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Rosenheimer Tagblatt
Amtliches Bublikations-Orgen
Sonntag, 19. Mai 1918
vot Mofien
64. Jahrasne
Pfingsten 1918.
War das erste Pfingstfest gekennzrichnet durch
den Kewaltigen Sturm des göttlichen Geistes, der
die Feuerzungen seiner Erleuchtung auf die Haupter
der Apostel herniedersandte, so ist. sheute die
Well angefüllt von dem Brausen eines Kriegsgeistes,
der endlose Leiden und namenloses Unglück
über die Menschheit schüttet. Je schwererund
länger aber die Seelenprufungen sind, denen uns
die harte Kriegszeit unlerwirft, umso notmendiger
brauchen wir den Trost, den ein gläubiges
(bottvertrauen und die innere Aufrichlung im
(bebet dem Christen gewähren. Das haben wir
im Besonderen im vergangenen Kriegswinter
erfahren. Im Vertrauen auf die göttliche Hilfe
haben wir die bitter harte Zeit überwunden. Darüber
zog der Frühling ins Land unnd breitete
seine Herrschaft mehr und mehr aus. Leben gebend
und Hoffnung säend schritt er m. Eiter hinein
in die ihm entgegenbangende Welt. Und nun ist
er auf seinem Gipfel angelangt: Pfingstsonno
liegt über der Menschheit und leuchtet mit Vertrauen
heischendem Glanz bis in die ferniten Winkel
des nach Frieden und Elück sich Cehnenden
Herzens.
Es ist ein eigenes Ding um das Pfingstfest.
und ein eigenes bef onders um dieses vierte Und,
will'“ Gott, letzte im Kriege. Die Chrinendei#t
begeht heute den Geburtstag ihrer Kirche, den
Ursprung der Ausbreitung ihrer sich gründenden
Herrschaft. Und wie ein Gleichnis, entnommen
dem zartgläubigen Bewußtseinsinhalt kirchlicher
Religiosität, mutet es an, wenn dae lenzstarke
Werden und Wachsen der Natur einen heißen uversichtsglauben
und einen heiligen Geist der merschütterlichen
Hoffnung auf Erfüllung der tiefditen
Sehnsüchte des ganzen Volkes und der ganuzen
Menschheit über die Welt verbreilet. Der
Lenzgeist, der in die Herzen sich ergießt und sie
ftählt zu frischem und frohem Ausharren in
der Not der Jeit, er gleicht dem Pfingstwehen,
durch dessen Wunder die Jünger Christi gefestigt
wurden, trotz aller Anfechtungen durchzuhalten
in der Gewißheit der Unüberwindlichkeit und
Sieghaftigkeit ihrer Sendung.
Wenn im Wachsen des Frühlings kalte Nachtfröste
gleich hemmenden Schranken sich einstellen;
wenn in der Ausbreitung ihrer Botschaft die
Apostel auf wehrende Hindernisse in der umwohnenden
Heidemwelt stießen: nichts kann den
endlichen Sieg der steigenden Somne aufhalten;
über alle Hemmungen Pimeg hat das Christenltum
seinen Weg gefunden. Und soistes ein herrliches
Jeugnis gläubiger Zuversicht des deutschen
Volkes, daß keine vorübergehende Stockung der
WVaffentaten an der Front, keine für die siegreiche
Fortführung der Kampfhandlungen nötige
kürzere oder längere Atempause ihm die überzeugte
Gemißbest rauben kann: Der Sieg ist auf
dem Marsch
So ferc auch die Völker gegen ginandr
wüten, so Feigen doch hocherfreuliche Werke de
christlichen Nächstenliebe und Charitas, wie 96=insbesondere
der heilige Vater beständig verrichtet,
daß die Kirche auch jetzt noch ine wichige
Mission zu erfüllen hat, eine Mission all umfassender
Liebe und echt christlichen Wohltuns, die
die unsäglichen Leiden der Kriegszeit zu lindern
sucht. Unablässig ruft die Kirche Gottes Erbarmen
an für die Wiederkehr des Friedens und erit
vor wenigen Tagen hat der heilige Vater einen
allgemeinen Gebetstag in den katholischen Gotteshäusern
der ganzen Welt für den Frieden angeordnet.
