Full text: Das Goldene Buch des Deutschen Volkes an der Jahrhundertwende.

und die Kheinlande zuerst wirksam vorgegangen sind. — Wo Beizstofle, insbesondere die Koble, in Frage kommen, tritt 
das Bestreben nach vollster Ausnutzung der ihr inmewohnenden, durch die Verbrennung ausgelösien Energie in den Vorder: 
grund. — €5 nennt uns die Maschinenlehre, die Lehre von der Anwendung der mathematischen, physikalischen und chemischen 
Lehrsätze auf den Maschinenbau, zahlreiche Fachleute, deren gemeinsamen bezw. ergänzenden Arbeiten die jetzige 
Vollkommenheit der Dampimaschinen zu verdanken ist. 
Von Robert Mayer in Beilbronn rührt der fundamentale Satz vom Wärmeäquivalent ber, welcher uns die konstante 
Beziehung zwischen Wärme und Arbeit lehrt; von ihm haben wir zuerst bestimmt erfahren, was man früher nur geahnt, 
dass nämlich, wie der Materie, so auch der lebendigen Kraft in ihren verschiedenen Formen, der Bewegung, Wärme, Licht 
und Elekiriziät, die quantitative Umzerstörbarkeit eigentümlich ist. Dieser Salz von der Erhaltung der Krali oder 
Energie bildet den Ausgang für die „mechanische Wärmetheorie* oder „mechanische Chermodynamik“. Zeuner bat die 
bewegung der einer Cemperaturänderung unterworfenen kleinsten Ceile von Gasen, Dämpien u. s. w. aus dem Bereich der 
Physik in dasjenige der angewandten Mechanik verpflanzt; die rechnerische Ermitielung der Arbeitsleistung der kleinsten 
Ceile geht der Konstruktion von Wärmemotoren voraus. 
Jede Dampfmaschinenanlage erfordert eine Teuerung, einen Dampfkessel und eine Dampimaschine; die Umwandlung der 
der Kohle innewohnenden Energie in Wärme durch Verbrennung, die Verdampftung und Ausnutzung der Arbeit des Dampfes 
durch die Maschine sind aber drei Verlustquellen, welche selbst unter Voraussetzung bester Anlagen etwa 880, der theorelischen 
Energie der Kohle auizehren, so dass in nutzbare Form nur die 129g übergeführt werden können. Eine Steigerung der 
Leistung erscheint bier ausgeschlossen. Gemäss der Einsicht, dass die Cemperaturdilierenz des der Maschine zugeführten 
und von dieser wieder entlassenen Arbeitsmittels (hier des.Dampies) den Massstab für die Arbeitsleistung bildet, hat man 
überbitzten Dampf verwendet, indessen auf diesem Wege bald in praktischen Schwierigkeiten eine Grenze geiunden, weil die 
Ueberhitzung nur durch die Veränderungen der den Dampf haltenden Gefässe erfolgen kann. 
Die mechanische Wärmeiheorie lehrt klar, dass der Grad der Ausnutzung der Wärme nur von dem Unterschied der Ceimperalur 
der zu» und abgeführten Wärme abhängig ist, nicht aber von der physikalischen Eigenschaft des Arbeitsmediums. Man 
hat deshalb Stoffe gesucht, welche in der Arbeitsmaschine selbsi erhilzt werden. So sind die Gas-, Petroleum, Benzin» und 
Wärmempotoren entstanden, in deren Bylindern Cemperaiuren von 2000° auftreten, obne dass die Arbeitsflächen nach Tausenden 
von Impuisen irgendwie litten. Dieser verbällnismässig noch junge Zweig des Motorbaues ist in steter Enitwickelung 
begrilien, und mit wenigen Ausnahmen sind die Schrille zu wesentlichen Vervollkomninungen in Deutschland gemacht 
worden. Insbesondere ist bier Oitos Viertaktmaschine zu nennen, welche eine weite Uerbreitung gefunden bat. 
Die theoretische Maschinenlehre, welche über die zweckmässigsten Grössen der einzelnen Ceile von Maschinen im allgemeinen 
Aufschluss giebi, bat ihren Ursprung in Deutschland genommen. Redtenbacher, Arashoff, Reuleaux sind Namen, welche 
