Rosenheimer
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70 Pfennig.
Nmmer 12 1 Kath.: Marzellus
Eine fuchspredigt.
Die kriegführenden Völker müssen wieder einmal
ein wahres Trommelfeuer von Reden über
uch ergehen lassen. Den Auslassungen der Her- D
zn Lloyd Georges und Wilson ist prompt eine
ene Leistung des englischen Außenministers Balr##r
gesolgt. Der Mann mählte anbei einen Ton,
rer zwischen Naivität und Anmaßung hin und
lerpe ndelt, in dem er sich aber ganz gewiß ver
rissen hat, wenn er geglaubt haben sollte, d
rut das deutsche Volk verlocken zu können. Herr
Balfour singt nämlich ein Klagelied auf die
Ntche Jugend, die zur Schlachtbank ge'rieben
lerd und er stöhnt des weiteren in çengsten
gatr die deutiche Industrie, die in der ganzen
belt in Gefahr kommt, über die deulschen Fi
rnen, denen tiefe Not gemiß ist — wenn, wenn
*5 nichland sich nicht zu dem brquemt, mas Engd
nützlich il. So wird Herr Balfour bei.
lhe rührsfelig, wenn er auf die unauebleiblichen
„ lgen Linweist, die eintreten müßen, salls
auchlund durch ein weiteres Beharren bei sei
KFPieherigen Absichten wirllich verhindem;
lite: „daß das im Jahre 1871 begangene Un-*
w.eder gutgemacht werde, daß Belgien
* die Lage zurückversetzt werde, in der es sein
e#rtiger Vormund gesunden hat, da das grohe
Pöerl der italienischen Einigung zur Vollendung
cerbracht werde, daß das große Unrecht der Tei-1
Pelens wieder gutgemocht Gerde, daß
Mesopolamien, Arabien den Türken abgenomnen
werde. und Jemialem weeder ein: chrifllisle
Stadt werde“. Herr Valfour hat in der Tat
· u- HucumiitdktensllseJthnchlüchtkk
sich wesentlich gebessert zu haben. Herr
Eu- our verwechselt aber im übrigen wohl die
uun mit einem Maskenball. vergißt aber dadaß
die Larve, die er sich vorbindet, doch
zu durchsichtig ist, als daß man nicht hinter
wemn Wehrluts schleier und der Gerechtigkeitemi-!
den ganz gemeinen Raubtierblick des
Galischen Impertalismus eutdeckte.
e alles nämsich, was Herr Balfour durch
Pechland nicht verhindert sehen möcht., ist
reizvollste Annerionsprogramm,
s sich ein Ententehäupelina nur vorzustellen
ermag. Das Unrecht oen 18671, die italieniche
kinigung, die Teilung Polens, die Besetzung
eerotem'ienz un? Ar ben; kurh #i Cn länet.
das Aufjiehen der Union Jacks über den
Lachern Jernsalems, es wäre dar zu schon,
enn alle diese Pläne, dir te 15 für England so-Elagen
direkt von außerordentlichem Vorteil
and. leiss dozu dienen, ihm treue Vasallen zu
"erschaffen, ausgeführt werden müßten. um der
2esèn Gerechtigkeit willen, schlechthln darum,
len sonst das We'tgesetz unerfüllt breiben würse.
Hett Balsour wird sich darauf gefaßt macn
muüssen, in alledem bei uns und bei unferen
#ndesaenossen auf hartnackigen Unglauben zu
esen. Warum dem so ist und so bleiben mird,
un auccinanderzusetzen ist mittlerweile lang:
elig geworden, und langweilig ist es auch, imder
wieder die anglo-amerikanischen Hohenprieet
darauf hinmweisen, daß es doch aller Logll
übre, wenn sse, falls nun wirkiich die große
Ferelnigung aller einmal geschobenen Unrechte
ar sich gehen soll, sich nicht selber um ihr Seepheis
bemühen wollen. Indien, Irland, Aeaopten,
daß sind doch ohne Zweifel auch ganz
Fspektable „Unrechte“, die sich gegen ein Wieder-Elmachen
laum sträuben dürften. Demgemäß,
ert Bassour: nach Ihnen.
