrigen
Front sind keine bedeutenden Ereignisse zu verzeichnen.
An der bessarabischen Grenze bewahren
die Russen, nachdem ihre erneuten Angrisse
glänzend zurückgeschlagen worden sind, Ruhe.
In Südostgalizien liegen sich die Gegner unlätig
gegenüber. Die Verhältnisse sind dort
ähnlich wie in der Bukowina.
Ein russischer Durchbruchsversuch bei Ottynin
wurde von kroatischen Truppen zurückgewiesen.
Nach Abweisung des Angriffes kam die Meldung,
daß der Leichengeruch von 300 russischen
Toten, die vor unseren Hindernissen liegen, un
erträglich, die Beerdigung aber unmöglich sei,
weil die Russen auf die Mannschaften, die die
Leichen bergen wollten, r Es blieb nichts
anderes übrig, als Feuerspritzen herbeizuschaf
fen und die Leichen, die noch heute in den Drahtverhauen
ftecken. mit Kall zu bespritzen. Trotzdem
inst der Leichengeruch immer noch unerträglich.
Schwierig Lage der Russen in der
Bukowina.
Budapest, 12. April. Ueber die Kämpfe
in der Brkowina ichreibt der „Pener Llond“:
Od die Russen sich auf der Linie Bojan längs
der russischen Grenze hallen werden, ist sehr frag
lich, denn unsere Truppen sind bereits über die
Anhoben in die Ebene gelangt. Der direkte
Weg führt von Nowosieliza langs des linken
Pruthusfers nach Lemberg. Diese Nachschublinie
ist nun durch unferen Vormarsch auf Nowosieliza
den Rusien genommen, und sie müssen jeßt ihren
Nachschub auf dem weilen Umweg über Nord.
galizien schaffen und von dort weitertranspor
lieren. Nach Meldungen aus Czernowitz sind
bei den erbitterten Kämpfen zwischen Dujestr
und Pruth die Reilen der Russen an mehreren
Steilen durchbrochen worden. ()k).)
·*r " ½
Die Balkanskaaten.
DTLar Fiarsko der Mission Pa
Sosia, 12. April. Ucbher das vollige) un- lo
der Mission res (bencrals Pau erfährt der „Os
moenische Llond“ auo sicherer Quelle noch fol
nendes: Bau hatte in Nisch bei Pasitsch und
dem ehemaligen Gesandten in Konstantinopel
NRenadowitsü) Anhanger für eine Verständizung
mit Bulgarien gejunden. Dagegen erilärte Prinz
Alexander namens der Militärpartei. daß diese
un#er ieinen Bedingungen eine Abtretung maze
donischen Bodens billigen lonne. Da auch der
dortige Unlgarische Gesandte erkläric, daß die
wenigen Angebote Serbiens viel zu gering scien,
sah Heneral Pan das Nuthlose seiner Sache ein.
ach diesem Fehlschlag versuchte der englische
(GGesandte in Alhen Elliot in der am 23. März
flaltgefundenen Unierredung mit Gunaris Grie
d enland zum Anschluß an den Dreiverband zu
lewegen. England gebe die Ansprüche Griechen
lands auf die beietzten Jnseln unbedingt zu und
verspreche außer der Abiretung von Cypern
noch vier Zuneständnisse. Eines davon verspricht
für den Fall eines bulgarischen Angriffes die
Besetzung von Dedeagatsch durch die Bundesflotte.
Außerdem werde Rumänien von Dedeagatsch
aur auf Sofia marschieren. Falls Grie,
chenland keine 510 0000 Mann Truppen entbehren
konne, werde sich Eugland neben Transport
und Verpflegung auch mit griechischen Miltzen
begnügen. Obwoll England schließlich zu ver
stehen gab, daß Griechenland andernfalls den
Verlust der Inseln und die Internationalisie
rung von Salonili zu erwarten habe, soll Gunaris
entschieden abgelehnt aben, solche Vorschläge
zu erörtern. (J.)
ie Türkei im Weikkrieg
Heldentaten der Alliierten.
Konstantinopel, 12. April. Die Agence
Milli“ meldent: Die Alliierten rachen sich für
die Mißerfolge vor den Dardanellen, inden sie
bewohnte, aber unverteidigte Ortschaften be.
schießen. Die alliierte Flotte beschoß am 7. April
Zenilioe; am Aegaischen * tölcte eine in
—
mittwoch, 14. Upril 1015
gesegneten Umständen befindliche gricchische Frau
und verwundete zwei Mädchen und zwei Männer.
Wir unterbreiten die Tatsache der zioilijierten
Welt, die darüber urteilen mag.
chu und zunan.
Um die Mandschureci.