Daß dieser behlückende Pfingitgeist,
den in sich aufzunehmen das deutsche Volk längst
Willens wäre, in naher Zeit dieganz= Welt erfüllen
möge, das ist der Pfinostwunsch-t dem wir
alle diese Tage der Ruhe und des Friedens inmitten
einer Zeit männermordenden Krieges begehen!
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Fermlmtqnzlersier vaiVilndnig
unduliersrimmgflihtem
* Budapest. 17. 5. In einer Unterredung,
die der Berliner Vertreter des „A#g##st“ mit dem
Reichskamler hatte, erklärte Graf Hertling u. a.:
Der neue Zweibundvertrag wird beson-
DerReichskanzlerüber das Hündnis
mit Oesterreich und den Frieden.
Der König bei den Kemmelkämpfern. — Lebha
an der italienischen Gront. — GEin Angriff der Itallener und Frank4.
— Baku von den WBols,G
zosen in Albani
chewisten genommen. —
en
11 feindliche Uboote in der Ostsee versenkt. — Kriegsentschädigung
von Nußland und Auslieferung der Handbelsflotte?
— Friedenserörterungen
in England.
dere zwei wichtige Teile haben, diewirischaftlichen
. militärischen Vereinbarungen. Der wirtschaftliche
Zusammenschluß Deutschlands und Oesterreich-Ungarns
hat keine Epitze gegen irgend einen
Staat. Wir wollen nichts anderes als unseren
Platg an der Sonne haben. Es kst unser gutes
Recht, daß wir unsere gemeinsamen Interessen
übereinstimmen lassen und gemeinsam vorgehen.
Wir wollen die Möglichkeiten, die uns durch
den Zusammenschluß gegeben werden, ausnützen
und nichts anderes. as die militärische
Seite der Besprechungen anbetrifft, so muß ich
betonen, daß unsere Vereinbarungen für die
Zukunft keinen aggre#siven Charalter
haben. Wir wollen nur die Konsolidierung der
gegenmärtigen Verhältnisse und wollen auch nach
dem Kriege eng verbunden bleiben, wie uns der
Krieg einander nahe gebracht hat. Ich sprach
im Hauptquartier General v. Arz, dann Generalfeldmarschall
v. Hindenburg und Ludendorff.
Alle drei Herren haben sich ehr befriedigt
geäußert. Wenn sich die Welt einmal zu einem
Friedensbund zusammenschlieb wen wollte, wenn die
Nationen eine Friedensliga bilden würden, danm
würde Deutschland ohne Zögern und mit Freude
beitreten. Leider geben die jetzigen Verhältnisse
sehr wenig Hoffnung darauf.
Ich bin noch immer genng Outimii. um zu
glauben, daß wir
noch in diesem Jahre Frieden
haben werden. Ich kann augenblicklich nicht mehr
sagen, als daß ich die feste Zuversicht hege, daß
die weiteren Ereignisse im Westen uns dembaldigen
Ende des Krieges näher bringen
merden und daß dann das im Kriege erprobtle
und ausgebaute Bündnis zwischen Deutschland
und Oesterreich-Ungarn zu erneuten Blüte und
leichem Segen ger angen wir wird.
Kömg Ludwig b bei d den bayerischen
Kemmelskürmern.
* Berlin, 17. 5. (Nichtamtlich.) Der König
von Bayern besuchte am 15. Mai seine Regimenter,
die in den schweren Kämpfen um den
Kemmelberg ganz Hervorragendes geleiitet
haben und die ganze Welt mit Bemunderung erfüllten.
Noch ist der glänzende Sturm auf den
Kemmel, die Eroberung von Dranoeter und
die Abwehr starker französischer Gegenangrifse
in Vollund Heer in frischer Erinnerung. Dankbar
eimpfand es jeder Soldat, daß der König seinen
Bayern persönlich den Dank der Heimat
überbrachte.
Am Bahnhof begrüßten Kronprinz
Rupprecht, der Oberbefehlshaber der Armec,
General Sirt von Armin mit dem Generalstabschef.
