126 Nas Beutsche Reich und seine einzelnen Elieder. (September 14.)
Aufgabe noch gewachsen bleiben? Will es wirklich lenken von den Wegen,
die Kaiser Wilhelm ihm vorgezeichnet? Will es sich unwürdig erweisen
der großen Thaten des Kaisers Friedrich: Und als die Entscheidungsstunde
nahte und unser Volk von neuem auf den richtigen Weg gewiesen werden
mußte, waren es Eure königliche Hoheit zuerst, die mit inhaltsreichen goldenen
Worten jene Saite anschlugen, die bei unserem Volk immer durchschlägt.
Die militärische Ader wurde geweckt, und von Gau zu Gau über
die badischen Lande hinaus unter den Kriegern, die mit Kaiser Wilhelm
und Kaiser Friedrich gefochten, deren Brust Ehrenzeichen aus vergangenen
Feldzügen bedecken, lebte der neue Gedanke auf, und unser Volk fand sich
wieder. Ich danke Euer königlichen Hoheit für diese Unterstützung, und
gleich Ihnen danke Ich Meinen Bettern im Deutschen Reich. Jeder Fürst
hat das Seinige gethan, uns seinen Mann wieder heranzuführen und neu
zu scharen um das Panier des Reichs. Dank ihnen allen steht neu gerüstet
als schirmende Wehr das deutsche Volk, wie einst jener alte Götterheld
Heimdal, wachend über den Frieden der Erde, am Thor des Tempels des
Friedens nicht nur Europas, sondern der ganzen Welt. Möge es unserem
deutschen Volke vergönnt sein, daß es dieser hohen Kulturmission, dieser
Aufgabe, die ihm von Gott gestellt und von Meinem Großvater vorgezeichnet
ist, nie untren werde! Mögen in Zeiten der Prüfung und des
Zweifels stets solche Fürsten ihm beschieden sein, wie Eure königliche Hohet
und Meine Vettern! Dann wird es von Uns und von dem Deutschen ¾
ebenso heißen, wie dereinst von Meinem seligen Urgroßvater und Großvater:
Sie haben mich gedrängt von Jugend auf, aber sie haben mich nicht
übermocht! Und nun erhebe Ich Mein Glas und trinke auf das Wohl
Eurer königlichen Hoheit, Eurer königlichen Hoheit Haus und Badens schwertbewährte
Söhne, alt und jung, sie leben hoch."“
14. September. Der Kaiser begibt sich nach Stuttgart, um
den Manövern in Württemberg beizuwohnen. Die Kaiserin und
der Kronprinz von Italien befinden sich ebenfalls dort. Bei
der Paradetafel bringt, König Wilhelm II. folgenden Trinkspruch
aus:
„Ew. kaiserliche Majestät wollen gestatten, wenn ich das Wort ergreife,
um Sie und Ihre Majestät die Kaiserin herzlich willkommen zu
heißen von seiten meines Hauses, meines Landes und Volkes und in erster
Linie meines Armeekorps, dem der heutige Tag gilt. Zweimal war es
meinem Armeekorps vergönnt, vor den Augen seines damaligen obersten
Kriegsherrn, des unvergeßlichen verehrten Kaisers Wilhelm I., Proben seiner
militärischen Ausbildung abzulegen und anerkennende Worte zu finden.
Am heutigen Tage war es ihm vergönnt, Ew. Majestät die Probe abzulegen,
daß wir nicht gerastet, daß wir weiter auf dem gewonnenen Boden
gearbeitet haben. Auch aus dem Munde Ew. Majestät Worte der Anerkennung
und Zufriedenheit zu vernehmen, war ein hoher Stolz, ein Glück
für uns, dessen uns allezeit würdig zu zeigen, wir bestrebt sein werden.
Aber nicht allein das Armeekorps, nein! das ganze Volk jubelt Euren
Mojestäten entgegen, wie Sie aus den strahlenden Blicken und den jauchzenden
Zurufen entnehmen konnten. Sie erblicken alle in Ew. Majestät
en Träger der deutschen Kaiserkrone, den Hort des Friedens, und in Ihrer
Majestät der Kaiserin das leuchtende Vorbild der deutschen Frau, und so
haben sie Eure Majestäten begrüßt und willkommen geheißen und oft und
zu aller Zeit herzlich begrüßt. Diesen Gefühlen gebe ich Ausdruck, indem
ich Sie auffordere, mit mir einzustimmen in den Ruf: Se. Majestät der