Full text : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

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grüchte  bringen,  wie  jie!  Müßtet  ihr  euch  nicht  fonjt  vor  Diefen
Baumchen  fchämen?”"  —

Die  Knaben  fahen  den  Vater  mit  glänzenden  Bliefen  an  und  fagten:
„Gewiß,  wir  wollen  Div  Freude  machen,  mie  fie!“

„Wohlen,“  ermieberte  der  Vater,  „jo  fei  e8;  werbet  mit  jedem
Sabre  weiler  und  befjer!”

$.  3.  AS  der  Winter  verftrichen  war,  drückte  der  Water  Die  Finder
an  fein  Herz  und  reifte  in  Handelögefchäften  nach  fremden  Ländern.

Der  jchöne  und  fruchttreibende  Sommer  fam  mwieber,  aber  der  Vater
war  noch  nicht  ha,  und  bie  Kinder  gingen,  von  ihm  fprechend,  an  Der
Hand  Der  Mutter  im  Garten  pazieren.  Sie  ftanden  endlich  vor  einem
Spaliere,  an  welches  Der  Vater  viel  herrliche  Bäumehen  gepflanzt  Hatte,
die  jekt  ihre  eriten  Früchte  trugen.

$.  4.  MS  fie  noch  flanden  und  fich  Des  jchönen  Anblieö  freuten,
fam  ein  Bote  und  brachte  ein  verfiegelte8  Schreiben.  Haftig  griff  bie
Mutter  damah  und  rief  erfreut:  „Kinder,  e8  ift  Die  Hand  des  Vaters;
hört,  was  er  jchreibt!

Und  der  Vater  Hatte  geichrieben,  Daß  er  noch  gefund  fei,  auch
bald  fommen  werde  und  wünfche,  alle  feine  Lieben  gejund  wieder  zu  Jehen.
Endlich  befahl  er  den  Kindern  artig  zu  fein,  und  befonbers  die  Früchte
der  Baumchen,  vor  Denen  fie  zufällig  gerade  ftanben,  unberührt  zu
lajfen,  Damit  er  |päter  jehen  fonne,  von  welcher  Art  fie  fein  möchten.  Die
Knaben  verjprachen  der  Mutter,  dem  Gebote  ded  Vaters  Folge  zu  Leiften.

S.  5.  Da  fam  aber  einft  der  Sohn  des  Nachbars,  ein  böfer  Bube,
und  beredete  Wilhelm  alfo,  daß  fie  in  den  Garten  gingen  und  voll
Naichbegier  die  Baumchen  allgumal  ihrer  noch  nicht  völlig  gereiften
Früchte  beraubten.  Aber  ald  die  That  geichehen  war,  da  Jah  Wilhelm
erit  ein,  wie  jehr  er  gejfündigt,  weinte  und  wünjchte  fte  nicht  vollbracht
zu  haben.  —  Der  Sommer  ging  zu  Ende,  und  der  Vater  fehrte  wieder.
Die  ganze  Familie  freute  fih;  Wilhelm  aber  ging  ihm  jchüchtern  entgegen
  und  fchlug  das  Auge  zu  Boden,  Denn  feine  Sünde  Iajtete  auf
ihm.  Cr  fonnte  dem  Water  nicht  froh  ind  Angeficht  jehen.

$.  6.  Und  als  der  Heimgefehrte  am  andern  Tage  auspadte  ımd
jegligem  feiner  Rinder  ein  mitgebrachtes  Gefchent  gab,  da  jauchzten
alle,  nur  Wilhelm  jah  vor  fich  nieder  und  meinte;  alle  waren  fröhlicher,
  al8  er.  Der  Vater  aber  fragte:  Wilhelm,  warum  weinejt  du?
Und  Der  Knabe  antwortete:  Ach,  mein  Vater,  ich  bin  deiner  Xiebe  nicht
wertb,  ich  bin  ungehorjfam  gegen  dein  Gebot  gewejen;  denn  fiche,  ich

‚habe  doch  Deinen  Baumchen  die  Früchte  geraubt!  Deine  Reue  verjähnt
mid,  jagte  der  Vater  und  hob  den  Sohn  and  Herz;  ich  verzeihe  bir,
aber  folge  mir  in  den  Garten!

$.  7.  Und  er  führte  den  Knaben  zu  jenen  Bäumchen,  welche  er
an  den  Geburtötagen  feiner  Kinder  gepflanzt  hatte.  Siehe,  da  war
das  eime  größer  geworben,  hatte  einen  ftärfern  Stamm,  denn  das  an
dere,  und  hing  wieder  voll  fchöner  Früchte.  (Das  andere  aber,  Das
Wilhelm  gehörte,  war  Hein  geblieben,  verwachfen  und  ftard  Fahl  und