Deutsches Reich. (Febr. 10.) 61
an seine Zukunft verleihen, zusammen mit seinen treuen Verbündeten auch
die weiteren Aufgaben erfüllen, die ihm dieser Krieg noch stellen mag.
gez. Wilhelm I. R.
Bei einer Huldigung, die aus Anlaß dieses Friedensschlusses (am 10.)
die Homburger ihm darbringen, erwidert Kaiser Wilhelm auf eine Ansprache
des Bürgermeisters mit folgenden Worten: Meine lieben Homburger!
Ich danke Euch von ganzem Herzen für die schlichte Feier und
die warmen Worte, die Euer Stadtoberhaupt soeben zu Mir gesprochen
hat. Es sind schwere Zeiten über uns hingegangen. Ein jeder hat seine
Last zu tragen gehabt, Sorgen und Trauer, Kummer und Trübsal, nicht
zum mindesten der, der jetzt vor Euch steht. In ihm vereinigte sich Sorge
und Schmerz um ein ganzes Volk und sein Leid. In diesem selben Hofe
habe Ich damals 1870,71 die Homburger als kleiner Junge stehen sehen
unter Führung vom alten Jacobi, als sie nach großen Siegesnachrichten
meiner seligen Frau Mutter ihre Huldigung darbrachten, ein Bild, das
sich Mir ewig in die Seele eingeprägt hat. Ich habe damals nicht geahnt,
daß es Mir bestimmt sein sollte, zur Erhaltung dessen, was damals mein
Großvater und Mein seliger Vater erworben und errungen haben, kämpfen
zu müssen. Es hat unser Herrgott entschieden mit unserem deutschen Volke
noch etwas vor. Deswegen hat er es in die Schule genommen, und ein
jeder ernsthaft und klar Denkende unter Euch wird Mir zugeben, daß
es notwendig war. Wir gingen oft falsche Wege. Der Herr hat uns durch
diese harte Schule darauf hingewiesen, wo wir hin sollen. Zu gleicher Zeir
ist die Welt nicht auf dem richtigen Wege gewesen. Und wer die Geschichte
verfolgt hat, kann beobachten, wie es unser Herrgott mit einem Voike nach
dem andern versucht hat, die Welt auf den richtigen Weg zu bringen. Den
Völkern ist es nicht gelungen. Das römische Reich ist versunken, das fränkische
zerfallen und das alte deutsche Reich auch. Nun hat er uns Aufgaben
gestellt. Wir Deutschen, die wir noch Ideale haben, sollen für die Herbeiführung
besserer Zeiten wirken, wir sollen kämpfen für Recht, Treue und.
Sittlichkeit. Unser Herrgott will den Frieden haben, aber einen solchen,
in dem die Welt sich anstrengt, das Rechte und das Gute zu tun. Wir
sollen der Welt den Frieden bringen. Wir werden es tun auf jede Art.
Gestern ist es im Gütlichen gelungen. Der Feind, der, von unseren Heeren
geschlagen, einsieht, daß es nichts mehr nützt zu fechten, und der uns die
Hand entgegenhält, der erhält auch unsere Hand. Wir schlagen ein. Aber
der, welcher den Frieden nicht annehmen will, sondern im Gegenteil, seines
eigenen und unseres Volkes Blut vergießend, den Frieden nicht haben will,
der muß dazu gezwungen werden. Das ist jetzt unsere Aufgabe, dafür
müssen jetzt alle wirken, Männer und Frauen. Mit den Nachbarvölkern
wollen wir in Freundschaft leben, aber vorher muß der Sieg der deutschen
Waffen anerkannt werden. Unsere Truppen werden ihn weiter unter unserem
großen Hindenburg erfechten. Dann wird der Frieden kommen, ein Frieden,
wie er notwendig ist für eine starke Zukunft des Deutschen Reiches, und
der den Gang der Weltgeschichte beeinflussen wird. Dazu müssen uns die
gewaltigen Mächte des Himmels beistehen. Dazu muß ein jeder von Euch,
vom Schulkinde bis zum Greise hinauf, immer nur dem einen Gedanken
leben: Sieg und ein deutscher Frieden! Das deutsche Vaterland soll
leben, Hurra!
10. Febr. Gefangenenabkommen zwischen dem Vierbund und
Rußland.
Das „WTB.“ meldet, daß in Petersburg zwischen Delegierten des
Vierbundes und der russ. Regierung Abkommen unterzeichnet worden seien,