mil der Gründung und Vollendung dieser Wissenschait innig verknüpft und auch arundlegend für die Maschinen- 
konsiruktionslehre gewesen sind, als deren derzeitiger wichligsier Repräsentant Riedler zu bezeichnen ist. 
Aus Keuleaux” Beirachlungen über die Beziehungen zwischen Kultur und Cechnik ergiebt sich der Satz: Bringen wir unbelebie 
körper in solche Lage, solche Umstände, dass ihre naturgesetzliche Wirkung unseren Zwecken entspricht, so können wir sie für 
die belebten Wesen und stait derselben Arbeit verrichten lassen. Und weiter wird im Gegensatz zu dem naturistischen Prinzip 
von dem bewusst schaflenden Völkern eigenen manganistischen Prinzip gesagt, es bestehe in der auf wissenschaftliche Erkenntnis 
der Baturgesetze gestützten Ausbildung und der dann folgenden Ueber- und Nebeneinanderordnung mechanischer, physikalischer 
und chemischer Lreibwerke. Aus einiachsten Elementenpaaren setzen sich Laufwerk, Sperrwerk, Spannwerk, Schaltwerk, 
Schliesswerk, Bemimwerk zusammen. Je mehr dieser Glieder wir in einer Vorrichtung vorfinden, desto höher ist die Ordnung 
derselben. Bald in rein mechanischer, bald in mechanischer, physikalischer und «hemischer Kombination finden wir die Elementen- 
paare in jeder Maschine wieder. Zwei Körper, die sich mit ihren Umilächen berühren, hindern einander an freier Bewegung 
und zwingen sich eine besondere Art gegenseiliger Beweglichkeit auf. Diese Körperpaare nennt Reuleaux Elementenpaare, 
welche allen Maschinen gemäss der Kinematik oder Maschinengetriebelehre zu Grunde gelegt sind. Die letztere zeigt den 
Weg, aui welchem gewünschte Bewegungsformen zwangsweise erreicht werden können, und bildet eine hochwichtige Dilie 
im Maschinenbau. Als derzeitiger wissenschaftlicher Vertreter der Kinematik dürfte Hartmann zu nennen sein. 
Insbesondere hat auch der Werkzeugmaschinenbau aus dem Born der Kinematik geschöpft. Die (Ülerkzeugmaschine ist besonders 
bedeuisam, und ihr Wert ist im Wachsen begrilien. Sie hat Maschinenteile zu bearbeiten und ist jetzt selbst da unenibebrlich, 
wo früher Menschenkraft ausreichte. Die sozialen Verhältnisse üben hier in weitgehendem Masse ihren Einiluss aus. 
Der Ersatz der Menschenarbeit durh die Maschinenarbeit ist merkwürdigerweise gerade in Amerika zuerst weitgehend 
zu Cage geireien und bat zunächst den Werdachi einzig und allein gewinnsüchtiger Motive erweckt. Aber die Anforderungen 
der Technik nicht allein, sondern au diejenigen aller Gewerbe sind in Bahnen eingetreten, welche die Ansprüche an den 
Werkzeugmaschinenbau ins unermessene steigern. In dieser Beziehung ist noch kein Ende abzusehen. Nur so viel lässt 
sich fesistellen, dass sich der deutsche Werkzeugmaschinenbau bereits vollständig auf eigene Füsse gestellt hat. Alle Formen, 
die Güte des Materials, die Zweckmässigkeit der Ausführung haben sich im deufschen Werkzeugmaschinenbau vereint, um 
die Bedeutung des vaterländischen Erzeugnisses allen Ansprüchen gegenüber auirecht zu erhalten, um die Einführung dieses 
jüngsien deutschen Maschinenbauzweiges auf dem Weltmarkt wirksam zu gestalten. 
Es ist eine Eriahrungsregel, dass die Fortschritte auf einem Felde die Nachfolge auf verwandten Gebieten bedingen. 0 
sind die Zuthalen zum Maschinenbau, wenn man die unentbebrlihen Armaturen so nennen darf; in Deutschland äusserst 
  
  
  
  
  
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