Full text : Europäischer Geschichtskalender. Ergänzungsheft zum Europäischen Geschichtskalender für 1865. (6a)

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Ergänzungsheft

desten  willkührlichen  Verfahrungsweise  geziehen  werden  kann.  Ich  brauche
nach  dem  Gesagten  übrigens  kaum  noch  hervorzuheben,  daß  ich  nunmehr  in
noch  erhöhterem  Maße  zu  der  vertrauensvollen  Erwartung  berechtigt  bin,
man  werde  sich  allseitig  der  nothwendigen  Consequenzen,  welche  sich  an  diese
Entscheidung  knüpfen,  klar  bewußt  und  daher  bestrebt  sein,  das  eigene  Verfahren
  danach  einzurichten.."

28.  Febr.  (Preußen).  Abhaltung  eines  Ministerconseils,  zu  dem  auch  der

preuß.  Botschafter  in  Paris,  Graf  v.  d.  Goltz,  der  Gouverneur  von
Schleswig,  Gen.  v.  Manteuffel,  der  Chef  des  Generalstabs,  v.  Moltke,
der  Chef  des  Militärcabinets,  Oberst  Treskow  und  der  Generaladjutant
  v.  Alvensleben  zugezogen  werden  (vgl.  22.  Mai).

-   〃  (Schleswig).  XXI  Mitglieder  der  schleswig'schen  Ständeversammlung
  treten  den  Eingaben  von  49  Abgeordneten  und  Stellvertretern
  des  Herzogthums  Holstein  vom  29.  Dec.  1863  und  31
holst.  Landesvertretern  vom  16.  Sepkember  1865  an  den  deutschen
Bund  durch  öffentliche  Erklärung  bei  und  fügen  derselben  folgende
weitere  Erklärungen  bei:

„1)  Die  Herzogthümer  Schleswig-Holstein  sind  in  ihrer  untrennbaren
Vereinigung  ein  selbstständiger  Staat.  2)  Nach  der  Erklärung  Preußens,
Oesterreichs  und  des  deutschen  Bundes  (London,  den  28.  Mai  1864),  dem
Wahrspruch  der  juristischen  Facultäten  Deutschlands  und  dem  alten  Landesrechte
  ist  Herzog  Friedrich  zur  Thronfolge  in  Schleswig-Holstein  berufen.
3)  Oesterreich  und  Preußen  haben  den  Krieg  gegen  Dänemark  begonnen  im
Interesse  Deutschlands  und  zum  Schutze  der  Rechte  Schleswig-Holsteins.  Sie
sind  nicht  befugt,  Schleswig-Holstein  als  ein  erobertes  und  seiner  verfassungsmäßigen
  Rechte  beraubtes  Land  zu  behandeln.  4)  Ein  Anschluß  Schleswig-Holsteins
  an  Preußen  im  Sinne  einer  Einigung  Deutschlands  und  in  rechtsbeständiger
  Weise,  d.  h.  durch  Vereinbarung  der  beiderseitigen  Landesherren
und  mit  Zustimmung  der  beiderseitigen  Landesvertretungen  liegt  im  eigenen
Interesse  des  Landes“.  

1.  März.  (Italien).  Die  Blätter  melden,  daß  die  Armee  und  die

Militäradministration  mit  diesem  Tage  ganz  auf  den  Friedensfuß
gestellt  seien.

2-3.  〃  (Frankreich).  Gesetzgeb.  Körper:  Adreßdebatte,  deutsche

Frage,  Amendementsantrag  der  Opposition  (s.  19.  Febr.).

„Rede  J.  Favre's:  gegen  Preußen,  für  Unterstützung  der  Mittelstaaten,
und  darum  „gegen  dieses  Gespenst  des  linken  Rheinufers,  das  man  immer
als  ein  Hinderniß  zwischen  Deutschland  und  Frankreich  hinstellt".  Rede  Ollivier's:
  „Es  ist  durchaus  kein  Widerspruch,  die  Befreiung  der  Herzogthümer
  zu  billigen  und  deren  Confiscation  durch  Preußen  zu  tadeln".  Wie
im  Jahre  1815  müsse  Frankreich  der  wachsame  energische  Vertheidiger  der
deutschen  Mittelstaaten  sein.  „Darum  soll  sich  Frankreich  gegenwärtig  der
Gasteiner  Convention  nicht  widersetzen,  aber  erklären,  daß  es  an  dem  Tage,
an  welchem  das  Provisorium  in  ein  Definitivum  übergehen  will,  gestützt  auf
das  Circular  v.  31.  Januar  1864  einschreiten  wird.  Dann  soll  es  seiner
hundertjährigen  Politik,  seiner  Rechte  und  Interessen  eingedenk  sein  und  alle
Mittel  aufbieten,  um  zu  verhindern,  daß  die  provisorische  Ungerechtigkeit  von
Gastein  zum  Vortheil  des  Hrn.  v.  Bismarck  eine  definitive  werde“.  Rede
Thiers':  Die  Kammer  möge  erklären,  daß  Frankreich  in  Beziehung  auf
seine  Politik  nicht  unschlüssig  sei,  daß  es  auf  die  Spaltungen  in  Deutschland