Gewiß, varin hat Herr Balsour recht: die
ômpse, die noch durchgekämpft werden mussen,
erden Opfer kosten. Wer wollte sich nicht von
prnherein in fleser Wehmut und in großem
chmerz vor solchen Opfern neigen? Aber,
aubt Herr Balfour, daß die britischen Truppen,
git wenn sie hinter noch so dichten Wallen
m Farbigen“ marschieren, unverwundbar sein
Panitt Vielleicht liest er doch einmal die engscen
Berüstliten und kernt so begreifen, daß,
enn schon um d gend geweint werden soll,
es der zrie der franzönlchen, der stalieniund,
falls Englands heiße Notschreie Erfül--9
finden, auch der amoerikanischen zukommen
Anzeige
Die ein###llie Pettizelle im Anzeigenkeil koftet 15 K8., die Peilizelle im Reblameseil 40 Pl.
Die Annahme von Anzeigen, Neklamen und Bellagen erfolgt hurch dle
Gesse##ichn & U’cler. A.—G., Nosenhelm,
Schluß der Anzeigen-Annahme 12 Uhr muflags.
-Expedileon
München, Nürnberg, Berlin, Brerlan, Caßel us#P
Rosenheimer Tagblakt
Amlliches Bublirastons-Orgon
Dienstag, 15. Januar 1918
vor wichtigen Berliner
Ensscheidungen.
Bedenlsaue Beratungen des Kalzers wit den Heerfübrern und Polsiikern. — Der Fortgaug
der Verbandlurgen in breit-Titomzk. — Uor elner Kablnettzundildung Iin
Frankreich. — Fllegerleutsant müller J.
dürste. Ein Unterschied bleibt aber dech bestehen.
Deutschland und se'ne Freund: werden weilerkämpfen,
nicht um eins verkapten Ammerions-;
programms uelien. sondern umeinen Raubzug
abzumel#ren, den England nach we vor
für gebeten hält und der für jedermam erkenn,
bar ist, ganz einerlei, ch Herr Valfour noch so
viel Kulissen schiebt.
Wichlige Berakungen in berlin.
Hindenburg und Ludendorsff
in Berlin.
WITB. Berlin, 12. 11.(Amtlich Generalseldmarschall
von Hindenbarg und General Ludendorff
sind heute vormittag in Berlin eingetroffen.
Berlin, 13. 1. Pedeutsam: politichhe Ben
ratungen und Enischliehungen stehen devor. Di:
Besprechungen zwischen der Obersten Heeresleitung
und der politischen Reichslei ung wurden
eingeleitet durch den gesteigen Empfang des
Kronprinzen beim Kaiser und durch tie
Konserenzen zuischen Hindenburg, Ludendor
H f und zahlreichen leitenden Perfönlichkeiten
em S#mstag Die nictigste Besprich n) ist au
Sonntog nachmit az zurchen der Obersten Hecleitung
und dem Reihskan- ler Dr. 6 rasen v.
Hertling angesetzt. Das Ergebnis dieser
Kenferenzen wird sodonn der Wegenstand der
Besprechung beim Keiler se n. die auf Montag
anberaumt ist. und an der alee beteilig’en Vec-EEILEIIIIIIBILI
eigentlichen Zinne wird di: se Bes prechung nicht
sein, da nicht alle Staatsminilter an ihr teilneh
men klönnen. Trotzdem word das Ergebni- dir ser
Veratungen ven größtem Ein'luß auf die weitere
Führung des Krieges und cuf die
Gestaltung unserer politischen Verhöltnisse
sein.
In prlitischen Kreisen wir am Samstag vormittag
das Gerücht verbreitet. dan der Reiche
kanzler die Fraktionsführer des Rei ichstages
sũr nachmit!ag 5 Uhr zu sich gebeten habe;
doch ist maf gebenden Parlamentatiern von di. ser
Einladung nichts bekannt.
Ausßer diefen Besprechung: n sInd in di ser Woche
mindestens zwei Raeichokauzler: Reden
zu erwarten, eine im Hauptausschuß de-Neichslages
über die auswärlige Poli.ik und
eine im Herrenhause über di: inne: preußicche
Pelitik. Der Tag der Rede di2s Grasen Hert-Ung
im Hauptausschu'se ist noch nicht ganz siter
bestimmt. Voraussichtlich wird der Kamer d diese
Rede am Mittwoch halten, da an diesem Tage
die allgemeine polilicche Debatte, die eine Woche
lang durch andere, mit dem Friedeneschluß
zusammenhängende Erörterungen unterbrochen
war, wieder ausgenommen werden soll.