General von Loßberg und der Füh-Bcer
der siegreichen Kemmelstürmer, General von
Tutschek den König. Im Auto ging es aus
der Stadt hinaus, wo im Park unter dem frischen
Grün mächtiger Ulmen die Regimenter vom
Kemmel aufgesteilt worden waren. Unter den
Klängen des Präsentiermarsches schritt der König
die Front ab, sprach wiederholt Offiziere und
Mannschaften an und drückte ihnen die Hauo:
„Guten Morgen, mein tapferes .. . NRegimemt!
„Guten Morgen, Majestät!“ Frisch und kräflig
kam der Gruß aus den rauhen Kriegerkehlen.
Nun dankte der Dioisionskommandeur dem
König in einer Ansprache für den Besuch und
die zahlreichen Gnadenbemeise. Der König
antwortete entma mit solgenden Worten:
„Ich habe die Kriegstalen der Dwision mit
Stolz verfolgt.
gestellt, aber überall, wo sie eingesetzt worden in,
hat sie sich ausgezeichnet und niemals vergessen,
ilre Schuldigkeit zu tun, sondern Ehreund Ruhm
mit ihrem Namen verknüpft. Ich habawiele von
Tuch in München gesehen, aber doch nicht alle
und freue mich, daß ich Euch saämtlich zusammen
begrüßen lann. Ihr lommt gerade aus einer
schweren Scht acht, in der Ihr Euch ruhmvoll bewährtel.
Jhrbabt den Kemmel genommen.
Ih sage Euch meinen koniglichen Dauk,
ganz besonders für die Taten der leölen Zeit.
Wir alle wunschen, in die Heimat zurückzukehren
zu können, aber wir werden wei mrerkämr jen, Cis
der Feind zum Frieden geneigt iit. Ihr stammt
aus liden verschiedeniten Teilen Bayern, aber
einer hat so tapfer gelämpft, mie ker undere und
so werdet Ihr weilerkämpfen bie zum siegreichen
Ende. Gott befohlen, Kameraden:“
Offiziere und Mannschaften, die sich in den
letzten Kämpfen besonders ausgezeichnet haiten,
traten vor und empfingen aus der Hand Ihres
Konigs Kreuze und Medaillen. Nachdem die
Truppen noch in einer strammen Parade am
könig vorbeimarschiert waren, begab sich Se.
Mgjestät zu der siegreichen T Oivision Se. Möniglichen
Hobeit des Prinen Fra nm z. Auch hier
bot sich ein schönes Vild einer kriegsmäßigen
Trurpenschau vor dem Obersten Kriegsherrn.
In seiner Ansrrache betonte der Divisionskommandeur
die Freude, die jeder einzelne Soldat
empfand, als es nach langen Jahren des Stellungskrieges
endlich wieder zum Angriff ging,
und gab der Ueberzeugung Auedruck, daß jeder
neue Angriffsbefehl seine Regimenter genau so
auf dem Posten finden würde, wie der erite. Der
König überbrachte den Dank der Heimat, zu dessen
äußerem Zeichen er nach dem einiltimmigen
Ordenskaptt tels dem hochverdienten!
Hoheit Prin-Beschluß
des #
Divisionekommandeur, Sr. Kgl.
zen Franz das Kommandeurlreuz des Mar-Joseph.
Ordens überreichte. Mit einem Vorbeimarich
der Trunpen schloß die eindrucksvolle
Feier.
Eine zweemscihia
Rußlands?
** Basel, 16. 5. Ccho de Paris erfährt aur
Rußland, 4 zwischen den Bolschewili und
Deutschland ein Vergleich über die Zablung einer
Kriegsentschädigung seitens Rußland
zustandegekommen sei. Die Händeleflotte
solle an Deutschland abgetreten werden. Die Arbeitstage
der russischen Kriegsgefangenen sollen
von der Entschädigung abgezogen werden. (Die
Meldungen des Echo de Paris sind mit Vorsicht
aufzunchmen! O. N.)
————
—.
Die KArieslage.
Der amtliche österreichische Bericht.
