Volltext : Sachsen-Chronik Erste Serie. (1)

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is  komen  mit  siner  eyliken  vrowen  hildegund  in  dy  gehegede  bang
vnd  het  gemakit  siner  vrowen  hildegund  dat  gut,  dat  in  huse  ond  in
hove  is,  cleyn  vnd  grod,  is  sy  wenich  oder  vele  ond  al  dat  slot  vnd
doren  besluten;  des  sal  sy  gebrucke  vnd  macht  hebben  to  geuende,
wem  sy  wil,  ane  alle  hindernisse,  nach  sime  tode.  Darna  hat  gemakit
Markerd  siner  vrowen  sin  erue  vnd  al,  det  to  dem  erue  hort:  dat
sal  sy  hebben  und  sal  des  gebruken,  dy  wile  sy  leuet,  ane  alle  hindernisse;
  wenn  sy  steruet,  so  sal  det  erue  vallen  an  erer  twiger  frunt,
dy  dy  nest  in  dar  to  sint.“

Es  würde  hier  keineswegs  der  Ort  sein,  einen  vollständigen
Auszug  oder  ein  einigermaßen  genügendes  Referat  des  ganzen
Manusecripts  zu  geben,  da  es  doch  erst  einer  chronistischen  Vergleichung
  mit  den  gesammten  Stadtgeschichten  bedürfen  würde.  Es
genügt  daher,  dem  Zwecke  unsers  Unternehmens  gemäß,  hier  wenigstens
  darauf  aufmerksam  gemacht  zu  haben.  .

Die  Weltkunde  im  Mittelalter.

(Ein  Beitrag  zur  Geschichte  der  Gelehrsamkeit  in  Sachsen.)

Da  sich  genau  genommen  die  Weltkunde  des  Mittelalters
nicht  weit  über  die  bloße  Sterndeuterei  erhob  und  es  außerdem
  noch  an  allen  wirklichen  Hilfsmitteln  und  der  eigentlichen
Ausbildung  der  Hilfswissenschaften  für  die  Weltkunde  mangelte;
so  war  es  kein  Wunder,  daß  selbst  in  den  Pflanzschulen  der  Gelehrsamkeit,
  den  Stiftern  und  den  Klöstern  der  Benedictiner  und
Cisterzienser  unsers  Vaterlandes,  bis  zum  äußersten  Ende  des
Mittelalters  die  Kenntnisse  vom  Weltsysteme  fast  unter  Null  standen.
  In  einigen  Köpfen  spukte  noch  die  egyptische  und  griechische
  Weltordnung  von  hörensagen,  während  das  Ptolomäische
  System  nur  wenigen  dem  Namen  nach  bekannt  war,  und
das  Copernicanische  System  erst  im  Jabre  1551  durch
Erasmus  Reinhold  zu  Wittenberg  in  Sachsen  Eingang  fand.
—  Die  Kenntnisse  des  Bischofs  Dietmar  selbst  waren  vom  Weltsysteme
  so  dürftig  als  sein  Wissen  in  der  Physik  überhaupt:  denn
er  kannte  außer  den  beiden  Polarsternen  #  weiter  nichts  vom
gestirnten  Himmel  und  bei  den  ihm  ungewohnten  Erscheinungen
am  Sternenhimmel  kommt  meist  sogleich  der  Wunder=  oder  Aberglaube
  in's  Spiel.  So  hielt  er  die  am  Mittage  sichtbaren
Sterne  für  seltsame  Zeichen,  Kometen  für  Unglücksboten;
Sternenschnuppen,  Beisonnen  und  Beimonde  sind  ihm
gleichfalls  Anzeichen,  und  er  berichtet,  daß  im  Jahre  992  man

1)  Ausgabe  von  Ursinus  S.  480.