Dr. Graf Hertling wird ausführlich auf die bereits
ergangenen und noch zu erwartenden Kundgebungen
der leitenden Staatsmänner der Enlente
antmorten. Im Herrenhause wird Graf
Hertling am Dienstag lerechen-Balsour
ist an der Reihe.
Balfour begann mit einem Hinwe s auf das
völlig soympathische Einverständnis, welches
ich die beiden großen Mächte der angiisch- sprechenden
Welt zu gemeinsamen Anstrengungen
Über die große gemeinsame Sache zu eigen ge-
—
. treten ist.
macht haben. Cr zollte Welson hohes Lob und
führte dann u. a. aus:
Wenn keine wesentlichen Aenderungen in den
Kriege: zielen der Alliierten stallgefunden haben
so lann ich sie wiederum in der gegensätl: chen
Haltung Deutichland und seiner Trabanten
sehen. Nur in einer Himicht tann ich eine
leichte Aenderung erbliden. Die Mit:! el
machte wurden zuerst durch Wilson, als di: Ve
einigten Staatzen noch neutral waren, dann durch "
den Papit und später durch die Slaatsmänner
der Entente auige fordert, ihre Kriegsziel: u ertlären.
Sie haben sich sunematisch gewergert,
die Einladungen anzunehmen. Am nächiten sind
sie EIIEIEEIMII
s sür die Menschheit eine Wohltat sein wũrde,
n cnn nach dem Kriege Vereinbarungen getroffen
Unerden lonnten. Bevor sic geahm haiten, waein
Krieg wirklich für sie bedeuten lönnte — und
sie haben viel gelernt während der letzten paar
zalre und sie werden möglicherweise in der:
rtohten Monaten noch mehr lernen war c
sast ein Gemeinrlatz fur di: deut chen politichen
Tlecretlker, daß der Krieg ein Teil einer unde
urliten irdischen Cinricht ung, das groe We *
reug des Fortichrittes sei, daß der Tr umrh
des Stärleren über die Schwachen die einzige
Merhode sei, darch die ein Fortschritt erzielt werden
lann und daß der Er'olg im Kampfe der
u###e Ma###a für da: Verdientt sei. Nur die
Tanache. daß sich die deutichen Poelit iker nunmehr.
wenn vielleicht auch n n mit Worien, in
den Dienst der Friede ussachr, der Sache der Internaticnalen
Schiedegerichrpartei in:cernationaler
Vereinbarungen zur Verhü#ng lünftiger
Kriege stellen. ül es, was uns eine leichte Belse
rung ihrer Geistes verfassung an- eigt. Ich hojse,
sie leitet auch eine Besserung auf dem ganzen
Webi#ete ein, uo eine solche noch uscht hervorgsnämlich
ene Besserung in den anderen
Stteitfragen.
VBalfour lam dainn auf Belgien zu sprechen.
Auf de Er- lärurgin ven Llond Geerg und Wilson
zurücklommend, sogte Balfour: Auf die Ertlärungen
unserer Kriegsziele haben di: Feinde
sich geweigert, sie auch nur in Betracht zu zielen.
Wir wissen, daß dese für das Gegentr eil
ven dem lämpfen. wir u isien, daß jetzt die deut.
sche Jugend zur Schlachtbank geiricben. daß dir
deutiche Indunrie in der ganzen Well in C
fahr gebre acht und die deutschen Finanzen in
tiese Röte r sind, lediglich um zu verhindern.
daß das im Jahre 1871 begange
ne Unrecht wieder gutgemacht wird und um
zu verhindern, daß Belgien in die Lage zurück
versetzt wrd, in der es sein Vormund gesunden,
hat, als er seine (Grenzen verletzt, um zu verhindern,
daß das große Werk der italienischen
Einigung zur Vollendung gebracht wird, um
zu verhindern, daß ein anderes großes Unrecht, "
das große Unreht der Teilung Polens, wieder
gutgemacht wird, um Mesopotamien
und Arabien der Türkei zurückzugeben, um
Jerusalem wieder unter die Herrscha't von Konstantinopel
zurückzubringen, um Griechenland
auszuliefern, um die Heilung der leidenden Rumänen,
**1-7 und Montenegriner
zu verhindern. Das sind die Ziele, für die die
Deutschen nach eigenem Gefländnis jetzt willens
sind, die Welt noch weiter im Kriegszustand zu
lassen, den Neutralen Leiden aufzmerlegen, et
so groß in mancher Hinsicht, wie die Leiden de
kriegführenden Länder.
