406 Ucbersicht der Ereignisse des Jahres 1361.
Preußen. Truppen in Holstein einrückten, ausgesprochenermaßen nicht um die
Herzogthümer von Dänemark loszureißen, sondern um sie im Gegentheil
Dänemark zu erhalten, fand es in Holstein natürlicher Weise
wenig Zuneigung und noch we niger Vertrauen und selbst in Schleswig
konnte es nicht verhindern, daß eine Stadt nach der andern
den Herzog Friedrich als ihren legitimen Landesherrn ausrief und
ihm theilweise durch massenhafte Deputationen huldigte. Die Stimmung
änderte sich nach und nach gegenüber den Truppen in Folge ihrer Siege
über die Dänen, aber das Mißtrauen blieb und mit vollem Recht gegenüber
der preuß. Regierung und ihrer Ziele bezüglich des zukünftigen Verhältnisses
der Herzogthümer zu Dänemark. Erst als die beiden deutschen
Großmächte auf der Londoner Conferenz die völlige Lostrennung derselben
von Dänemark und ihre selbständige Constituirung unter dem Herzog
Friedrich von Augustenburg beantragten, als Dänemark nicht lange
darnach, aus den Herzogthümern und dem jütischen Festlande überhaupt
gänzlich verdrängt, um Frieden bat und in den Wiener Präliminarien
sich bereit erklärte, auf alle seine Ansprüche an die Herzogthümer
definitiv zu verzichten, verlor dieses Mißtrauen den Boden.
Aber schon war an seine Stelle ein anderes nicht minder gegründetes
getreten, Preußen wolle diese Lande für sich erwerben, während
sie selbst überzeugt waren, daß Herzog Friedrich ihr legitimer Landesherr
sei, dessen Erbrechte sie ihre Befreiung von der dänischen Herrschaft
verdankten und dem sie ebendarum freiwillig als solchem gehuldigt
hatten. Schon in den ersten Monaten des Jahres 1864 tauchten
derartige Gerüchte auf, wurden widersprochen und verschwanden, jedoch
nur um alsbald von neuem wieder aufzutauchen. Preußen war
damals noch nicht in der Lage, feste Pläne nach dieser Richtung zu
bilden: nach der von ihm selbst in Verbindung mit Oesterreich
verkündeten Politik, nach seinen den übrigen Unterzeichnern des
Londoner Vertrags wiederholt gegebenen Zusicherungen war Preußen
gebunden und mußte auf alle derartigen Pläne verzichten, sobald
Dänemark klug genug war, die ihm dargebotene Hand zu ergreifen.
Erst als die Londoner Conferenz zur Gewißheit brachte, daß die
Dänen in ihrer Verstocktheit und in trügerischer Hoffnung auf fremde
Hülfe Alles an Alles setzten, um Dänemark bis zur Eider oder
wenigstens bis zur Linie des Danewerk und der Schlei zu behalten
und lieber auf die Herzogthümer gänzlich verzichteten, als ein Schles-