Metadata : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

55  harnischen  —  harsch.

hast  mich  vorhin  auch  so  in  barnisch  gebracht  Kab.
1,  2;  hören  .  .  was  alle  beschäftigt  und  in  harnisch
bringt  Freytag  Handschr.  3,  40;  auch:  wie  betaure
ich,  dasz  ich  den  herrn  subrector  80  in  den  harnisch
  geschrieben  habe  Lessing  10,  233.  harnisch
hieß  früher  auch  ein  derbes  Kleiderzeug;  beim  Weber
herabhangende  Schnüre,  zur  Bildung  eines  Musters  im
Gewebe  dienend;  im  Bergwesen  eine  in  den  Gängen
sich  vorfindende,  glatte  oder  gefurchte,  wie  poliert  aussehende
  Gesteins=  oder  Erzflüäche  Veith  264.  —  harnischen,
  den  Harnisch  anlegen:  das  wir  uns  mit  der
schrift  sollen  harnischen  und  rusten  Luther  2,  328b;
gewöhnlich  im  Part.  ein  geharnischter,  mit  Rüstung
Angethaner:  zeucht  aus  den  geharnischten  entgegen
Hiob  39,  21;  ein  geharnischter  mann,  reiter,  knecht;
frei:  gegen  einen  eine  geharnischte  erklärung  erlassen;
geharnischte  sonctte  von  Rückert.

Harpüne,  s.  eiserner  Wurfspieß  mit  Pfeilhaken  zum
Fang  von  Seetieren,  wie  niederl.  harpoen,  engl.  harpoon,
  aus  den  romanischen  Spr.  übernommen,  franz.
harpon,  mit  ital.  arpione  Thürangel  verwandt;  harpuhn
Frisch;  bei  Goethe  als  Masc.:  mit  dem  harpun  geriroffen
  ital.  Reise  II.—  harpunieren,  die  Harpune  werfen.

Harren,  weilen,  warten;  erst  im  Mhd.  als  harren
erscheinend,  unsicherer  Ableitung;  in  älterer  Spr.  zunächst
  mit  der  Bed.  sich  wo  aufhalten,  verweilen:
manere,  Peleiben,  harren  Dief.  nov.  gloss.;  stolze  helde
junge  harreten  dannoch  bie  dem  her  livl.  Reimchr.
;  harret,  ich  wil  hören,  was  euch  der  herr  gebeut
4.  Mos.  9,  8;  harre  mir  noch  ein  wenig  Hiob  36,2;
in  einem  Zustande  dauern:  wo  wir  ..  harren,  bis  das
liecht  morgen  wird  2.  Kön.  7,  9;  der  Imperativ  als
Ausruf  der  Drohnng,  wie  unser  warte!:  harr,  morgen
wens  liecht  wird,  wöllen  wir  zu  erwurgen  Richt.  16,2;
harre  du  kerl!  du  solst  ehrlicher  leute  kinder  am
längsten  bei  der  nase  herum  gefuhret  haben  Caov.  im
Irrg.  412;  auch  —  zaudern:  harre  nicht  mit  besserung
deines  lebens  bis  in  den  tod  Sir.  18,  22;  tranf.  —
nachsehen  mit  einer  Schuldforderung:  knecht,  der  scinem
herrn  schuldig  war  zehen  tausent  pfund,  und  doch
seinem  gesellen  nicht  hundert  pfennig  barren  wolt
Luther  1,  283b;  —  übergegangen  in  die  Bed.  etwas
erwartend  weilen,  auf  etwas  warten:  da  harret  er  noch
ander  sieben  tage  1.  Mos.  8,  10;  so  harre  einer  des
andern  1.  Cor.  11,  33;  warauf  harret  jr  7  2.  Mace.  7,  30;
Ssieben  tage  soltu  harren,  bis  ich  zu  dir  komme  1.  Sam.
10,  8;  in  neuerer  gewählter  Spr.  häufig:  rückkehr,
welcher  die  götter  so  lange  schon  barrten  Klopstock
Mess.  2,  282;  als  er  vergebens  sein  harrte  Schiller
Räub.  2,  2;  harre  auch  du  in  geduld,  bis  gott  deiner
eltern  sinn  wendet  Immermann  Münchh.  4,  133;
die  guten  stchen  ernst  und  still,  und  harren,  was  da
werden  will  Uhland  73;  mit  verschiedener  Schillerung
des  Sinnes,  fürchtend  warten:  (sie)  harren  der  schlüg
und  der  schelten  Goethe  getr.  Eckart;  in  Zutranen
harren,  bestimmt  erwarten:  unser  gott,  auf  den  wir
harren  Jes.  25,  9;  harr  seiner,  meinc  seelc,  harr  und
sei  unverzagt  Gellert  2,  106;  mit  hoffen  formelhaft
verbunden:  ich  harre  des  herrn  ..  und  ich  hoffe  auf
sein  wort  Pf.  130,  5;  sprichwörtlich:  hoffen  und  harren
macht  manchen  zum  narren;  auch  —  unausbleiblich
sein:  des  frohen  zechers  harret  die  klaue  des  knochenmannes
  Hölty  87.

