Full text : Europäischer Geschichtskalender. Einundzwanzigster Jahrgang. 1880. (21)

84  Das  denische  Reich  und  seine  einzelnen  Glieder.  (März  10.)

verfassung  führen,  wie  zu  erwarten  stand,  zu  keinem  Resultat:  die
feudale  Mehrheit  der  Commission  lehnt  jedes  Eingehen  auf  Verhandlungen
  einfach  ab.

10.  März.  (Baden.)  II.  Kammer:  Berathung  des  Etats
des  katholischen  Cultus,  Dotation  des  Erzbisthums  Freiburg:  Kiefer
(nat.-lib.)  beantragt  ein  Mißtrauensvotum  gegen  den  Präsidenten
des  Ministeriums  des  Innern,  v.  Stößer.  Dasselbe  wird  schließlich
mit  28  (nat.-lib.)  gegen  19  (ultram.,  conserv.  und  democr.)  Stimmen
  und  7  Enthaltungen  angenommen.

ie  Commission  Helt  nämlich  den  Antrag:  die  Dotation  des  erzanienh
  VZisches  mit  32,618  /¾  für  jedes  der  beiden  Budgetjahre  1880
1881  nicht  zu  bewilligen,  die  Regierung  aber  zu  ermächtigen,  wenn  im
zane  der  —  eine  vorschriftsgemäße  Besehng  des  erzbischöflichen
Stuhles  erfolgen  sollte,  vom  Tage  des  Amtsantrittes  des  neugewählten  Erzbischofs
  an  diesen  die  dotationsmäßigen  Bezüge  auszubezahlen.  Hierzu  stellt
der  Abg.  Kiefer  den  Antrag:  „Die  zweite  Kammer  —  im  Hinblick  auf
die  bei  der  Behandlung  des  Gesetzentwurfs  über  die  wisseuschaftliche  Vorbildung
  der  Geistlichen  gemachten  Wahrnehmungen  —.  erklärt  als  ihre  Erwartung
  zu  Protokoll:  daß  etwa  stattfindende  Verhandlungen  über  die
Wiederbesehung  des  erbischöflichen  Stuhles  vom  großherzoglichen  Staatsministerium
  geführt  werden.“  Diesen  Antrag  begründet  der  Abg.  Kiefer
mit  dem  Nachweis,  daß  im  Volke  und  innerhalb  der  Kammermehrheit  der
BVerdacht  vorliege,  es  befinde  sich  in  der  großherzoglichen  Regierung  ein
Element  (Ministerialpräsident  v.  Stößer),  welches  ch  genöthigt  sehen  könnte,
seine  Anlehnung  bei  anderen  Parteien  zu  suchen,  als  bei  der  #  lehrheit.  Dieser
Verdacht  sei  hervorgerufen  worden  durch  die  Andentungen  über  eine  eventuelle
  Kammerauflösang,  die  Maßregelung  der  Presse  und  andere  Vorgänge.
Allerwärts  sei  in  dieser  Beziehung  das  tieiste  Gefühl  der  Sorge  erweckt.
Dagegen  widme  die  Mehrheit  dem  Manne  an  der  Spihe  der  Regierung  fortnescht
  ihr  volles  Vertrauen.  Wenn  nun  eine  neue  Episode  der  Verhandungen
  eröffuet  werden  sollte,  so  sei  die  Kammer  verpflichtet,  zu  erklären,
daß  sie  ähnlichen  Anwandlungen  der  Schwäche,  wie  sie  die  Verhandlungen
über  das  Examengesehz  zu  Tage  förderten,  nicht  wieder  begegnen  möchte.  Daher
  die  Erklärung  zu  Protokoll,  welche  sich  nicht  nur  auf  den  Abschluß  der
Terhanolungen  beziehe,  sondern  diese  seien  von  Anfang  an  in  die  Hände
des  Staatsministers  zu  legen.  Ministerialpräsident  v.  Stößer  macht  darauf
aufmerksam,  daß  er  die  Verhandlungen  unter  stetem  Beirath  und  in  jeder
Phase  mit  Zustimmung  seiner  Collegen  geführt  habe;  er  habe  zur  richtigen
Zeit  Fühlung  mit  den  Führern  des  Hauses  gesucht  und  nichts  gethan,  was
Besorgnisse  für  die  Zukunft  rechifertigen  könne.  Es  liege  absolut  keine
Thatsache  vor,  welche  die  Annahme  rechtfertige,  als  solle  sich  etwas  in  der
Leitung  der  Geschäfte  des  Landes  ändern.  Wenn  der  Antrag  Kiefer  augenommen
  werde,  so  werde  der  Redner  die  für  ihn  persönlich  nothwendig
scheinenden  Schritte  thun  und  die  Auslegung,  die  der  Vorredner  dem  Antrage
  gegeben,  sür,  sich  acceptiren.  Staatsminister  Turban  bedauertk  die
Spannung,  die  sich  nach  den  Weihnachtsferien  zwischen  der  Kammer  und
der  Regierung  ergeben.  Diese  und  die  8  und  Weise  der  Geschäftsbehandlung
  hätten  höchst  nachtheilige  Folgen  auf  die  Erreichung  des  Allen  gemeinsamen
  Zieles.  Auch  von  Regierungsseiten  feien  tief  beklagenswerthe  Fehler
Heschehen,  aber  diese  seien  hervorgegangen  aus  dem  Gefühl,  daß  constitutionelle