Das deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. (Novbr. 28.) 151
Ordens zu gründen, und dieselben in die deutschen Schutzgebiete in Afrika
zu entsenden.
Auf Grund der angestellten Ermittelungen hat der Reichskanzler in
einem Schreiben vom 26. Oktober den deutschen Botschafter in Paris angewiesen,
die Patres auf ihre Anträge abschlägig zu bescheiden; in der Instruktion
heißt es: „Als Jesuiten und als Franzosen werden sie den Befehlen
ihres von Paris aus geleiteten Ordens gehorchen, und ihre deutschfreundlichen
Protestationen ermangeln der Glaubwürdigkeit. Wir werden
vielmehr darauf gefaßt sein müssen, daß sie, wenn sie Einfluß daselbst gewinnen,
diesen im anti-deutschen Interesse benutzen werden. Ich bin der
Ansicht, daß die Förderung des Missionswesens in den überseeischen Besitzungen
des Reichs denjenigen Missionsgesellschaften zu überlassen sein wird,
welche einen deutschen Charakter tragen, und von denen nicht zu befürchten
ist, daß sie den Einfluß, welchen sie auf die Eingeborenen gewinnen könnten,
unter Umständen gegen uns verwerten würden. Der Frieden des deutschen
Reichs ist leider noch immer durch die Stimmung von Franzosen aller Parteien
mehr bedroht als von jedem anderen Lande.“
Der Reichskanzler fügt hinzu: „Wir haben das Glück gehabt, mit der
französischen Regierung jederzeit in Frieden und gutem Einvernehmen zu
leben. Wir können nicht dasselbe sagen von den französischen Parteien, und
Vorkommnisse, wie sie bei Gelegenheit der aufregenden Vorgänge in Spanien
und einiger anderen stattgehabt haben, wo die öffentliche Meinung, unbewacht,
ungezügelt und unbeeinflußt von der Weisheit der Regierung, ihren
ersten Ausbruch fand, haben zu unserem Bedauern gezeigt, daß in allen
Parteien die leitenden Organe die Feindschaft gegen Deutschland, die Möglichkeit,
daß der Augenblick einst kommen könne, an Deutschland Rache zu
nehmen, und den Willen, dieses zu thun, als die beste Grundlage ihrer Bewerbung
um die öffentliche Gunst bei den Wahlen und in der öffentlichen
Meinung ansehen. (Hört! hört! rechts.) Diese Erscheinung, kann ich nicht
leugnen, hat mir einen Eindruck gemacht. Niemand kann dafür die französische
Regierung verantwortlich machen; denn, wie gesagt, alle Regierungen,
mit denen wir seit 1870 zu thun gehabt haben, haben gleich uns die Überzeugung
gehabt, daß es beiden Nationen nützlich und ersprießlich ist, den
Frieden zu erhalten, und haben ehrlich das Ihrige gethan, um diese Überzeugung
zu verwirklichen. Aber nach dem Gewicht der öffentlichen Stimmung
in Frankreich, nach der lebendigen Eindrucksfähigkeit der Nation können wir
nicht mit der jedesmaligen Regierung allein rechnen, wir müssen mit der
Empfindlichkeit der Saiten, der Korden rechnen, die in der Bevölkerung Anklang
finden, und die derjenige, der die Bevölkerung für sich gewinnen will,
wie wir sehen, in allen Parteien mit Vorliebe anschlägt.
Es ist deshalb zu meinem Bedauern für die Fälle, die möglich sind,
von denen ich nicht hoffe, daß sie eintreten, eine Vorsicht in der Organisation
unserer exponierten kolonialen Stellungen mehr als wo anders notwendig.
Deshalb schließt diese Instruktion auch: Sollten unsere angestrengten Bemühungen,
ihn — also den Frieden. — zu erhalten, einmal in Zukunft erfolglos
bleiben, so ist kaum zu erwarten, daß die Emissäre der Pariser
Congrégation du Saint-Esprit und ihre Klienten in Afrika auf der Seite
Deutschlands stehen würden.“
Bezüglich der Beteiligung eines Kommissars des Auswärtigen Amtes.
an der Missionskonferenz in Bremen erklärt der Reichskanzler, daß der Kommissar
nur zur Information entsendet sei; wenn derselbe erklärt habe, daß
bei der Frage der Zulassung evangelischer und katholischer Missionen das
Prinzip der Priorität entscheiden solle so habe derselbe diese Erklärung
nicht im Namen der Regierungen abgegeben; er (der Reichskanzler) habe sich