Contents : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

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Viele  Bergleute  haben  schon  durch  dieses  Gas,  welches  sie  Schwaden
  oder  schlagende  Wetter  nennen,  ihr  Leben  eingebüsst.
Doch  wissen  sie  sich  jetzt  durch  eine  Sicherheitslampe  vor  demselben
  zu  schützen.

9.  Die  Gasbeleuchtung.

Es  gab  eine  Zeit,  wo  es  Nachts  auf  den  Strassen  der  Städte
stockinster  war.  Niemand  bekümmerte  sich  darum,  ob  man  den
Ilals  brach  oder  ob  Ross  und  Mann  in  den  ungepflasterten,  bodenlosen
  Wegen  stecken  blieben.  Da  ward  Licht;  die  Strassenlaternen
mit  Öllampen  kamen  auf  und  wurden  mit  Jubel  begrüsst.  Jahrhunderte
  lang  war  man  zufrieden  mit  ihrem  trüben  Lichte  hinter
den  schwarz  beräucherten  Scheiben,  und  als  man  vollends  blitzende
Metallblenden  hinter  der  Flamme  anbrachte,  da  waren  die  öligen
Lampenputzer  in  mondlosen  Nächten  der  civilisirten  Welt  beste
Freunde  und  geschworene  Fcinde  aller  Diebe  und  andern  liederlichen
Gesindels.

Die  armen  Öllampen,  wie  verachtet  sind  sie  doch  jetzt!  In  die
kleinen  Städte,  in  die  Vorstädte  der  grösseren  haben  sie  sich  zurückziehen
  müssen!  Und  vor  wem?  Vor  der  schwarzen,  russigen
Steinkohle  und  ihrem  reinen,  weissen  Lichte,  das  die  Nacht  in
Tag  verwandelt!  Nicmand  freut  sich  mehr,  als  der  Lampenputzer.
Längst  hat  er  sein  fettiges  Röcklein  ausgezogen  und  die  Scheere
die  den  Docht  puizt,  in  den  Winkel  geworfen.  Er  dreht  den  Hahn
in  der  eisernen  Röhre  auf,  hält  das  Licht  an  dieselbe,  und  husch  —
brennt  die  weisse  helle  Flamme,  —  ein  Licht  ohne  Öl  und  Talg,
ohne  Wachs  und  Docht,  die  kein  Wind  verlöscht,  —  eine  Gasflamme,
eine  Leuchte  von  brennender  Luft,  von  Kohlenwasserstofgas!  —
Was  doch  Alles  in  einer  schwarzen,  russigen  Steinkohle,  diesem  aus
Pflanzen  und  Bäumen  der  Urwelt  zusammengebackenen  Stoffe,  stecken
kann,  und  —  was  der  Mensch  nicht  alles  erfindet!

Da  ist  eine  der  vielen  Gasbeleuchtungsanstalten,  wie  sie  bei  grossen
Städten  gar  häufig  sich  finden.”  Tritt  näher;  aber  halte  die  Nase
zu;  denn  das  Gas  stinkt  gewaltig.  Hier  sind  rohe  Steinkohlen;  sie
werden  in  ein  von  allen  Seiten  zu  verschliessendes  eisernes  Behältniss
  gebracht,  in  das  nur  eine  eiserne  Röhre  hineingeht,  worauf  man
ausserhalb  ein  recht  gehöriges  Feuer  rings  um  das  ciserne  Behältniss
anbrennt.  Sobald  die  Kohlen  in  dem  glühenden  Eisenkasten  zu
elüben  anfangen,  entwickelt  sich  aus  ihnen  das  Leuchtgas  (brennbare
  Luft),  welches  sogleich  in  der  angebrachten  eisernen  Röhre  in
die  Höhe  steigt.  Da  dasselbe  aber  noch  eine  grosse  Menge  dicker,
schmutziger  Bestandtheile  bei  sich  hat,  wird  es  in  den  Röhren  durch
ein  grosses,  mit  kaltem  Wasser  angefülltes  Fass  hindurchgetrieben.
Sobald  es  kalt  wird,  setzt  es  dort  den  bekannten  Steinkohlentheer
ab,  der  durch  eine  andere  Röhre  abflicsst.  Es  ist  das  der  schwarze,
zur  Sommerszeit  stark  riechende  Theer,  mit  welchem  man  häufig