Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Erster Teil. (58a)

Beutsches  Neich.  (April  22.)  435

Geb.  13.  Sept.  1844,  1894  in  den  Generalstab  der  Armee  berufen
und  Oberquartiermeister,  1895  Direktor  des  Allgemeinen  Kriegsdepartements
im  Kriegsministerium,  1897  Kommandeur  der  2.  Gardeinfanteriediv.,  1899
Komm.  General  des  XIII.  (Kgl.  Württemb.)  Armeekorps,  1902  zur  Disposition
gestellt,  bei  Kriegsbeginn  Führer  einer  Armeegruppe  im  Elsaß  (24.  Dez.  1914
Generaloberst),  dann  Oberbefehlshaber  der  Küstengebiete,  später  Oberbefehlshaber
  von  Armeen,  zuletzt  als  Nachfolger  des  Kronprinzen  von  Bayern
bei  der  Sechsten.

Kaiser  Wilhelm  richtet  an  den  Generalgouverneur  folgendes  Telegramm:
  Ich  habe  Sie  heute  zum  Generalgouverneur  in  Belgien  ernannt.
Gerne  hätte  Ich  Sie  an  der  Spitze  der  6.  Armee  belassen,  um  Ihre  anerkannte
  Befähigung  als  Truppenführer  dem  Heere  auch  ferner  zu  erhalten.
Der  Tod  des  Generalobersten  Freiherrn  von  Bissing  hat  aber  die  Neubesetzung
  der  Stelle  des  Generalgouverneurs  in  Belgien  notwendig  gemacht,
und  hierbei  ist  Meine  Wahl  auf  Sie  gefallen.  Ihre  Laufbahn  und  Ihre
hervorragende  Bewährung  in  allen  Ihnen  bisher  übertragenen  Stellen,
Ihre  Mir  wohlbekannte  Einsicht  und  Tatkraft  geben  Mir  die  sichere  Gewähr,
  daß  Sie  auch  diese  besonders  wichtige  und  bedeutungsvolle  Stelle,
in  deren  Uebertragung  Sie  den  Ausdruck  Meines  besonderen  Vertrauens
erblicken  mögen,  zu  Meiner  Zufriedenheit  und  zum  Wohl  des  Vaterlandes
versehen  werden.  Ich  vermag  auch  diese  Gelegenheit  nicht  vorübergehen  zu
lassen,  ohne  Ihnen  Meine  besondere  Zufriedenheit  mit  Ihren  während  des
Krieges  geleisteten  vortrefflichen  Diensten  auszudrücken  und  Sie  Meines
Königlichen  Dankes  hierfür  und  Meiner  gnädigen  Gesinnung  zu  versichern.

22.  April.  über  die  von  Deutschland  getroffenen  Maßnahmen,
um  die  mit  dem  U-Bootkrieg  verbundenen  Beschwernisse  für  Spanien
zu  mildern,  teilt  die  „Nordd.  Allg.  Ztg.“  halbamtlich  mit:

Zur  Unterstützung  der  span.  Frachtindustrie  hat  Deutschland  große  Ankäufe
  von  Apfelsinen  und  Bananen  in  den  verschiedensten  Provinzen  Spaniens
vorgenommen.  Span.  Fruchtschiffen,  die  außerhalb  des  Sperrgebiets  nach
dem  Hafen  von  Cette  und  nach  Französisch-Marokko  fahren,  werden  Geleitscheine
  ausgestellt.  In  technischer  Hinsicht  ist  hierbei  den  von  der  span.
Regierung  geäußerten  Wünschen  in  weitestgehender  Weise  Rechnung  getragen
worden.  Daneben  haben  zur  Entwicklung  des  Fruchthandels  zwischen  Deutschland
  und  Spanien  Hamburger  und  Bremer  Kaufleute  in  Verbindung  mit
Interessenten  in  Spanien  unter  Beteiligung  zweier  deutscher  Großbanken
eine  Gesellschaft  gegründet.  Während  der  Dauer  des  Krieges  kauft  diese
Gesellschaft  Früchte  ein  und  läßt  sie  in  einer  in  Valencia  im  Entstehen
begriffenen  Fabrik  zu  Konserven  verarbeiten.  Außerdem  ist  der  Export
anderer  span.  Nahrungsmittel  durch  Schaffung  eines  ungehinderten  Ausfuhrweges
  über  Cette  nach  der  Schweiz  gefördert  worden.  Daß  durch  die  Erklärung
  der  Sperrgebiete  auch  Spaniens  Handel  mit  Amerika  beeinträchtigt
werden  könnte,  wie  unsere  Gegner  ausstreuen,  entbehrt  selbstverständlich
jeder  Unterlage.  Auf  Wunsch  der  span.  Regierung  wurde  den  span.  Fischern
ein  Freigebiet  von  beträchtlichem  Umfange  zur  Ausübung  ihres  Berufes
im  Sperrgebiete  an  der  span.  Nordküste  zugestanden.  Um  dem  in  Spanien
herrschenden  Kohlenmangel  abzuhelfen,  hatte  die  deutsche  Regierung  sich  bereits
  vor  geraumer  Zeit  erboten,  deutsche  Kohlen  in  neutralen  Häfen  zur
Verfügung  zu  stellen.  Der  span.  Regierung  ist  ferner  das  Angebot  gemacht
worden,  daß  die  in  engl.  Häfen  liegenden  span.  Schiffe  am  1.  Mai  d.  J.
ungehindert  auslaufen  und  auf  ihrer  Rückreise  nach  Spanien  das  Sperrgebiet
  sicher  passieren  können.  Endlich  erfolgten  Anerbietungen  über  den

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