Wundt, Wilhelm, Philosoph, Psycholog und Physiolog, geboren am 16. Augusı 1832
zu Therkarau in Baden, studierie 185156 in Tübingen, Heidelberg und Berlin Medizin,
wurde 1857 Privatdozent der Physiologie in Heidelberg, 1864 ausseront, Prof. daselbst,
1874 nach Zürich berufen, seit 1875 ord. Prof. der Philosophie in Leipzig. Baupi-
werke: „Beiträge zur Cheorie der Sinneswahrnehmung“ (1862), „Vorlesungen über
die Menschen und Lierseele“ €1803, 3. Aufl. 1897), „Lehrbuch der Physiologie des
Ienschen“ (1805, 4. Aufl, 1875), „Urundzilge der physiologischen Psychologie“ (1874,
4. Aull, 1893). „Logik“ (1886-33, 2. Aufl. 189595), „Eihik“ (1386, 2. Auff, 1892),
„system der Philosophie“ {1589, 2. Aufl. 1807), „Grundriss der Psychologie" (1806,
3. Aufl. 1898). Terausgeher der „Philosophischen Studien“ 11883 ff).
Zacher, Georg, Sozialpoliliker. geboren am 20, Juni 1854 zu Königsberg i. Pr., 1980
Dr. jur, und @erichtsassessor, 1881 Regierungsassessor beim Pollzeipräsidium zu Bertin,
1857 daselbst Regierungsral, seit 1899 ständiges Mitglied des Reichsversicherungsamts
und seit 1895 Geh, Regierungsrat daselbst. Seit 1834 grössere Studienreisen im Hus-
lande (Europa, Amerika, Afrika). Sozialpoliisch ıhätig durch eigene Schriften: _Die
rote Internationale“ (1884, deutsch, französisch, englisch), „Leilfaden zur Frbeileryer-
sirberung .des Deuischen Reiches“ (1803, deutsch, französisch, englisch), „Die Arbeiler-
versicherung dm Auslande“ (1808); ferner durch Tehtung der sozialpolitischen Hus-
stellungen des Reichsversicherungsamtes auf den [elausstellumgen in Ehicago,
Brüssel und Paris. Üerlasser des Artikels „Arbeiterversicherung“ im Goldenen Buche.
Zahn, Friedrich Karl Theodor IWiihelm, Dr. jur. et phil., Sozialpslitiker, geboren
ant $. Januar 1369 in Wunsiedel, 1895 Regierunasaccessist an der Regierung von Über
bayern und wissenschaftlicher Bilfsarbeiter des Statistischen Bureaus in Milnchen, seit
1806 Billsteferent im Kaiserlichen Statistischen Amt in Berlin und in dieser Stellung
1398 zum bayrischen Bexirksantsassessor ernannt. FBauptwerke: „Die Organisation
der Prinzipale und Gebilfen im deutschen Buchdruckgewerbe“ (1896), „Die Landwirt-
schaft im Deutschen Reiche nach der landwirtschaftlichen Betriebszählung 1895“ (1898),
„Gewerbe und Mandel im Dewischen Reiche mach der gewerblichen Betriebszählung
1895" (1800), „Die berufliche und soziale @liederung des deutschen Uelkes nach der
Berufszählng 1895“ (1899), Werlasser des betreffenden Artikels im: Goldenen Buche.
Jahn, Theodor, Iutherischer Cheolog, geboren am 10. Oktober 1838 zu WMörs,
sindierte zu Basel, Erlangen und Berlin, 1861 Gyınmasiallchrer x Neustrelitz, 1865
Repeteni in Göttingen, 1868 Privatdozent daselbst, 1871 ausserörd. Prof, und zweiter
Umiversiätsprediger, 1877 ord. Prof, in Kiel, 1878 in Erlangen, 1888 in Leipeig und
seit 1802 wiederum in Erlangen, Schüften: „WMarcellus von Ancyra“ (1867), „Der
Bir des Bermas untersucht“ (1308), „Tgnatius von Antischien" (1873), „Acta Joannis“
11850), „Forschungen zur Geschichte des neutestanentlichen Kanons und der allkirch-
lichen Eitteratur" (188193), „Geschichte des nenttestamentlichen Kanons“ (1889-92),
„Das apssiolische Symubolum, eine Skizze seiner Geschichte und eine Prilfung seines
Inhalts“ (I. und 2, Aufl. 1893), „Skizzen aus dem Leben der alten Kirche“ (1394,
2. Audi. 1898), „Einleitung in das Dee Coslament" (1897—00) u. v. a.
Zedlitz und Neukirch, Octavio Freiherr von, freikonservativer Politiker, geboren
am 6. Dezember 1846 In @laiz, studierte im Heidelberg und Berlin Rechtswissenschaft,
arbeitete 18064—65 bei dem preussischen Zivilkommissariat In Schleswig-Helstein,
wurde in der Schlacht bei Königgrätz Schwer verwundet, 1868 Eandrat des Kreises
sagan, 1871 Unterprätekt in Saini-Ouenlin, 1874 Bilfsarbeiter im Reichskanzleramt,
1851 vortragender Rat im preussischen Ministerium der Slfentlichen Arbeiten, 1800
Präsident der Seehandlung: 1871-74 Miiglied des deuischen Reichstages, seit 1876
des preussischen Abgeordnelenhauses, Führer der Ireikonservallven Fraktion.
