484 Kminien. (Mai 11.—Oktober Anf.)
11. Mai. Der Herausgeber der oppositionellen „Lupta“ Panu
wird durch die Geschworenen wegen Majestätsbeleidigung, be-
gangen durch Verherrlichung einiger oppositioneller auf der Straße
in Jassy bei Gelegenheit des Königsbesuches in Szene gesetzter Skandale,
zu zwei Jahren Kerker und 5000 Franken Geldstrafe verurteilt und
das Urteil durch das Kassationsgericht bestätigt.
Mitte Mai. Die Generalratswahlen fallen fast aus-
nahmslos zu Gunsten der Regierung aus.
In Galatz fallen bei der Stichwahl ernsthafte Ruhestörungen
vor, bei denen ein Wähler durch Revolverschüsse tötlich verwun-
det wird.
5. Juni. In Bukarest wird der neue Handelsvertrag
mit Deutschland ratifiziert; derselbe tritt am 11. Juni in Kraft.
25. Juni. (Abwehr gegen russische Hetzereien.) Der
Brüfseler „Nord“ hatte in einem „die Lage in Rumänien“ über-
schriebenen Artikel auf einige bei einer Reise des Königs nach Jassy
vorgefallene Ausschreitungen und auf die Galatzer Wahlexzesse hin-
gewiesen und die Lage in Rumänien sehr beunruhigend genannt.
Zwar sei König Karl mit Bratianu durch persönliche Dankesrück-
sichten für die Schaffung der königlichen Krondomänen verknüpft, trotzdem
werde man aber, wenn das despotische Regiment noch einige Zeit andauere,
einer heillosen Katastrophe entgegengehen.
Das offiziöse Blatt des Ministeriums „Etoile Roumaine"
beantwortet diese Darstellungen mit einer scharfen Entgegnung.
Es erklärt, daß es Lügen und Verleumdungen, welche ihm als Enun-
ziationen der hiefigen Oppositions-Presse vollständig gleichgiltig geblieben
wären, nicht stillschweigend hinnehmen könne, wenn sie von einem Blatte
ausgehen, dessen Beziehungen zur Petersburger Regierung allgemein bekannt
find. Die erste Pflicht eines offiziösen Blattes sei Wahrheit und Objektivität.
Da die Beziehungen zwischen Rußland und Rumänien nichts zu wünschen
übrig ließen und die Fusücche Regierung über Mittel und Wege genug ver-
süge um sich über den wahren Stand der Verhältnisse Rumäniens zu in-
ormieren, so sei nicht anzunehmen, daß die russische Regierung von den
Insulten ihres offiziösen Organs gegen die Regierung und den König Ru-
mäniens Kenntnis gehabt habe. Doch sei es umsomehr Pflicht der rumäni-
schen Presse, gegen die Verdächtigungen und Beschimpfungen des „Nord“ zu
protestieren, als es selbst zur Zeit, da infolge des Berliner Vertrages die
Beziehungen zwischen Rußland und Rumänien keineswegs die besten gewesen
seien, keinem rumänischen Blatte eingefallen sei, den russischen Kaiser zu
insultieren.
Anfang Oktober. In Brukarest finden mehrere Versammlungen
des Zentralkomitees der vereinigten Opposition statt, doch
scheitert der Versuch, die oppositionellen Gruppen zu einer Partei zu
verschmelzen.