Pro
t.: Marzellus
64. Jahrgang
Die Friedensverhandlungen.
Einkritt in die Kommissions
Veratungen.
V. T. Brest= Litowsk, 11. 1. Im Sinne
der in der geitrigen Plenar igung gesaßten Beschlüsse
traten gestern nachmittag die Abordnaen
dgen der Delegationen von Deutschland, Oesterreich,
Ungarn und Rußland zu einer Besrr.=chung
zusammen. Es wurde vereinbart, daß die
ocn der rusüsschen Delegation am 27. Dezember
1017 vorgeschlagene Kommission zur Beratung
von politischen und territro-=rialen
Fragen gebildet werden lolle und
daß. parallel mi den Beratungen dieser Kemmissinn
Vorbesprechungen der Fachke Useen
der einzelnen Delegelionen uber die Negelunz
u#n wirtschafilichen und rechilimen
Fragen flattäuf nte ha tu. Cs uurde d5
ne leren ve teinbert, dal eie ertälme Ku#-D
mipicn am II. Junar. borrt. 1. U##, i ddrei
ungen beg'nen solle.
*ri
- deulccher und ölerrrich und zruch’## iP5%
wurden in die Komminion ent'iandt di: Vor#i#
zenden der beiden Delgalionen, je ein diolema:
lischer und militérischer Beigeordne: er und i#se
zuei Setretöre; die rusch: Delegation behiel:
r die Veschlußfaff ung üler die: Dayl der in
die Kommisiion zu entiendenen Mitgli eder ver.
Diese Kommilssson konmitnierte sich vorm. 10
hr und begann ihre Beratungen. die un
Uhr noachin. unterlrochen und um 1nlo Uh
sorlgesent V.##-n
E
Die Ulraine.
* Brest Litocw l. 12. .
Zu Mginn der heutigen Plenar'i ung erllärte
der Versmende, Graf Ciernin, diß i Delerglionen
der oter verber ndeim Mäche die uuttaienriche
J Delegatlon als selbhä#dige D.
als l isli1ädti.tc«"err1.«v1z.1 der se
ntrainischen Volls erepubnt ennen.
—p-p . Au 1fdI -
ven beseitiste: Kortlim zrig
Negierrng und dem
Ulrain: und erklärte. daß die
tion leinerlei Hindernisee fur en:e
Teilnahme der Delegallon der Ullaime
Frichde usverhandlungen erklickt.
zu schen Oeneral Hofsminn und He#r# Iret; s
ll Hi es zu einer Auscinan deriel ung ubet
Nevolut: onicrungs versuche unerer Tris##
durch die Rufsen. in dir sellerlich auch S1##
serrelär von Kühlmann enzeif. Tronti em g.
schlielich, die P# i"ßr de der ruisisben
llete
Negicrung angchören, ürden aln eintn
Schritt nach vorwärts oriennen wenn die
deutiche Re nierung sich frei und o'senheriz über
ire Ansichlten b#ür lich der inner. u Ver# äl: ni ir
auespräche, imosern sie di#: fur notmentin erachtet
würde.
Hierauf u#urde die Sißung geshleinn.
Vericht über wichtige rgebni:e der
VBeil- andlungen mit Runl and
im „Haurtau= schuß.
* VBerlin, 11. J# nurr.
Der Hauptausschuß des Reichslages ber
am Freitag über die vorläusigen Ergebnisse *“
Brester Friedene Verhandlungen
auf dem Gebiete des internationalen Rechts. (Veheimrat
Simons vom Auswärtigen Amie berichtete
im Auf.rage den Staatosekrezärz, was
bieher zwischen den verbundelen Delegatione#n
und der russischen Delegation als Grundlag?
weiterer Verhandlungen vereinbart worden itt.
Es sei gelungen, die russischen Delegierten zur
Annahme der deutschen Vorschläre über Wiederherstellung
der Staatsverträge
über Außerkraftsetzung der Kriegsgesche, über
die Wiedereinsetzung in verletzte Privatrechte
und Entschädigung für solche, die vernichtet Fnd,
über die Sühne für völkerrechtswidrige Gewal!=akte
au#erhalb des Kriegsgebiets und üuber di-Regelung
der Kriegslosten und Kriegsschäden
zu bewegen. Geheimrat Simons führte u. a.
au
«- Unsere Auslandsdeutschen sind durch nichts
hãrter getroffen worden, als durch die Liqui-