Stockholm. 11. April. Der Verireter Jarans
in Petersburg, Baron Motono, ist mit
Eiser bemüht, die guten Beziehungen zwischen
den „Kaiserreichen de# Olens“ noch enger zu
klnupfen. Es handelt sich darum, ein völliges
Einvernehmen der beiden Mäcklee in der chinefischen
Frage in erztelen. Nach Meldunqen aus
Beleröburg zeict sich Zapan geneigl, Rußland
zur seine Unlerünnung der japanischen Thina-Politil
die weiteige enden Konzessionen in der
Mandschurei zu machen. Man hoff. durch dieses
Einvernehmen einen Druck auf di: Vereini 14
lsen Staaten auszunben und einen amerikanischen
Einirruch gegen das Zuschiagen der offenen Tur
in China zu verhindern. Die Bereitwilliglen,
miul der diese Pläne von der ruisischen Presse
ausgenommen werden, läßt deullich auf ein bal
Tiges Zustandekommen des eschafies schließen.
Die Karloffelvetsorgung.
Wirln. Berlin, 12. April.
Um den Kartoffelbedarf namenlch der mirdorbeniüttelten
Bevollerung in den grotzeren
Stadten fur Fruhfahr und Sommer 191½ un
beding: sickerzusteilen, mußg eine angemessene
Kartoffelmen ge aus „dem Verlehr gezogen und
festgelegt werden. Die Reichsvermallung hat
den Ankauf möglich t großer Vorraie daher in
die Wege eleit et, außerdem hat der Bundesrat
in seiner Sizung vom 12. April weitere Mag--rxegeln
beichlossen.
Zur Durchführung der Karkoiffeiverteilung ist
eine Behörde vorgesellen unter dem Namen
Neichsstelle fur Kartoffelversorhzung, die dem
Reick lonzler unterstelll i. Der Behorde üeht
cein Beirat zur Seile, der sich aus Vertretemn
der Landwirtschaft, der Ei des Handels
und der Verbraucher zufammenent. Das Zoui
ichenhlied zwischen der Rrick ##telle und den Ber
brauchern follen die Kommunaluerbande bilden.
die ähnliche Aufhaben berells auf anderen welieten
mit Erfoln u######aßehullen haben.
Von einer allemeinen Beschlagnahme der
NKartoffeln wie beim Getreide il wegen tech
nischer Schwierinleit en und wegen der Gefahr
de: Verderbens bei ungenugendr Behanolung
in der Aufbewahrun; der veschla znahmien Kar
loffeln abgesehen. Insomeil die zur Ernahrung
der Beröll##un norwendigen Karzofieln nicht
innerhalb der Bezirlo vorl,anden #nd, melden
die Kommunalverbande den Feülbetrag. der
durch freihändigen Ankaus nicht gedekn er##
lann, unker eingehender Begrundung seiner Hüo
bei der Reichenelle an. die dauruder enischeiden.
od die Anmeldungen zu berucksichliden sind oder
nicht. Die Reichsitelle kann Ueberweiĩungen von
Kartoffelmengen aus einem Kommunalverband
an einen anderen Kommunalverband oder an
die Reichostelle verlan 1en. Di, Kommenaiver
hande, aus? denen Kartosfeln al zugehen iimd.
lonnen diese Mengen freillandid anlaufen, 12
noligenfallo auch zwan ücerellen.
Auf Mengen. die zur Eriullung von Ver
een ngterterun siend. dari nicht, *“-wen
werden, wenn diere Ver#a#nacht
dor dem Inkraftire2#en#dieser Ve#o#d#n
eschlossen worden find. und wenn ihr
lon einem der Vertragsälliesender bie zum 6.
#Vxpr 1915 einschlievlich denmn Zommunalverhand.
in dem die zu lieferuden Kartoffeln lagern,
witgeteilt iit. Die Kommunalverbande tennen
im uhrigen alle zur Versorgung der minderhemittielten
Bevollerung ui# Kartoffel-Werlichen
Maßnahn ien in alnlicher Weiic ereij
sen, mic sie bei der Rezelun! der Verkehr# ###
Ge#treide und Menl zulasti ünd.
Der Anlauf von Kartoffeln wird zu Preifsen
erfolnen musien. die dem Landwir: neben dem
Voch ürreise ein Entgel: für Aufbewahrung. Be
handlung und Nisilo bieten. Diese Preise wer
ken vielfach fur die minderbemirtelte Bevollzkung
zu hoch iein. Die Reiche##inanzuerwaltund
wird dal er den Kommunaluerdanden beim Ernerb
von Kartoffeln. die ur Nersozung ihrer
minderbemittellen Bevolkernng durch die Reick
ĩtelle ersolot. die Mehrtonen erletzen. die durch
die genannte Sondervergulung den Landwirten
uber den Höchitpreis gezahlt werden. Dadurch
werden die Kommunalverbände in die Lage
H###et werden. Kartofteln zu denelben Prei
abengeben, wie sie jich bei den gegenwarkigen
Lod Urreisen fur Landwirlse zuzuglich Fracht und
Iinzutre:2enden geringen SEpcien stellen.
Berschiedene Nachrichten.
Amierdam, 12. April. Wie Londoner
Blätter melden, brach in der Nacht vom Freu- #
auf Samstag ein großes Schadenfeuer in den
Warenspeichern der Mersen Dock in Liverpool
aus. Das in seiner Art großte Gebäude der
Welt i#t völlig ausgebrannt. Um Mitternacht
rerbreitete sich das Feuer noch weiter. Sech-
*
itoene
Feuerwehrleute wurden. durch Raub beläubt und
—— — —
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