Deutschland. 63
16. Mai. (Nassau). Ausschußsitzung der Ständeversammlung: Anfragen
an die Regierung bezüglich der angeordneten Mobilmachung der
Truppen und der Mittel dazu.
17. „ (Oesterreich). Der Stadtrath von Prag beschließt einstimmig
(Deutsche und Czechen) in einer dem Kaiser durch eine Deputation
zu überreichenden Adresse neben sehnsüchtigen Wünschen für den
Frieden auch die muthvollste Opferwilligkeit für den Fall des zur
Erhaltung des Rechts und der Ehre Oesterreichs unvermeidlichen
Kriegs auszusprechen.
„ „ (Nassau.) Der Landtag wird plötzlich bis zum 4. Juni vertagt,
wodurch jede Opposition gegen die angeordnete Kriegsbereitschaft
vorerst unmöglich gemacht wird.
18 „ (Oesterreich). Veröffentlichung des vom 12. d. M. datirten
ersten Tagsbefehls Benedeks als Oberbefehlshaber der Nordarmee.
S. denselben im Ergänzungsheft S. 76.
„ „ (Oesterreich). Zur Sicherung Wiens gegen mögliche Wechselfälle
des Kriegs sind bei Floresdorf 20,000 Arbeiter mit der Errichtung
von Erdforts und eines befestigten Brückenkopfes beschäftigt.
19. „ (Bundestag). Die auf der Bamberger Conferenz vertretenen
9 Staaten — Sachsen ausgenommen — stellen am Bunde den
gemeinsamen Antrag auf gleichzeitige Abrüstung sämmtlicher Bundesglieder
und zwar an einem von der Bundesversammlung zu vereinbarenden
Tage. Mißtrauenserklärung Oesterreichs gegen Hannover.
S. den Wortlaut Ergänzungsheft S. 77.
„ „ (Preußen). Antwort des Königs auf die kriegerische Breslauer
Adresse. Die Friedensadressen dagegen werden nicht beantwortet.
S. Ergänzungsheft S. 76.
„ „ (Preußen). Der Stadtrath von Köln beschließt eine Friedensadresse
an den König zu richten.
20. „ Versammlung des Abgeordnetentages in Frankfurt. Es nehmen
daran Theil aus: Frankfurt 36, Baden 35, Nassau 34, Kurhessen
34, Schleswig-Holstein 29, Darmstadt 26, Preußen 18, Bayern 13,
Thüringen 4, Mecklenburg 4, Hannover 3, Bremen z, Oldenburg
2, Württemberg 2, Sachsen 2, Lippe-Detmold 1, Homburg 1. Die
Gesammtzahl beträgt sonach 235.
Der Antrag des Ausschusses „verdammt den drohenden Krieg als einen
nur dynastischen Zwecken dienenden Cabinetskrieg"“" und fordert „die Staaten
der südwestdeutschen Gruppe auf, ihre Kraft ungeschwächt zu erkhalten, um
gegebenen Falls für die Integrität des deutschen Gebiets einzustehen“". Ein
Gegenantrag von Passavant-Müller aus Frankfurt ferdert „die gesammte
deutsche Nation zu aktivem Widerstande mit den äußersten Mitteln gerechter
Nothwehr und zu Unterstützung der Regierungen auf, wofern die jetzige
preuhische Regierung der selbständigen Constituirung der Herzogthümer sich
widersetze und statt des Rechts ihren Eigenwillen mit Gewalt durchsenen wolle“.
Erregte Debatte: Referat des Abg. Völk aus Bayern, Rede des
Abg. Schulze-Delitzsch und des Abg. Frese aus Preußen (gegen die
Haltung der Majorität des preuß. Abg.-Hauses in der schleswig-