Peutsches Neich. (Oktober 9.—10.) 887
stehenden Konferenz zum Abschluß dieses Krieges zur Erörterung gestellt
wird. Es ergeben sich dabei eine solche Menge von Einzelfragen und
Schwierigkeiten, daß die Lösung dieses Problems den endgültigen Abschluß
des Krieges nur erschweren und verzögern kann. Ich hätte deshalb
gewünscht, daß sowohl in unserer wie in der österreichischen Antwort
auf die Note des Papstes eine Fassung gewählt worden wäre, aus der klar
hervorging, daß wir nicht beabsichtigen, uns auf dem Friedenskongreß auf
diese Frage einzulassen. Dieser Krieg und das Verhalten unserer Feinde
haben uns gelehrt, daß Deutschland seine Entwicklung und sein Recht, sich
durchzusetzen, sich nur insoweit wahren kann, als es die Macht dazu hat.
Das vom Staatssekretär über Elsaß-Lothringen Gesagte war gut und
ausgezeichnet. Es ist selbstverständlich, daß im deutschen Volke niemand
daran denkt, auch nur einen Quadratmeter deutschen Gebietes abzutreten.
Dies hier auszusprechen, war nötig gegenüber der päpstlichen Note, in der
zwischen Deutschland und Frankreich bestehende strittige Gebietsfragen erwähnt
worden sind. Wir sind aber in diesen Krieg gezogen, um uns gegen
den gegen uns verübten Ueberfall zu verteidigen. Der Krieg hat uns aber
auch die Lücken gezeigt, die wir in militärischer und wirtschaftlicher Beziehung
haben. Er hat uns aber auch gezeigt, wie diese Lücken ausgefüllt
werden müssen. Das gilt für unsere Stellung auf dem Kontinent, für die
Sicherung unserer Grenzen und für unsere Stellung inmitten zweier feindlicher
Mächte. Hinzugetreten ist eine neue Aufgabe und ein neuer Gesichtspunkt,
und dieses Neue ist zur Herrschaft gekommen. Herr v. Tirpitz hat es
in der Rede bei Begründung der Vaterlandspartei ausgedrückt, worum es
sich handelt. Der Grund dieses Krieges ist doch immer die nicht zu überbrückende
Kluft zwischen dem europäischen Kontinent und der Weltauffassung
Englands. Dieser Gedanke, der zuerst Widerspruch fand, hat allmählich in
unserm Volke Boden und Verständnis gefunden. Wenn der Staatssekretär
im Haushaltsausschuß von dem Europa sprach, das sich näher zusammenfinden
müsse, so kann man diesem Gedankengang folgen, wenn man damit
ausdrücken will, daß es Aufgabe des Krieges ist, den europäischen Kontinent
von der Herrschaft und Tyrannei Englands zu befreien und des mit
ihm verbündeten amerikanischen Großkapitals. Was die Frage der Entschädigung
anlangt, so bitte ich wiederholt, zu bedenken, was uns blüht,
wenn wir die Lasten dieses Krieges allein zu tragen haben. Wir müssen
unsere militärische Lage voll ausnützen, um durch Entschädigungen und
Ersatz den Wiederaufbau Deutschlands sicherstellen zu können. Auch durch
besseren Schutz unserer Ostgrenze muß das so leicht verwundbare Gebiet
Ostpreußens und Oberschlesiens eine bessere Sicherung erhalten. In der
belgischen Frage ist die von Herrn Fehrenbach gewählte negative Formulierung,
daß Belgien nicht ein Sturmbock Englands gegen Deutschland
bleiben dürfe, an sich richtig, aber nicht erschöpfend. Nach dem Kriege wird
es ein unabhängiges Belgien nicht mehr geben. Was in der Papstnote von
der Unabhängigkeit Belgiens steht, ist Utopie; die Behauptung Englands,
daß es für die Unabhängigkeit und Neutralität Belgiens kämpfe, ist bewußt
unwahr. Ich halte es für eine unabweisbare Pflicht der Verteidigung
von Deutschlands Zukunft, daß Belgien unter deutschen Einfluß kommt.
Nicht nur um Elsaß-Lothringen, sondern auch um Belgien geht der Kampf.
ür unsere Friedensunterhändler müssen wir freie Bahn schaffen. Die
Frr. uusere, Friedenen des Reichtags vom 19. Juli erkennen wir auch
heute nicht als eine glückliche Tat an. Es war ein Fehler der Regierung,
sich im Sinne des Verzichts die Hände zu binden. Deshalb können wir es
nicht begrüßen, daß die Friedenserklärung in der Antwort auf die Papstnote
wieder erwähnt ist. Die unbedingte Freiheit der Unterhandlung will