108
is komen mit siner eyliken vrowen hildegund in dy gehegede bang
vnd het gemakit siner vrowen hildegund dat gut, dat in huse ond in
hove is, cleyn vnd grod, is sy wenich oder vele ond al dat slot vnd
doren besluten; des sal sy gebrucke vnd macht hebben to geuende,
wem sy wil, ane alle hindernisse, nach sime tode. Darna hat gemakit
Markerd siner vrowen sin erue vnd al, det to dem erue hort: dat
sal sy hebben und sal des gebruken, dy wile sy leuet, ane alle hindernisse;
wenn sy steruet, so sal det erue vallen an erer twiger frunt,
dy dy nest in dar to sint.“
Es würde hier keineswegs der Ort sein, einen vollständigen
Auszug oder ein einigermaßen genügendes Referat des ganzen
Manusecripts zu geben, da es doch erst einer chronistischen Vergleichung
mit den gesammten Stadtgeschichten bedürfen würde. Es
genügt daher, dem Zwecke unsers Unternehmens gemäß, hier wenigstens
darauf aufmerksam gemacht zu haben. .
Die Weltkunde im Mittelalter.
(Ein Beitrag zur Geschichte der Gelehrsamkeit in Sachsen.)
Da sich genau genommen die Weltkunde des Mittelalters
nicht weit über die bloße Sterndeuterei erhob und es außerdem
noch an allen wirklichen Hilfsmitteln und der eigentlichen
Ausbildung der Hilfswissenschaften für die Weltkunde mangelte;
so war es kein Wunder, daß selbst in den Pflanzschulen der Gelehrsamkeit,
den Stiftern und den Klöstern der Benedictiner und
Cisterzienser unsers Vaterlandes, bis zum äußersten Ende des
Mittelalters die Kenntnisse vom Weltsysteme fast unter Null standen.
In einigen Köpfen spukte noch die egyptische und griechische
Weltordnung von hörensagen, während das Ptolomäische
System nur wenigen dem Namen nach bekannt war, und
das Copernicanische System erst im Jabre 1551 durch
Erasmus Reinhold zu Wittenberg in Sachsen Eingang fand.
— Die Kenntnisse des Bischofs Dietmar selbst waren vom Weltsysteme
so dürftig als sein Wissen in der Physik überhaupt: denn
er kannte außer den beiden Polarsternen # weiter nichts vom
gestirnten Himmel und bei den ihm ungewohnten Erscheinungen
am Sternenhimmel kommt meist sogleich der Wunder= oder Aberglaube
in's Spiel. So hielt er die am Mittage sichtbaren
Sterne für seltsame Zeichen, Kometen für Unglücksboten;
Sternenschnuppen, Beisonnen und Beimonde sind ihm
gleichfalls Anzeichen, und er berichtet, daß im Jahre 992 man
1) Ausgabe von Ursinus S. 480.