Zeller, Eduard, Philosoph. geboren amı 22. Januar 1814 zu Kleinboitwar in Würlient-
berg, stadierie in Cübingen und Berlin Cheologie, wurde 1840 in Tübingen Privatdozent,
begründete hier 1542 die „Cheologischen Jahrbilcher“, Organ der Lübinger Schule,
das bis 1557 bestand, 1847 Prof. der Cheologie In Bern, 1840 Prof, der Philosophie
in Marburg, 1862 in Feidelberg, 1872—94 in Berlin, 1804 Wirkl. Geh. Rat, Ehren.
mitglied der Akademie der Wissenschallen in Berlin. Tauptwerk: „Die Philosophie
der Griechen in ihrer geschichtlichen Entwickelung“ (844—52; zT. in 5. Aulil}:
daraus „Grundriss der Geschichte der griechischen Philosophie" (1883, 4. Aufl. 1803).
Ferner schrieb et: „Geschichte der dewischen Philosophie seit Leibniz“ (1873, „Staat und
Kirche“ (1873), „David Friedrich Strauss“ (1874), Vorträge und Abhandlungen (3 Bde,
051584, „Friedrich der Grosse als Philosoph” (1830).
Zetiler, Moritz, Direktor des städtischen Schulturnwesens in Ehemnitz, geboren am
6. Dezember 1835 in Niederzschernewitz in Sachsen, 1857 Bürgerschullehrer in Chemnitz,
186% Lehrer am Realgymmasium daselbst und gleichzeitig Inspekior des städtischen
Schuflurnens. In der deutschen Cummzeitung veröffentlichte er seit 1864 eine Anzahl
Aufsätze zur Berbeiführung einer logischen Umterrichisweise im Turnen. Die hierbei
niedergelegten Gedanken lasste er in seiner „Meihodik des Cuinunterrichts" (1875, 2. Aufl.
1881) zusammen. Seine weiteren durnmelhodischen Werke sind: „Das Eurnen nit der
Keule“ (1854, 2. Aufl. 1801), „Die Schule der Stabitbungen“ (1837, 2. Aull. 1801),
„Lurnerische Geseltschaftsühungen“ (3. Aufl. 1892), „Die Ordnungsübungen“ (1808),
„Anleitung zur Reigenbildung, nebst einer Sammlung von Reigen" (1599), „Die
Bewegungsspiele. Ihr Wesen, ihre Geschichte und ibe Betrieb” (1803); ferner die
Neubearbeitung der Scheillerschen Eurmschwle fir Mädchen 1. Teil $. Aull., 2. Cell
’. Aufl, flir Knaben I. Teil 3. Aufl, 3. Ceil Lurnspiele 7, Aufl... „Die Anlage und
Einrichtung von Curnhalten und Curnplätzen für Dolksschulen“ (1878), „Bausteine zue
Geschichte des deutschen Cuemens“, veröffendlicht in der deuischen Cumzeilung seit
1885. Leilete als Vorsitzender des technischen Unlerausschusses die deutschen Curnlesie
in München 1889 und in Breslau 1804.
Atuner, Gustar, Lehrer der Ingenieurwissenschallen, geboren anı 30. Nowember 1828
zu Ehemnitz, studierte 184851 an der Bergakademie zu Freiberg, rediglerte 1833---57
den von ihm begründelen „Zivillngenieur“, wurde 1855 als Prof, der Mechanik und der
theoretischen Maschinenlehre an das Polytechnikum in Zürich berufen, dessen Dircklion er
seit 1559 in Stellverireming, 1865-63 im Bauptamt führte. 1871-75 war er Direktor
ter Bergakademie im Freiberg, die er zeilgemäss wingestaltete, 1873--90 auch Direktor
des Polytechnikuns zu Dresden, seit 1873 zugleich Prof. dir technische Mechanik und
Iheorelische Maschinenlehre an der zuletzt genannten Anstalt, die durch ihn gleich-
iall; eine völlige Neuorganisation erfuhr. Werke: „Die Schieberstenerungen“ (5. Aufl,
1888, auch Iranzösisch und englisch), „Grundzüge der mechanischen Wänmeihtorie“
(2. Aull. 1866, auch französisch), „Technische Chermodynamik“ (3. Aull. 1337-00), „Das
Lohomotivenbläasrohr“ (1863), „ Abhandlungen aus der maihematischen Statistik“ (1369).
