Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Erster Teil. (58a)

Denisqe-s  Rei.  (Februar  13.)  109

Reichssteuer  betragen;  das  Jahreserträgnis  ist  auf  80000  bis  100000  M.
veranschlagt.  In  einer  weiteren  Vorlage  ersucht  die  Regierung  um  die
Ermächtigung,  den  Gemeinden  die  staatlichen  Zuschüsse  zu  den  Kriegsbeihilfen
  und  zur  Kriegswohlfahrtspflege  auch  im  Jahre  1917  fortzuzahlen.

13.  Febr.  Dänemark,  Schweden  und  Norwegen  beantworten
die  deutsche  Note  vom  31.  Jaon.  (S.  Dänemark.)

13.  Febr.  Chile  beantwortet  die  deutsche  Note  vom  31.  Jan.

Der  chilenische  Gesandte  Miguel  Cruchaga  überreicht  im  Auswärtigen
  Amt  eine  Note  vom  12.  Febr.,  in  der  es  nach  Wiederholung  der
wichtigsten  Punkte  der  deutschen  Note  vom  31.  Jan.  heißt:  Zufolge  soeben
erhaltenen  telegraphischen  Weisungen  erlaube  ich  mir,  Ew.  Exz.  mitzuteilen,
daß  derartige  Maßnahmen  nach  Ansicht  der  chilenischen  Regierung  eine
Beschränkung  der  Rechte  der  Neutralen  darstellen,  die  Chile  nicht  zugestehen
kann,  da  sie  im  Widerspruche  stehen  mit  alten  Grundsätzen,  die
allgemein  zugunsten  der  außerhalb  der  internationalen  Konflikte  stehenden
Länder  anerkannt  sind.  Die  Annahme  der  angekündigten  Maßnahmen
würde  außerdem  Chile  von  der  Linie  strenger  Neutralität  entfernen,  welcher
es  unveränderlich  während  des  augenblicklichen  Weltbrandes  gefolgt  ist.
Dementsprechend  behält  Chile  sich  weitere  Schritte  vor,  um  all  seinen
Rechten  Geltung  zu  verschaffen,  sobald  eine  feindselige  Handlung  gegen
eines  seiner  Schiffe  ausgeführt  werden  sollte.

Das  „WTB.“  bemerkt  dazu  halbamtlich:  In  Deutschland  hatte  man
im  Hinblick  auf  die  Festigkeit  und  Unabhängigkeit,  die  stets  ein  Merkzeichen
der  internationalen  Politik  Chiles  waren,  begründeten  Anlaß,  von  diesem
Lande  die  in  seiner  Note  zum  Ausdruck  gebrachte  Haltung  unbeirrter
Neutralität  zu  erwarten,  die  am  besten  den  seit  altersher  zwischen  den
beiden  Ländern  bestehenden  friedlichen  Beziehungen  entspricht.

13.  Febr.  Ueber  einen  angeblichen  Verständigungsvbersuch
Deutschlands  mit  den  Vereinigten  Staaten  wird  durch
-W:TB.“  amtlich  mitgeteilt:

In  der  neutralen  Presse  wird  eine  Reutermeldung  verbreitet,  wonach
Deutschland  die  Schweiz  ersucht  haben  soll,  der  amerikanischen  Regierung
mitzuteilen,  wir  seien  nach  wie  vor  bereit,  mit  den  Vereinigten  Staaten
über  die  mit  dem  U.Bootkrieg  zusammenhängende  Sperrgebieterklärung  zu
unterhandeln,  sofern  die  Handelssperre  gegen  England  dadurch  nicht  berührt
  werde.  Die  Regierung  der  Ver.  Staaten  habe  dem  schweiz.  Gesandten
Ritter  daraufhin  mitteilen  lassen,  daß  sie  nicht  in  Unterhandlungen  eintreten
  könne,  ehe  Deutschland  sein  nach  der  „Sussex“-Angelegenheit  gegebenes
  Versprechen  wieder  in  Kraft  gesetzt  und  seine  Ankündigung  über
die  Verschärfung  des  Tauchbootkrieges  zurückgezogen  habe.

Dieser  Meldung  liegt  folgender  Sachverhalt  zugrunde:  Der  deutschen
  Regierung  war  durch  die  Schweiz  ein  Telegramm  des  schweiz.  Gesandten
  in  Washington  übermittelt  worden,  in  dem  der  Gesandte  sich  erbot,
falls  Deutschland  einverstanden  sei,  Verhandlungen  mit  der  amerikanischen
Regierung  über  die  Sperrgebieterklärung  zu  vermitteln,  weil  dadurch  die
Gefahr  eines  Krieges  zwischen  Deutschland  und  Amerika  verhindert  werden
könne.  Die  schweiz.  Regierung  ist  daraufhin  gebeten  worden,  ihren  Gesandten
  in  Washington  dahin  zu  verständigen,  daß  Deutschland  nach  wie
vor  zu  Verhandlungen  mit  Amerika  bereit  sei,  falls  die  Handelssperre
gegen  unsere  Feinde,  also  nicht  nur  gegen  England,  dadurch  unberührt
bliebe.  Wie  sich  von  selbst  versteht,  hätte  sich  Deutschland  auf  derartige