Full text : Europäischer Geschichtskalender. Ergänzungsheft zum Europäischen Geschichtskalender für 1865. (6a)

zum  Geschichtskalender  1865.  17

nicht  speculire,  allein  von  und  für  Jedermann  die  Achtung  des  Rechts  fordere.
  „Seien  Sie  versichert,  Niemand  in  Europa  wird  unschlüssig  bleiben,
sowie  man  unzweideutig  weiß,  nach  welcher  Seite  sich  Frankreich  neigt“.  Nach
dem  Antrage  von  Thiers  wird  der  §  an  die  Commission  zurückgewiesen,  ein
Vorgang,  der  bisher  noch  nie  vorgekommen  war.  In  der  Sitzung  vom
3.  März  theilt  der  Präsident  die  Fassung  des  von  der  Commission  umgearbeiteten
  Amendements  mit.  Dieselbe  lautet:  „Wir  ertheilen  der  von  Ew.
Maj.  in  Bezug  auf  Deutschland  befolgten  Politik  unsere  Zustimmung.  Diese
Neutralitätspolitik,  welche  Frankreich  nicht  gleichgiltig  gegen  die  Ereignisse
läßt,  ist  unsern  Interessen  entsprechend“.  J.  Favre  u.  A.  schlagen  folgende
Fassung  vor:  „Angesichts  der  Ereignisse,  welche  Deutschland  aufregen,  werden
wir  glücklich  sein,  zu  sehen,  daß  die  Regierung  auf  der  in  ihren  Depeschen
ausgedrückten  Politik  verharrt“.  Staatsminister  Nouher  erklärt,  daß  die
Regierung  den  Commissionsvorschlag,  der  gleichzeitig  die  bisher  von  ihr  befolgte
  Politik  billige  und  ihr  für  die  Zukunft  freie  Hand  lasse,  vollständig
annehme.  Das  Amendement  von  J.  Favre  wird  mit  218  gegen  21,  ein  anderes
  von  Morin,  das  die  Befragung  der  schleswig-holsteinischen  Bevölkerung
verlangt,  mit  215  gegen  30  Stimmen  verworfen,  und  die  Fassung  der  Commission
  mit  238  gegen  14  Stimmen  angenommen.

2.  März.  (Preußen).  Antwort  Bismarcks  auf  die  Annexions-Adresse  der
XIX  holsteinischen  Feudalen  v.  23.  Januar:

„...  Ich  habe  schon  früher  Gelegenheit  gehabt,  mich  öffentlich  darüber
auszusprechen,  daß  unter  den  verschiedenen  Formen,  in  welchen  die  Rechte
Preußens  und  die  Interessen  Deutschlands  in  den  Herzogthümern  gewahrt
werden  können,  die  Vereinigung  mit  der  preußischen  Monarchie  die  für  Schleswig-Holstein
  selbst  vortheilhafteste  sei.  Das  Ansehen,  dessen  die  Namen  der
Herren  Unterzeichner  in  Ihrer  Heimath  genießen,  gibt  der  Thatsache,  daß  Sie
mit  mir  diese  Ueberzeugung  theilen,  ein  erhöhtes  Gewicht  und  ermuthigt  die
königl.  Regierung  zu  neuen  Bestrebungen,  die  Zustimmung  Oesterreichs  zu
dieser  Lösung  der  schwebenden  Frage  zu  gewinnen  und  so  die  preußischen  von
der  königl.  Regierung  unter  allen  Umständen  festzuhaltenden  Ansprüche
unter  Bedingungen  zu  befriedigen,  welche  gleichzeitig  die  Wiederherstellung
einheitlicher  Verwaltung  der  Herzogthümer  herbeiführen  und  ihre  Wohlfahrt
ebenso  wie  ihre  Sicherheit  verbürgen  würden“  

6.  〃  (Preußen).  Eine  angebliche  Depesche  Preußens  verlangt  von
Oesterreich  die  Auslieferung  des  holsteinischen  Redacteurs  May  in
Altona.  Oesterreich  lehnt  die  Zumuthung,  die  Angelegenheit  auf
diplomatischem  Wege  zum  Austrag  zu  bringen,  ab  und  beharrt  dabei,
  daß  die  Discussion  als  eine  rein  juridische  zwischen  den  Gerichten
  von  Berlin  und  Altona  abzumachen  sei.

6-26.  〃  (Holstein).    Berathung  des  Budgets  für  1866/67  durch

die  Commission  von  Notabeln.

7-43.  〃  (Oesterreich).  Sitzungen  des  Marschallsraths  unter  dem
Vorsitze  des  Kaisers.  Einberufen  sind  zu  demselben:  die  Commandanten
  aller  4  Armeen  und  sämmtlicher  12  Armeecorps,  mit  wenigen
  durch  persönliche  Verhältnisse  begründeten  Ausnahmen,  die  Adjutanten
  und  Generalstabschefs  dieser  Armeen  und  Armeecorps,  endlich
  einige  in  Wien  befindliche  militärische  Notabilitäten,  wie  der
alte  Feldmarschall  Heß  und  mehrere  Officiere  des  großen  Generalstabs.


8.  〃  (Holstein).  Das  österr.  Cabinet  anerkennt  in  Antwort  auf

Ergänzungsheft  zum  Geschichtskalender  1865.  2