Harsch,  hart,  rauh;  zuerst  im  Nhd.  des  17.  Jh.
(Stieler),  aus  dem  Niederdeutschen  (mnd.  harsch  ranh
Schiller-Lübben)  übernommen,  mittelengl.  harsk
herbe,  streng;  ungewisser  Herkunft;  zunächst  von  der
Ninde  über  etwas  Weichem:  eine  wunde  bekommt  eine
harsche  rinde,  eine  brotrinde  ist  harsch  Adelung;
dic  wege  sind  durch  den  frost  harsch  geworden  Campe;
anch  harsche  haut,  lust  Stieler;  selbst  harsche
sitten  ebd.

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Harst,  m.  Haufe;  in  älterer  Spr.  Haufe  Busch=  oder
Pfahlwerks,  Reisig,  und  der  daraus  gefertigte  Rost,  auch
mmnd.  harst  (Schiller-Lübben),  vgl.  horst;  —  Haufe
von  Menschen  oder  Tieren,  Schwarm,  namentlich  Kriegshaufe,
  mit  den  Nebenformen  hars  und  harsch:  di  weil
het  sich  herczog  Fridreich  besamt  mit  eim  guten  hars
D.  Städtechr.  1,  39;  do  chom  der  harsch  von  Playpurn
fur  Bibrach  4,  50;  in  der  Schweizer  Spr.  länger  geblieben:
  ein  frye  harst  der  eidgnossen  Tschudy  2,  156d.
Dazu:  Harsthorn,  n.  Horn,  welches  einem  Harst  zur
Sammlung  und  zum  Kampfe  ruft:  worauf  es  mächtig
  erklang  gleich  einem  harsthorn  Keller  Werke
3,  104.

