Beisches Reich. (Mai 24.) 605
führen. Der Gegner sucht die Entscheidung, das. weiß ein jeder, das merkt
ein jeder; wir harren ihrer, der Entscheidung mit Gottes Hilfe, der uns
bisher so gnädig beschirmt hat. Die Entscheidung soll ihm werden. Er
wird so lange seine Menschen einsetzen und einsetzen müssen, bis es für
ihn keinen Ersatz mehr gibt, bis er erschöpft die Waffen sinken läßt. Dafür
habt Ihr zu sorgen! Wann, weiß nur der da droben. Wenn der
Moment eintritt, dann werdet Ihr dem deutschen Volke die Stellung erworben
haben, die ihm gebührt. Der Friede wird durch Euch diktiert
und vorgeschrieben werden. Nun möge das Regiment auch
fernerhin, wenn es wieder eingesetzt wird, mit alter märkischer Treue und
Tapferkeit die hier auf dem Platze erworbenen Kenntnisse ins Praktische
umsetzen, wenn es den Feind vor seine Bajonette bekommt, und ihm zeigen,
was es heißt, gegen Märker zu kämpfen. Gott sei mit Euch!
24. Mai. Dementi einer angeblichen rußlandfeindlichen Rede
Kaiser Wilhelms.
Das „WTB# teilt mit: Verspätet erhalten wir Kenntnis von einem
Artikel der „Nowoje Wremja“ vom 25. April (s. Rußl.), worin über eine
angeblich von Kaiser Wilhelm im Offizierskasino zu Oderberg gehaltene
Rede berichtet wird. Diese Rede soll einer in Berlin erscheinenden „Militärischen
Rundschau“ nachgedruckt sein. Kaiser Wilhelm habe in dieser Ansprache
vor der Absendung einer Reservedivision der Garde darauf hingewiesen,
daß es nun gelte, dem mächtigen, listigen Reiche des Ostens, das
heute von krampfhaften Unruhen ergriffen sei, einen Hieb zu versetzen. Die
Offiziere der Garde seien schon in fünf feindliche Hauptstädte siegreich einezogen;
der Kaiser befehle, die Siegesfahne nunmehr auch in die Hauptbode
Rußlands zu tragen. Der Kaiser soll seine Rede mit den Worten
geschlossen haben: „Ich vollziehe endlich das Vermächtnis meines großen
Großvaters und werde das Slawentum auf allen Wegen, wo es mir entgegentritt,
erdrücken.“ Diese Rede ist von Anfang bis zu Ende gkatt ersunden
und stellt offenbar ein russisches Pressemanöver dar, mit dem man
auf die russischen Massen einwirken will. Zum Schlusse sei erklärt, daß
eine „Militärische Rundschau“ in Deutschland überhaupt nicht existiert.
24. Mai. (Bundesrat.) Es gelangen zur Annahme:
Der Gesetzentw. betr. die Feststellung des Reichshaushaltsetats und
des Haushaltsetats für die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1917;
der vom Reichstag in veränderter Fassung angenommene Entw. e. G. betr.
die Aenderung des Gesetzes über den Absatz von Kalisalzen; die Entw.e.
Bek. zur Erleichterung der Einzahlung auf Aktien; e. Bek. über die Zahlung
des Bargebots bei Zwangsversteigerungen.
24. Mai. (Bayern.) Dankerlaß des Königs.
König Ludwig richtet an den Staatsminister d. Inn. Dr. v. Brettreich
folgendes Handschreiben: Mein lieber Herr Staatsminister Dr. v. Brettreich!
Mit großer Freude und Genugtuung habe Ich aus Ihrem Vortrag
entnommen, daß die Frühjahrsfeldbestellung trotz der großen Schwierigkeiten,
die zu überwinden waren, in vollkommen befriedigender Weise zu
Ende geführt werden konnte. Dies bedeutet einen neuen großen Sieg der
Heimat. Ihn dankt das Vaterland in erster Linie unseren heldenhaften Landfrauen,
ihren Kindern und den alten Vätern. Sie haben es mit wenigen
Hilfskräften in unermüdlicher Arbeitstreue und zähester Ausdauer zustande
gebracht, daß unser teuerer heimatlicher Boden, von dem ihre Männer, Bäter
und Söhne in bald dreijährigem blutigen Ringen eine Welt von Feinden