Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Zweiter Teil. (58b)

Spanien.  (März  3.  —Ende.,  233

3.  März.  Kein  Verkauf  span.  Handelsschiffe  an  England.

Ministerpräsident  Graf  Romanones  sowie  der  Minister  für  öffentliche
  Arbeiten  dementieren  die  durch  die  Presse  verbreitete  Nachricht  über
den  Verkauf  span.  Handelsschiffe  an  England.  Der  Minister  für  öffentliche
Arbeiten  fügt  hinzu,  daß  die  Regierung  einzig  und  allein  beabsichtige,  die
Fruchtausfuhr  nach  England  sowie  die  englische  Kohleneinfuhr  zu  sichern.

10.  März.  Neue  Anleihe.

Durch  Kgl.  Dekret  wird  die  Ausgabe  einer  neuen  5proz.,  in  50  Jahren
ltilgbaren  Anleihe  im  Betrag  von  1  Milliarde  Pesetas  zum  Ausgabekurs
von  90  angekündigt.  Bei  20  Proz.  Steuerabzug  ergibt  sich  somit  eine  Verzinsung
  von  4½  Proz.  Außerdem  werden  weitere  28707450  Pesetas  Schuldverschreibungen
  ausgegeben,  die  zur  Rückzahlung  von  ebensoviel  fälligen
4¾  proz.  Schatzanweisungen  dienen  sollen.  Die  Staatsschuld  erfährt  damit
eine  Erhöhung  um  rund  1028  Millionen  Pesetas.  Sie  beläuft  sich,  mit  Einrechnung
  der  neuen  Anleihe,  auf  10776997000  Pesetas.

Das  Ergebnis  der  Anleihe  ist  sehr  günstig.  690  Mill.  werden  in
Schatzscheinen  gedeckt.  Die  in  Metallwert  geforderte  Summe  von  310  Mill.
wird  zwanzigmal  überzeichnet.

10.  März.  Ausfuhrbewilligung.

Nach  Beendigung  des  Ministerrats  erklärt  der  Finanzminister,  das
Nabinett  habe  nach  einer  Prüfung  der  Ernährungsfrage  beschlossen,  die
Ausfuhr  aller  Lebensmittel  zu  erlauben,  deren  Preis  einen  Verbrauch
  durch  die  Arbeiterklasse  in  Spanien  unmöglich  mache.  Das  Amtsblatt
  werde  unverzüglich  die  Liste  der  Erzeugnisse  veröffentlichen,  unter
dem  Vorbehalt  jedoch,  die  Ausfuhr,  falls  notwendig,  zu  unterdrücken.

11.  März.  Wahlen  für  die  Provinziallandtage  (Generalräte).

Sie  enden  mit  einem  vollen  Sieg  der  Lib.  Es  werden  337  (i.  J.
1915  143)  Lib.,  182  (232)  Kons.,  25  (8)  Maur.,  9  (13)  Reform.,  30  (10)
Regional.,  17  (12)  Carl.,  7  (—)  Integr.,  29  (36)  Republ.,  4  (11)  Unabh.,
2  (3,  Kathol.,  1  Block.,  1  Agrar.,  9  Parteil.  gewählt.  Die  Demokraten  und
Nationalisten,  die  i.  J.  1915  46  bezw.  5  Sitze  errangen,  fallen  völlig  aus.
Die  Soz.  enthalten  sich  der  Abstimmung.

Mitte  März.  Außenhandel  1916.

Die  Einfuhr  betrug  913,47  Mill.  Pts.  (1915:  967,7.4),  die  Ausfuhr
1368,03  Mill.  Pts.  (1915:  1242,45),  Handelsbilanz  +  454,5  Mill.  Pts.
Bemerkenswert  ist  vor  allem  die  Zunahme  in  der  Ausfuhr  von  lebendem  Vieh
und  Lebensmitteln  und  die  Abnahme  in  der  Einfuhr  von  Rohmaterialien.

25.  März.  Das  „Amtsblatt“  veröffentlicht  ein  Dekret,  auf
Grund  dessen  der  Staat  während  des  Krieges  das  Risiko  der  Seeschiffahrt
  übernimmt.

Ende  März.  Drohender  Generalstreik.

Eine  Versammlung  von  Arbeitervertretern  fordert  in  einem  Manifeste
zum  Generalstreik  auf,  um  gegen  den  Wucher  im  Lebensmittelhandel
zu  protestieren  und  die  leitenden  Klassen  zu  zwingen,  eine  grundlegende
Aenderung  im  gegenwärtigen  System  vorzunehmen.  Da  die  Bewegung
revolutionären  Hintergrund  hat,  ergreift  die  Regierung  sofort  energische
Maßnahmen.  Die  Verfassungsgarantien  werden  am  29.  für  alle
Provinzen  aufgehoben  und  eine  scharfe  Preßzensur  eingeführt.  Die
Unterzeichner  des  Manifestes  werden  verhaftet,  jedoch  bald  wieder  frei-