Hart,  einem  Druck  nicht  nachgebend,  fest  und  dicht;
gemeingerm.  Wort,  goth.  hardus,  altnord.  hardr,  altengl.
  heard,  fries.  herd,  altsächs.  hard,  ahd.  herti  mit
dem  Adv.  harto,  mhd.  herte  mit  harte,  mit  der  ursprünglichen
  Bed.  des  Scharfen  und  Schneidenden,  von
Waffen  gebraucht,  in  Urverwandtschaft  zu  altind.  kart
schneiden,  zerspalten.  Der  alten  oberdeutschen  Adjectivform
  herti,  herte,  die  sich  auch  in  nhð  Quellen  noch
hält:  fuerten  ein  streng  hert  guet  leben  Aventin
1,  304,  und  mundartlich  bis  heute  lebt,  steht  gegenüber
nieder=  und  mitteldeutsches  hart:  ein  harter  sturm  wart
erhaben  livl.  Reimchron.  6831,  das  im  16.  Jh.  auch  in
Oberdeutschland  Boden  gewonnen  hat,  um  so  mehr,
als  ihm  das  des  Umlauts  entbehrende  Adv.  harte,  hart
zur  Seite  steht:  kunig  Ludwig  (ist  gewesen)  bart  in
widerwertikait  Aventin  2,  229;  es  wird  dann  seit  dem
Anfang  des  17.  Jh.  allgemein  verwendet.  Ein  Schwanken
der  Adjectiv=  und  Adverbialform,  der  Art,  daß  das  umgelautete
  Adj.  als  Adv.  dient,  ist  auf  Oberdeutschland  beschränkt
  geblieben:  vast  und  hert  schlaken  Maaler.  Die
Steigerungsformen  des  Adj.  haben  stets  Umlaut  (härter,
härtest),  die  des  Adverbs  in  der  älteren  oberdeutschen
Spr.  auch  nicht:  Superl.  hartest  Ruland  Handl.  Buch
217,  28.  Bed.  1)  hart  von  Dingen;  vom  Schwerte:
ein  hertez  swert  im  ofte  an  siner  hant  erklanc  Nib.
1913;  mit  seim  harten,  groszen  und  starken  schwert
Jes.  27,  1;  von  Metall  und  Stein:  harter  fels,  stahl,
hartes  eisen;  lies  dir  wasser  aus  dem  harten  felsen
gehen  5.  Mos.  8,  15;  in  harten  stahl  geschnallt  Uhland
  307;  schlacken  harter  lava  Freiligrath  1,  5;
hartes  geld,  Metallgeld:  hier  hab  ich  .  harte  thaler
liegen  Gellert  Fab.  3,  31;  von  andern  Gegenständen,
Gegensatz  zu  weich:  sich  auf  die  harte  erde  legen:
auf  einen  harten  klotz  gehört  ein  harter  keil  Pistorius
10,  3;  dasz  die  weichen  und  harten  hölzer  gleich  hoch
verzollt  wurden  Bismarck  Reden  10,  175;  harte  knoehen,
  schale;  bildlich  eine  harte  nusz  knacken,  von
schweren  Rätseln  und  mühsamen  Entschlüssen;  waden.
grosz  und  hart  wie  stein  Lessing  1,  115;  die  wege
sind  vom  frost  hart  geworden,  u.  a.;  auch  von  Dingen,
die  nur  einen  mindern  Grad  von  Weichheit  haben,  als
ihnen  eigentlich  zukommt:  ein  hartes  kissen;  eier  hart
sieden;  der  braten  war  hart  und  kaum  zu  genieszen;
alles  brot  das  sie  mit  sich  namen,  war  hart  und  schimlicht
  Jos.  9,  5;  in  gewerklicher  Spr.  häufig:  dartes
metall,  spröde  Mischung  von  Kupfer  und  Messing;
hartes  blei,  zinn,  härter  als  das  gewöhnliche,  harte
Weintrauben,  nicht  weichschälig,  ebenso  hartes  korn,  getreide,
  von  Weizen,  Roggen,  Gerste  im  Gegensatz  zu
Hafer  gesagt;  hartes  wasser,  das  Kalkteile  enthält,
u.  s.  w.;  —  unsinnlicher,  übertragen:  harte  luft,  rauhe,
herbe;  dor  harte  gang,  trab  eines  Pferdes;  harter  puls
eines  kranken;  in  der  Sprachlehre  harte  consonanten:
in  der  Musik  harte  tonleiter,  Dur-Tonleiter;  namentlich
  von  dem  was  den  Widerstand  künstlerischer  Empfindung
  herausfordert,  sich  ihr  nicht  anschmiegt:  barte
gesichtszüge,  einc  harte  aussprache,  harte  linien,  harte
farbengebung,  reime,  versec,  töne;  mit  harten  bleistiftstrichen
  Goethe  DuW.  11.  2)  hart  von  Personen,

Harst  —  hart.