Die Getreuen von Doorn. 131
und seinem Volke dies größte Opfer zu bringen, da schämen
sich dieselben Leute nicht, ihm nachzurufen: Du hast deinen
Fahneneid gebrochen, du bist geflohen!
Wahrlich, wenn er sich wie der alternde Friedrich der Große
voll bitterer Menschenverachtung von seinem Volke innerlich
abgewandt hätte, es wäre bein Wunder. Aber er hat das
nicht getan. Er ist euch Deutschen treu geblieben. Er wird
euch treu bleiben bis zum Tod. Und dies Heldentum der
Treue ist ihm möglich geworden, weil er den stahlbeschlagenen
Stab des Gottvertrauens auch im tiefsten und finstersten
Tal nicht fortgeworfen, sondern fest in seinen Händen be-
halten hat.
So habe ich den Kaiser gefunden, ungebeugt, ungebrochen,
groß, ehrfurchtgebietend. Und habe ich ihn schon früher in
den Tagen seines Glanzes geliebt und verehrt, heute tue ich es
noch hundertmal mehr und neige mich vor seiner Seelengröße.
Daran dachte ich, als ich von Doorn zurückfuhr. Und als
ich dann die holländische Grenze überschritten hatte und das
deutsche Land wiedersah, das, seit es den rechten Steuermann
auf dem Reichsschiff verloren hat, in der grausamen Brandung
der Weltgeschichte von einem Felsenriff zum andern ge-
schleudert wird, ein Spielball der um die Macht hadernden
Reichstagsparteien, ein Spielball der lachenden feindlichen
Mächte, da ging durch meine Seele das Gebet, das wir einst
so oft an Königs Geburtstag gesungen haben:
Sammle um den Thron die Treuen,
Die mit Rat und frommem Flehn
Fest #n deiner Streiter Reihen
Für des Landes Wohlfahrt stehen.