Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dritter Jahrgang. 1887. (28)

Die  Gesterreichisch-Angarische  Monarchie.  (Novbr.  Mitte—20.)  259

Anerkennung  des  hohen  Wertes  des  Bündnisses  mit  Italien  für  die
Friedenserhaltung  den  warmen  Wunsch  aus,  daß  dem  Payste  eine
würdige  Heimstätte  und  eine  unabhängige  Stellung  verschafft  werde,
was  für  Italien  selbst  vorteilhaft  wäre.

Mitte  November.  (Galizien:  Polnische  Rettungsbank.)
In  sämtlichen  galizischen  Bezirken  werden  bereits  von  den  Hilfskomitees
  Geldsammlungen  für  die  zur  Erhaltung  des  polnischen
Großgrundbesitzes  in  Posen  und  Westpreußen  gegründete  nationale
Bank  veranstaltet.  An  der  Rettungsaktion  beteiligen  sich  in  nichtoffizieller
  Weise  auch  die  meisten  galizischen  Stadtvertretungen.

16.  November.  (Galizien:  Vereinsauflösung.)  Der  Verein
  zur  Unterstützung  der  Teilnehmer  an  dem  letzten  Polenaufstande
in  Lemberg  wird  infolge  eines  vom  Vorstande  veröffentlichten  Aufrufs
  an  die  Waffengenossen  des  Jahres  1863  wegen  Ueberschreitung
seines  statutarisch  bestimmten  Wirkungskreises  durch  den  Statthalter
aufgelöst.

16.  bzw.  17.  November.  (Krankheit  des  deutschen  Kronprinzen.)
  In  der  ungarischen  wie  in  der  österreichischen  Delegation
drücken  die  beiden  Präsidenten  Ludwig  Tisza  und  Graf  Revertera
vor  Eintritt  in  die  Tagesordnung  die  tiefe  Teilnahme  der  Versammlungen
  an  der  Krankheit  des  deutschen  Kronprinzen  aus.

20.  November.  (Ungarn:  Katholikenkundgebung.)  Im
Pesther  Rathause  findet  unter  dem  Vorsitze  des  Grafen  Stephan
Karolyi  und  des  Domherrn  Steiner  eine  zahlreich  besuchte
Katholiken-Versammlung  statt.

Darin  kommt  eine  Adresse  an  den  Papst,  welche  dieser  aus  der  Hand
des  Kardinals-Primas  Simor  am  30.  November  entgegenzunehmen  zugesagt
  hat,  zur  Besprechung.  Für  dieselbe  sind  auf  5000  Bogen  1½  Millionen
Unterschriften  gesammelt,  an  Peters-Pfennigen  280,000  Franken  zusammengebracht,
  dazu  kommen  noch  86,000  Unterschriften  und  61,000  Franken,  die
ein  Damenkomitee  gesammelt  hat.  Die  Hauptstelle  der  Adresse  lautet:

„Was  dein  Vorgänger  glorreichen  Andenkens  gesagt,  was  scharffinnige
Geister  vorhersahen,  das  haben  während  weniger  Jahre  die  Ereignisse  bewahrheitet.
  Es  war  beabsichtigt,  daß  nur  du  unterdrückt,  nur  du  verfolgt
werdest,  aber  der  Papst  kann  nie  allein  leiden;  wenn  er  leidet,  kann  auch
die  Welt  nicht  in  Frieden,  nicht  in  Ruhe  verbleiben.  Wie  Viele  gibt  es,  die
von  den  verführerischen  Worten  betäubt,  unter  der  Last  der  Unterdrückung
ächzen,  sich  krümmen  und  im  Todeskampfe  röcheln?  Wir  wissen  es:  das  war
beabsichtigt,  daß  nur  du  von  der  Erde  vertilgt  werdest  und  nicht  einmal
dein  Name  unter  den  Lebenden  genannt  werde,  auf  daß,  nachdem  der  Hirt
niedergeschlagen,  die  Herde  der  Gläubigen  sich  von  selbst  auflöse  oder,  während
  der  Hirt  gefangengehalten  wird,  die  große  Menge  der  Gläubigen  einig
8  bewahren  unmöglich  werde.  Und  fiehe  da,  das  Werk  Gottes,  die  gläubige

elt,  die  Jesus  Christus  nicht  nur  im  Kämmerchen  des  Herzens,  son-17“