Volltext : Europäischer Geschichtskalender. Siebzehnter Jahrgang. 1876. (17)

236  Die  Oeberreithisch·  Angarishe  Menarthit.  (Febr.  13  -14.)

statten,  es  dem  Gewissen  det  Einzelnen  Überlassend,  sich  mit  dem  kirchlichem
Verbote  abzufinden.  Umgekehrt  wird  von  Frhrn.  v.  Handel  beantragt,  das

Ehehinderniß  der  höheren  Weihen  und  des  Ordensgelübdes  in  gleicher  Weise
für  Katholiken  fortbestehen,  dasselbe  aber  erlöschen  zu  lassen,  sobalb  der  betreffende
  Geistliche  zu  einer  andern  Confession  übertritt.  Der  vom  staatlichen
  Gesichtspunkte  aus  principiell  offenbar  allein  richtige  Antrag  der  Minorität
  des  Ausschusses  wird  mit  90  gegen  81  Stimmen  verworfen  und  der
Antrag  der  Majorität  desselben  angenommen.  Die  Minister  verhalten  sich
passiv  und  stimmen  gegen  das  Geseßz.

13.  Februar.  (Oesterreich:  Tyrol.)  Die  clericale  Agitation
gegen  die  DurchfÜhrung  des  Protestanten-Patents  hat  die  ihren  Urhebern
  kaum  erwünschte  Wirkung  erzielt,  die  Constituirung  der  zwei
protestantischen  Gemeinden  zu  beschleunigen.

Die  nordtyrolische  Gemeinde  constituirte  sich  Ede  Januars  nach  den
Vorschriften  der  Ministerialverordnung  vom  9.  April  1861,  wählte  die
größere  Gemeindevertretung,  die  sodann  die  Wahl  des  Kirchenvorstandes.  vorgenommen
  und  Einleitung  zur  Besetzung  der  Pfarrerstelle  getroffen.  Da
ein  Kirchen  baufonds  mangelt,  so  rechnet  man  auf  die  Liebesgaben  in=  und
ausländischer  Glaubensgenossen.  Die  Constituirung  der  Meraner  Gemeinde
wird  jetzt  gleichfalls  vollgogen:  sie  hat  bereits  einen  Pfarrer  zuet,  besitzt
auch  einen,  allerdings  nicht  ganz  hinreichenden,  Baufonds  2,  #oe  ß  wegen
Ankaufs  eines  Bauplatzes  verhandelt  werden  kann.  Die  Ws  Golpor,
tiren  nunmehr  zwei  Adressen  für  Erhaltung  der  Glaubenseinheit,  eine  a
den  Kaiser,  die  andere  an  den  Landtag  r*-  und  veranstalten  insois
Vereinsversammlungen,  nehmen  jedoch  gem  Bedauern  wahr,  daß
Vereinswesen  durch  den  zwischen  der  rurchzher  Reichspartei  und  der  bg
vanelli'schen  Nechtspartei  herrschenden  Hader  in  Verfall  gerathen  ist,  und
das  früher  vom  Ketzerhasse  durchglühte  Landvolk  in  Folge  des  gesteigerten
Fremdenverkehrs  und  der  damit  verbundenen  materiellen  Vortheile  sich  vom
modernen  Indifferentismus  „angekränkelk“  zeigt.

13.  Februar.  (Oesterreich.)  Wieder  wird  ein  deutscher
Journalist,  Kilian,  „aus  Rücksichten  der  öffentlichen  Ordnung  und
Sicherheit“  aus  Oesterreich  ausgewiesen.

14.  Februar.  (Oesterreich.)  Abg.-Haus:  Die  drei  verfassungstreuen
  Clubs  beschließen  durch  Delegirte,  eine  Reihe  bestimmt
formulirter  Grundsätze  aufzustellen,  nach  welchen  die  Vereinigung
der  Verfassungspartei  zum  Zwecke  gemeinsamer  Behandlung  aller
Verfassungsfragen  erfolgen  soll.

Der  erste  Grundsatz  spricht  aus,  daß  alle  diejenigen  Fragen,  die  sich
auf  die  Verfassung  beziehen,  aus  der  Berathung  der  Elubs  fortan  ausgeschieden
  und  der  gemeinsamen  Berathung  der  ganzen  Derfassungsperted,  unter.
  nhogen  werden  sollen.  Zunächst  und  momentan  hließen  die  Clubs  dieses
Uebereinkommen  für  jene  Fragen,  die  mit  dem  ungarischen  Ausgleiche  im
Zusammenhange  stehen.  31  indenden  Beschlüssen  in  den  gemeinsamen
Versammlungen,  Meeen  welche  dann  kein  Mitglied  der  Verfeffung  vartei
ni  immen  darsen  ie  Anwesenheit  der  Hälfte  der  Mitglieder  und  Zwerdrittelpaerttet
  der  dse  der  Anwesenden  erforderlich.  Gleichzeitig  wird  beofsen,

  die  Vereinigung  der  Ruthenen  als  einen  Club  zu  betrachten  und