Contents : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Erster Teil. (58a)

604  Penisches  Reick.  (Mai  24.)

vollbracht  haben,  konnte  nur  mit  Hilfe  des  Herrn  der  Heerscharen  vollbracht
werden.  Ihr  wißt,  daß  hinter  Euch  das  ganze  Volk  sich  voll  bewußt  ist
der  Wichtigkeit  des  Augenblicks.  Der  Feind  sucht  die  Entscheidung:  Ihr
habt  seine  Hoffnungen  zunichte  gemacht.  Es  ist  fast  ein  Jahr  her,  daß  Ich
bei  Coulaincourt  zum  letzten  Male  Meine  Garde  gesehen  habe.  Ich  bin
freudig  bewegt,  Euch  hier  nach  heißen  Kampftagen  in  ungebrochener  Kraft
und  voller  Frische  wiederzusehen.  Ganz  besonderen  Gruß  entbiete  ich  den
Bataillonen  Meiner  alten  Brigade.  Es  ist  kaum  eine  Woche  her,  daß
sich  der  Jahrestag  des  Exerzierens  der  Kaiserbrigade  gejährt  hat.  Ich
danke  der  Brigade  für  die  Gesinnung,  die  sie  im  Gedenken  an  diesen  Tag
Mir  in  ihrem  Telegramm  entgegengebracht  hat.  Viele  Jahre  lang  haben
wir  auf  den  Uebungsplätzen  Kreuzberg  und  Döberitz  gearbeitet,  um  uns
kriegsmäßig  auszubilden.  Wir  waren  im  Frieden  bestrebt,  auch  auf  die
Kampfesauffassung  und  Taktik  des  Feindes  einzugehen.  Der  Brigade  ist
es  vergönnt  gewesen,  ihre  Ausbildung  in  schweren,  siegreichen  Kämpfen
auszunützen  und  Neues  zuzulernen.  Nun  ist  es  gelungen,  die  Früchte  der
langen  Arbeit  zu  ernten.  Wir  können  alle  mit  gutem  Gewissen  sagen,  wir
haben  das  Möglichste  getan,  um  uns  kriegsmäßig  auszubilden.  Die  Arbeit
ist  nicht  umsonst  gewesen.  Auch  die  hier  versammelten  Truppen  der  tapferen
33.  Inf.-Div.  haben  in  den  vergangenen  schweren  Tagen  zu  Meiner  vollen
Zufriedenheit  gefochten.  Ich  spreche  Ihnen  Meine  vollste  und  wärmste  Anerkennung
  aus.  Ich  hoffe,  so  wie  der  Herr  der  Heerscharen  stets  mit  uns
gewesen  ist,  er  auch  ferner  uns  beistehen  wird  bis  zum  Ende.  Wir  wollen
unerschüttert  festhalten  an  dem  einen  Gedanken,  von  dem  wir  alle  durchdrungen
  sind:  Den  Kriegswillen  des  Gegners  zu  brechen!  Wo  Ihr
auch  eingesetzt  werdet,  werdet  Ihr  nicht  nachlassen,  sondern  Euch  weiter  so
schlagen,  so  wie  bei  Ypern,  bei  Tarnow—Gorlice  und  Krasnostaw,  an  der
Somme  und  Aisne  und  in  der  Champagne.  Das  walte  Gott!

Eine  ähnliche  Ansprache  hält  Kaiser  Wilhelm  vor  Truppenabteilungen
  der  Heeresgruppe  des  deutschen  Kronprinzen.

Ende  Mai  besichtigt  der  Kaiser  gelegentlich  einer  Vorführung  des
neuen  Abwehrsystems  der  Kämpfe  im  Westen  das  Inf.-Reg.  v.  Alvensleben
  (6.  Brandenb.)  Nr.  52,  das  zum  größten  Teile  aus  Bkrlinern  und
Brandenburgern  zusammengesetzt  ist.  Im  Anschluß  an  die  Besichtigung
hält  der  Kaiser  folgende  Ansprache:  Guten  Morgen  Kameraden!  Das
Regiment  v.  Alvensleben  hat  heute  die  Gelegenheit  gehabt,  seinem  Obersten
Kriegsherrn  die  Formen  vorzuführen,  in  denen  nach  den  Angaben  der
Obersten  Heeresleitung  und  aller  derer,  die  an  der  Front  Erfahrungen  gesammelt
  haben,  unser  Kampf  an  der  Westfront  geführt  werden  soll.  Es  ist
Mir  eine  besondere  Freude,  dieses  ausgezeichnete  und  tapfere  märkische
Regiment  wieder  einmal  begrüßen  zu  können,  wie  Ich  schon  des  öfteren
die  Gelegenheit  hatte.  Die  märkischen  Regimenter  haben  in  alter  Treue
ihren  Ruhm  aufrecht  erhalten  und  neuen  hinzugefügt  auf  allen  Kriegsschauplätzen
  im  Westen,  wie  im  Osten.  Und  so  ist  es  denn  für  den  Markgrafen
  und  Kurfürsten  von  Brandenburg  eine  besondere  Freude,  wenn  er
unter  seinen  Brandenburgern  steht.  Unsere  alten  Traditionen,  die  sich  von
je  glänzend  bewährt  haben  in  Hingabe,  Heldenmut  und  Tapferkeit,  haben
dies  auch  jetzt  glänzend  gezeigt.  Mit  Freuden  denkt  die  märkische  Heimat
an  Euch  und  sendet  Euch  durch  Mich  ihre  Grüße,  während  sie  Euch  hier
in  tapferem  Kampfe  gegen  den  übermächtigen  Feind  eingesetzt  weiß,  dessen
Angriffe  Ihr  mit  Gottes  Hilfe  zum  Scheitern  bringt.  So  steht  hinter  Euch
das  ganze  Volk,  Euch  in  seinem  Herzen  tragend  und  mit  geschäftigen
Händen  arbeitend,  um  Haus  und  Hof  zu  versorgen  und  Euch  die  Mittel
zu  geben,  die  notwendig  sind,  um  den  Kampf  zum  siegreichen  Ende  zu