Inhaltsverzeichnis : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Erster Teil. (58a)

Beuisches  Reich.  (März  29.)  371

abgebrochen.  Der  chinesische  Gesandte  hat  seine  Pässe  verlangt.  Unsere
Beziehungen  zu  China  sind  stets  der  freundschaftlichsten  Natur  gewesen,
und  wenn  diese  Beziehungen  jetzt  ein  Ende  gefunden  haben,  so  brauche
ich  Ihnen  nicht  zu  sagen,  daß  hier  nicht  ein  freier  Entschluß  der  chinesischen
Regierung  vorliegt  (Sehr  richtig!),  sondern  daß  sie  unter  dem  Druck  unserer
Gegner  gehandelt  hat.  Auch  dürften  finanzielle  Schwierigkeiten  dabei  eine
Rolle  gespielt  haben,  deren  China  während  des  Krieges  nicht  Herr  zu
werden  vermochte.  Für  unsere  Gegner  handelt  es  sich  darum,  unseren
Handel  auch  in  China  zu  zerstören  und  sich  das  mühelos  anzueignen,  was
deutsche  Tüchtigkeit  und  deutscher  Fleiß  in  Jahrzehnten  dort  errichtet  hat.
Der  Kriegsausgang  wird,  wie  ich  bestimmt  hoffe,  uns  die  Möglichkeit
bieten,  das  Zerstörte,  und  zwar  auf  Kosten  unserer  Feinde  neu  aufzubauen.
(Lebh.  Beifall.)  Dann  werden  auch  unsere  freundschaftlichen  Beziehungen
zu  China  wieder  aufleben,  und  ich  möchte  nur  der  Hoffnung  Ausdruck
geben,  daß  China  die  nötige  Widerstandskraft  gegen  die  Habgier  und  den

igennutz  seiner  jetzigen  Beschützer  bis  dahin  bewahren  möge.  (Beifall.)

M.  H.,  unseren  Heeresberichten  über  die  militärische  Lage  habe
ich  wenig  hinzuzufügen.  An  unserer  Ostfront  kommen  größere  Operationen
zurzeit  nicht  in  Frage.  Schon  die  Jahreszeit  und  die  grundlosen  Wege
würden  eine  größere  Offensive  verbieten.  An  der  Westfront  verlaufen  die
ausweichenden  Bewegungen  planmäßig  und  führen  zu  einer  täglich  wachsenden
Operationsfreiheit.  Das  ganze  Volk  wird  dafür  unseren  Truppen  und  der
genialen  Führung  des  Feldmarschalls  Hindenburg  und  des  Generals  Ludendorff
  seinen  Dank  wissen.  (Lebh.  Beifall.)  Alle  anderen  Fronten  halten
mit  unverminderter  Zähigkeit.  Beweis  dafür  liefert  die  mazedonische  Front,
wo  bulgarische  und  deutsche  Truppen  sich  in  der  Abwehr  französischer
Angriffe  größten  Stiles  in  glänzender  Form  gezeigt  haben.  (Lebh.  Beifall.)
Ueber  den  U..Bootkrieg  hat  der  Herr  Staatssekretär  des  Reichsmarineamtes,
soviel  ich  unterrichtet  bin,  heute  morgen  im  Hauptausschuß  eingehende
Ausführungen  gemacht  (s.  S.  375  f.).  Ich  will  meinerseits  nur  hinzufügen,
daß  der  U-Bootkrieg  sich  im  März  ebenso  günstig  entwickelt  hat  wie  im
Februar.  (Lebh.  Beifall.)

M.  H.,  alle  Herren  Vorredner  haben  den  größten  Teil  ihrer  Ausführungen
  den  Fragen  der  inneren  Politik  gewidmet.  Ich  werde  nicht
das  gleiche  tun.  Ich  bin  diesen  Ausführungen  über  die  innere  Politik  mit
voller  Aufmerksamkeit  gefolgt.  Enthielten  sie  doch  manchen  wertvollen  und
ernsten  Gedanken.  Und  doch,  m.  H.,  während  ich  aufmerksam  zugehört
habe,  ist  mir  immer  und  immer  wieder  vor  die  Seele  getreten,  daß  unsere
Krieger  draußen  in  den  Schützengräben  liegen,  daß  unsere  Unterseeboote
täglich  mit  Todesgefahr  durch  die  See  fahren,  daß  unsere  Bevölkerung
daheim  manche  Entbehrungen,  manche  Not,  manche  Leiden  zu  erdulden
hat,  daß  die  Feinde  uns  von  allen  Seiten  berennen,  und  der  Gedanke  ist
mir  immer  und  immer  wieder  lebendig  geworden:  wofür  soll  ich  arbeiten?
Doch  einzig  und  allein  dafür,  daß  der  Krieg  glücklich  zu  Ende  geht.  M.
H.,  ich  habe  mich  über  die  Fragen  der  inneren  Politik,  ich  habe  mich
über  den  Geist,  in  dem  ich  diesen  Fragen  in  Gegenwart  und  in  Zukunft
gegenübertreten  will,  offen  und  ausführlich  ausgesprochen.  Ich  will  weder
wiederholen,  was  ich  gesagt  habe,  noch  es  paraphrasieren.  M.  H.,  zu  Anfang
  des  Krieges  sind  wir  ja  ausnahmslos  der  Ansicht  gewesen,  daß  diejenigen
  Fragen  der  inneren  Politik,  die  eine  Folge  dieses  Kriegserlebens
sein  müssen,  für  die  Friedenszeit  aufzuschieben  seien.  Wir  waren  der  Ansicht,
  dieser  Krieg  würde  nicht  so  lange  Zeit  von  den  Völkern  ertragen
werden  können.  Nun  ist  er  unendlich  in  die  Länge  gewachsen,  und  so  haben
sich  auch  bei  den  einzelnen  Parteien  und  auch  bei  der  Regierung  die

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