794 Netsches Reic (September 10. 11.)
das Gelübde zum zuversichtlichen Durchhalten erneuert, und wer Kriegsanleihe
zeichnet, macht mir die schönste Geburtstagsgabe.
Gr. Hauptquartier, den 9. Sept. 1917. v. Hindenburg, GF M.
10. Sept. Die „Nordd. Allg. Ztg.“ beginnt mit der Veröffentlichung
des Depeschenwechsels zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren
aus den Jahren 1904 und 1905. (Den Wortlaut s. Anhang I.)
11. Sept. (Kiel.) Prinzessin Adalbert von Preußen wird
von einer Tochter (Viktoria Marina) entbunden.
11. Sept. Wer hat zuerst mobil gemacht?
Die „Voss. Ztg.“ veröffentlicht als Beitrag zu dieser Frage ein bedeutsames
Telephongespräch des Generalstabschefs v. Moltke mit dem
Generalstabschef des 20. Armeekorps Hell am Morgen des 31. Juli 1914.
(Den Text s. Anhang I.)
11. Sept. (Sachsen.) Wahlrechtsreform.
Im Verfassungsausschuß der Zweiten Kammer werden von de:
natl.-kons. Mehrheit die Forderungen der Soz. und der Fortschr. Bp. auf
Nenderung des bestehenden Landtagswahlrechts abgelehnt. Dagegen beschließ:
der Ausschuß die Aufhebung der Verordnung, die den Beamten die Auskunfterteilung
an Landtagsabgeordnete verbietet, und fordert auch eine Berfassungsänderung
dahingehend, daß künftig in den Landtag gewählte Beamte
ihre Wahl den Vorgesetzten nur anzuzeigen, nicht aber um Urlaub nachzusuchen
haben. ·
11. Sept. (Stuttgart.) Tagung der deutschen Friedensgesellschaft.
Die Versammlung nimmt fast einstimmig folgende Erklärung an:
Die Versammlung fordert, daß dieser Krieg beendet werde durch einen
Frieden, der die Lebensnotwendigkeiten und die Entwicklungsfreiheit des
deutschen Volkes sicherstellt und der zugleich die Grundlagen schafft für eine
den Weltfrieden schirmende, die Einzelstaaten überragende Rechtsordnung.
Der Friede darf deshalb die Bevölkerung keines Landes politisch oder wirtschaftlich
vergewaltigen; er muß die unveräußerlichen nationalen Rechte aller
Völker, auch die der nationalen Minderheiten, gewährleisten; er muß die
weiteren Beziehungen der Völker unter öffentliche Kontrolle stellen und alle
Geheimverträge für nichtig erklären; er muß die Freiheit des wirtschaftlichen
Wettbewerbs unter gleichen Bedingungen nach dem Grundsatz der
„offenen Tür“ zu einem internationalen Rechtssatz machen; er muß die
„Freiheit der Meere“ sichern und dem unheilvollen, am Mark der Völker
zehrenden Rüstungswettkampf ein Ende setzen. Die durch allgemeine Adrüstung
frei werdenden Mittel werden für den Wiederaufbau dessen, was
der Krieg zerstört hat, und für die Befriedigung von Kulturaufgaben in
allen Ländern Verwendung finden. Ein solcher Friede ist kein Verzichtfriede,
sondern er entspricht, auch nach siegreicher Durchführung des Krieges, den
wahren Interessen des deutschen Volkes. Die Versammlung begrüßt es mit
wärmster Genugtuung, daß die päpstliche Note vom 1. August, ausgehend
von dem Verlangen, daß das Recht an die Stelle der Gewalt treie, die
Gedanken, die diesen Forderungen zugrunde liegen, zum wesentlichen Inhalt
einer Friedensvermittlung gemacht hat. Sie erwartet, daß der deutsche
Reichstag in Konsequenz seiner Erklärung vom 19. Juli im Sinne dieser
Forderungen zu der Vermittlung des Papstes Stellung nehmen und den
Reichskanzler zu unzweidentigen Erklärungen veranlassen wird. So lange
die feindlichen Regierungen nicht bereit sind, in einen Frieden zu willigen,