Einer der grundlegenden Führer der neueren technischen Mechanik und Maschinenlchre.
Biograpbien 58
Zick, Alexander, INaler, geboren 1845 in Koblenz, war zuerst Bildhauer In Düssel-
dori und wandte sich später der Malerei zu. Mach beendigten Wanderjahren, die
Air zum Ceil in Italien zubrachie, kam er 1880 nach Berlin, wo er selldem, mil
Ausnahme zweier Jahre, die er in München lebte, seinen Wohnsitz hat und anf
verschiedenen künstlerischen Gebieten, vornehmlich auf dem der Illustration, ıhätig ist,
Einer unserer reichbegabtesten 1llustratoren voll Beweglichkeit und Graxie.
Ziegler, Klara, Schauspielerin, geboren am 27. April 1844 zu München, rat zuerst
1862 in Bamberg aul, war dann in Ulm ıhätig. kam 1865 an das Aktienvalksiheater
in München und feierte als Tragddin grosse Crumpbe am Stadttheater zu Leipzig
(1867 —63), am Bofibeater zu Milndhen (1868- -74} und auf Hastspielreisen, die sie
bis nach Russland und den Tiederlanden unternahm, Ihr geblihrt das Verdienst,
durch ihre Darstellung der „Sappho” und „Meder“, die sie über 306 Mal in 30
verschiedenen Städten spiele, Grillparzer, dem man in Deutschland stets kühl be-
aegnele, populär gemacht zu haben. Kleists „Penthesilea“ brachte sie im Original
mi einer won ihr selbst heragstellten szenischen Einrichtung im Bofiheater zu Miinchen
1892 auf die Bühne. Slanzrollen: Lady Macbeth, die INedea und Sappho Griliparzers,
hebbels Brunbild und Judith, Iphigenie, Jungirau von Orleans, Elisaberh im „Essex“
und Isabella In der „Braut von Messina“, Chusmelda,. Fechter von Ravenna. Aber
auch din Teinern KLusispiel errang sie grossen Beifall.
Ziegler, Cheobald, Philosoph, geboren am 9. Februar 1346 In Göppingen, besuchte
die Universität Cübingen, um hier Cheologie und Philosophie zu Studieren, wurde
Gymnasialiehrer 1871 in Winterthur und 1876 in Baden-Baden, 1882 Konrekior des
protestantischen Gymnasiums zu Strassburg. 1834 auch Privatdozent an der dortigen
Universität, wo er seit 1886 eine ord. Professur für Philosophie bekleidet. Er schrieb:
„Lehrbuch der Logik“ (1876), „Studien und Studienköple aus der neueren Lilleratur-
geschichte” (1877), „Geschichte der Eihik“ (1831—86), „Sittliches Sein und sittiches
Werden“ (1890, 2 Aufl.) „Die Fragen der Schulreform“ (1891, 5 Aufl), „Die soziale
frage eine sittliche Frage“ (1891). „Religion und Religionen“ (1893), „Bas @efühl*
(1893), „Der deutsche Student am Ende des 19. Jahrhunderts“ (11805, 4 Auil.),
„Geschichte der Püdagoaik“ (1895) im 1. Bande von Baumeisters „Bandbich der
Erziehungs- und Unterelchtslehre*, „Die geistigen und sozialen Strömungen des 19. Jahr-
hunderts“ 1809), „Fr. Nietzsche‘ (1900),
Zlemssen, Bugs Wilhelm von, Kliniker, geboren am 13. Dezember 8829 zu Greifs-
wald, wurde 1856 Privatdozem daselbst, 1863 ord. Prof. der Paihologie und Cherapie
und Direktor der medizinischen Klinik in Erlangen, 1874 Professor und Direktor des
Allgemeinen Krankenhauses in München. Hochverdient auch durch Schaffung eines
‚wissenschaftlichen Instits fir die Klinische Medizin an der Universität Miünchen.
herausgeber des „Deuischen Archivs Tr klinische Medizin“ (mit Zenker, seit 1865),
der besonders Für die Krankenhausstatistik wichtigen „Annalen der städäschen Kranken-
häuser in Ilünchen“ (seit 1378). Von Bedeutung für die gesamte Medizin wurde
sein „bandbuch der speziellen Pathologie und Cherapie” £17 Bde. 3. Aufl, 1886 11.) und
das „Handbuch der allgemeinen Cherapie* (4 Bde. 1830--34). Fernere Schriften:
„Die Kaltwasserbehandlung des Cyphus" (1870), „Handbuch der Aygieine und der
Gewerbekrankheiten" (1882—86}, „Die Elektrizität in der Medizin“ (5, Aufl. 1887),
„Phammatopoea clinica” (5. Aufl. 1896), An dem Aufschwung der modernen Medizin
hat Ziemssen durch scharfsinnige, zum Teil bahnbrechende Untersuchungen einen
hervorragenden Anteil genommen.