WIB. Wien, 17. 5. Amtlich wird verlantbart:
An der italienischen Front stellenweise lebhafte
Artillerielämpfe.
fte Artilleriekämpfe
Schwere Aufgaben waren ihr
In Albanien griffen Jla'iener und
zoj en unsere Gebirgesleilungen zunschen den Fluisen
Osum und Devoli an. Abgeseher won einem
unbedentenden Geländegeminn weittich von Korza
murde der Feind uberall zuruckgeschlagen.
Der Chefs des Generalstabo.
Die Schlacht im Westen.
Jlalienische Dilfstkrunpen
aun der Vogeseniro 4t.
5 Zürich. 17. 5. Nach einer Meldung de.
Iron-„JZürcher
Tagesanzeigers'“ betteg: die Zir!
der ilalienischen Verbande an der Aogee fühnt
vier bis fünf Divissonen. In HSlaiicz# der i
iiiiqcsnlilicllich leine englischen und EE
Divisionen an der From, wahrend die Reserven
hauptsächlich aus Beanunge und Elappertrup.
ben bestehen sollen.
—
der sitieg zut See.
jeindliche U Boote
in der Ostiee vernichret.
Haag. 17. 5. Aus London wro imunssrn :
Die Admiralitat gibt belannt. daß in den Ta
gen voin 3. bis 9. Aprii dieses *s sie
die
11
ben Tauchboole der briticchen Klouc.
in den russischen Gewässern waren. a.: i Rot
d
der Admiralität vernichte: wund.: a.
deutschen Schisse sich Hango naherien. Ke
dieser Tauchboote sei in die Hand: de;z Feigefallen.
Die Kannen waren bereits ##r
onirasichbor acmacht. Bei Annaberura Nrdeutschen
Streitlrafte zagen auch di: Rulien
sich aus dieser Gegend zuruck. merden sse 1
amerilanische 11 Bootr#ee
geiprengt hatien.
die r* Osten.
Baluinden Händen der Boliag
* Kounantinopel.
Milli erfahrt: Nach den
siellen die Volschewil# #
Vernärfungen aus n- und 17 rras à°2
die auf rusischen Kanonenbooten üöer da.
Kaspicche Meer gelommen find. Nuch den n Ein
treffen dieser Verärkungen gingen die erl. #te:
witi-Banden zum Augriif uber, iu desen rn
lause die MusUnanen iroß ihres hel demn: ti.
Wideritandes wegen Mangels an BWerteid
gungsmittein die Stadt Baku verloren. ie
nicht gehalten werden tonnte. wiewobl Mir- el
manen aus Dagheßan und Georgien zur Hiuleinung
herbeigeeilt waren, weil den Veridt
gern die Patronen nusgegange miten urd es
in nen ür vorier an Verteidigungsimmiutlern #ira
gelle. Die Volschewili sezen den Algin an
Leftiger Wa W
Rückgabr der „Medschidije“.
Köln, 17. 5. Wic die „Kölnische heitunqg““
aus Berlin meldet, n der cheitalige 11½#
Kreuzer „Medschid'ie“, der im Anrie 1 „: bor
Sebafiopol auf eine Mine. lies, vom den Klen
gehoben und von ihnen vermende! kurs? on
uns an die Turken zurückge Jpruchgegebe i woreee.
Magemeines vol vom Krieg.
Ehrung unserer Hecersuhrer.
Berlin, 17. 5. Ilin die großen Laleu
der Heerfuhrer, welche sich in diesem Kriege
bei der Verleidigung und Sicherung der dem
schen Ostgrenze beiondere Verdienste erwarbe.
späteren Geschlechtern in dauernder Erinnerung
zu erhalten, besab der Kaiser, daß jedem der
acht Wehrtürme des an dem alren deutsehen
Ordensschlosse Marienburg zu errichtenden
Plauenschen Bollwerks der Name einen dieser
Generale gegeben wird und zwar des General
seldmarschalls von Mackensen, des Generaiseldmarschalls
von Eichhorn, des Generalfeldmar.
schalls von Woyrsch, des Generals der Insan
lerie Ludendorff. des Generals der Alilicrie
von Gallwir. des Generals der Artillerie von
Scholtz, des Generals der Infanterie v. Francois
und des Generals der Infanterie von Velow
(Otto).
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