zum Geschichtskalender 1865. 11
der Discussion erklärt Bismarck, daß die Regierung bez. der Herzogthümer
jetzt noch die Personalunion den Februarbedingungen vorziehe.
[„Sie hätten früher gegen die Personalunion sprechen können und Sie
können es noch bei Schleswig-Holstein, aber Sie schweigen. Wir wissen
nicht, was Sie über die Herzogthümer denken. Im Drang der Verhältnisse
kann man den Landtag nicht einberufen. Hätte der große
Kurfürst stets die Meinung der Stände eingeholt, was wäre aus
der Provinz geworden, nach welcher die Monarchie genannt ist?“]
6. Febr. (Preußen). Die gesammte Regierungspresse spricht sich aufs
heftigste gegen die österreichische Politik in Holstein aus. Die Kreuzzeitung
bringt in einem Artikel „Oesterreich im Bunde mit dem
36er Ausschusse“, in dem als unumstößlich bewiesen hingestellt wird,
daß „die Agitationen der augustenburgischen Demagogie in Holstein
gegen Preußen von Oesterreich nicht allein bloß geduldet, sondern
begünstigt, gefördert werden“, einen förmlichen Fehdebrief gegen
Oesterreich, der dahin schließt:
„ ... Wir constatiren: 1) daß Oesterreich sich im Bunde mit den augustenburgischen-revolutionären
Agitatoren gegen Preußen befindet; 2) daß es die Entwickelung
des Preußenhasses in Holstein fördert und 3) daß Oesterreich Händel sucht. Nachdem
diese schleswig-holsteinische Angelegenheit nun schon seit 1848 von den
Feinden Preußens zum großen Nachtheile unseres Vaterlandes vielfach ausgebeutet
worden ist - wir erinnern an die Blokaden unserer Küsten;
an die Differenzen mit fremden Cabinetten; an die zwangsweise erfolgte
Unterwerfung der Herzogthümer unter Dänemark durch Oesterreich und die
Bregenzer Coalition, zu deren Verhinderung Preußen damals nur die Wahl
eines europäischen Krieges ohne Nutzen für den eigenen Staat hatte, - nachdem
diese schleswig-holsteinische Angelegenheit, sagen wir, endlich auf die Bahn
einer Lösung, welche den Interessen Preußens und Deutschlands entspricht,
gebracht ist, was erwartet da Jeder, der es ehrlich mit Preußen meint? Wir
erwarten, daß Preußen nicht dulden wird, daß es von Oesterreich
durch einen Bund mit der Revolution um seine wohlerworbenen
Rechte gebracht werdel!“
- 〃 (Holstein). Der österr. Statthalter v. Gablenz lehnt das Begehren
des Berliner Kammergerichts um Auslieferung des Redacteur
May ab und weist dasselbe an das Altonaer Magistratsgericht.
7. 〃 (Oesterreich) weist in einer Dep. des Grafen Mensdorff an
Preußen die in der preuß. Depesche v. 26. Jan. formulirte förmliche
Anklage der österr. Politik in Holstein entschieden zurück unter
der Andeutung, daß es, selbst auf die Gefahr eines Bruches der
Allianz mit Preußen, bei derselben zu verharren entschlossen sei:
„Durch meine verschiedenen Mittheilungen, sowie durch die unlängst zu
Wien mit mir gepflogenen Unterredungen, kennen Ew. etc. vollständig die Ansichten,
welche der kais. Hof in Bezug auf die Gasteiner Convention und die
aus derselben hervorgegangene Sachlage festhält.
„Der provisorischen Eigenschaft dieses Uebereinkommens eingedenk, werden
wir sicher nicht vergessen, daß zu Gastein weder ein Successionsstreit entschieden,
noch der österreichischen Monarchie eine Provinz einverleibt, noch uns das
Recht eingeräumt worden ist, über die politische Zukunft des Herzogthums
Holstein einseitig und ohne Zustimmung Preußens zu verfügen. Ein solches
Recht steht uns so wenig zu, wie Preußen ein Recht zu einseitiger Verfügung