Ziese, Karl, Ingenieur, geboren am 2. Juli 1848 in Moskau, studierte 1871—73
in Berlin Ingenieurwesen. Ende 1875 drat er in die Firma Schichan zu Elbing ein,
baute 1377 das ersie seegchende Lorpedoboot und 1882 die erste auf dem guropäischen
Kontinent hergestellie Dreisylinder- Expansionsmaschine. Unter seiner Leitung sind
die Schichauwerke bis zu ährer jelzigen wellbedeutenden Grösse aufgeblüht; schon
seit langen Jahren Teilhaber, ist Ziese Seit dem Binscheiden von Ferdinand Schichau
der allein vertreiungsberechligte Inhaber und geniale Leiter der grossarligen Schichaus
werke von Elbing und Danzig.
Ziramermaun, Alired, Dr., Dationalökonom, geboren am 8. iai 1859 zu Frankenstein,
Legationsrat im Auswärtigen Amie. Bauptwerke: „Bllite und Verfall des Leinen-
gewerbes in Schlesien“ (1885), „Beschichle der preussisch«deutschen Bandelspolitik”
(1892), „Geschichte der Kolonialpelitik der europäischen Staaten“ (bisher Portugal,
Spanien, Grossbritannien, 1896—99). Uerlasser des Hrlkels über die Kolonien im
Goldenen Buche,
Zimmermann, Ernst, Maler. geboren am 24. April 1852 zu Milnchen, besuchte die
Akademie seiner Laterstadd, we Wilh. Diez sein Lehrer war, wurde 1836 Professor
und 18357 Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste in München. Umter
seinen bedeutenden, ins grosse wirkenden Gemälden von feiner Farbenwirkung
nissen genannd werden: „Ehristus im Cempel” (1879), „Auberung der Hirlen“ (1883,
Neue Pinakothek in München), „Musikunterricht“ (1884, Galerie in Dresden), „Ehristus
und die Fischer“ (1986, Samanlung Laroche-Ringwald in Basel}, „Ehristus conselator“
(1359, Museum in Leipzig), „Heilige Familie” (1891), „Ehristus erscheint dem Chomas“
(1892), „Kommt ber zu mir, die ihr mühselig und beladen seid" (1803) umed das
für das Rafhaus zu Mlnchen geschallene grosse Gemälde „Die Cürken in Wien“.
at ausserdem viele Genrebilder und Stillleben gemali; auch in der Nilinchener
Pinakothek befindet sich ein vorireilliches Fischstillleben von ihm.
Zimmermann, Termann, Dr. Gch. Haurat, geboren am 17, Dezeinber 1845 in Langen.
salza, ging 1862 zur Ser, besuchte Ostindien, Lagos, Sansibar, Madagaskar, Madelra,
Lenerilla, die Eapverden und fast alle westindischen Inseln, ging 1869 zum Bat
ingenienrfach über, tral 1875 in den Dienst der Reichseisenbahrıen, wurde 1891 als
vortragender Rat in das preussische Ministerium der öffentlichen Arbeiten berufen.
seit 1891 Mitglied der Akademie des Bauwesens. Er war viellach schrilistellerisch
thalig und gab in seinem Hauptwerke „Die Berechnung des Eisenbahn-Überbaues“
(1888) zum ersten Male eine vollständige Oberbauheorie. Er wirkte bei einer Reihe
grosser Bauten teils als Berater, teils als Verlasser der Entwürle für die wichtigsten
Ronsiruktionen. 1899 wurde ihm die silberne Medaille Tür Verdienste um das Bau
wesen verlieben,
Zirkel, Ferdinand, Mineralog und Geolog, qeboren am 20. Mai 1838 zu Bonn,
bereiste 1500 Island, wurde 1863 Prof, an der Universität zu Lemberg, 1868 in Kiel
und 1870 im Eeipzig, wo er gleichzeitig die Direktion des nenbegründeten Minera-
logischen INuseums übernahm. 1883 erfolgte seine Ermennung zum Geh, Bergral.
Zirkel hat Forschungsreisen ausgelührt in Frankreich, Schöltland, Nalien, Nordamerika