20
nes Lebens machte. Hoͤchstens eigentlich nur dritthalb Jahre
lebte er fuͤr die Geschichte; denn so ausgezeichnet merkwuͤrdig
manche Umstaͤnde seiner Geburt waren, und besonders
vielleicht für einen Juden seyn mußten, welchen die Versicherungen
seiner Propheten schon seit langem her mit großen
Hoffnungen einer sehr glücklichen Zukunft belebt hatten:
so wurde doch diese erst erregte Aufmerksamkeit durch das
nachfolgende Leben gar nicht unterhalten.
Er erschien erst wieder im dreißigsten Jahr seines Alters,
aber itzt schon mit einem so ausgebildeten Charakter,
unter so allgemeinem Aufsehen, so unermüdet wirksam und
gerade auch unter so treffenden Umständen, daß man schon
damals einer wichtigen Veränderung entgegen sehen mußte.
Die Religion seiner Nation, in deren Verbesserung eines
seiner Hauptgeschäfte bestund, war als Religion betrachtet
fast zur bloßen äußeren Ceremonie geworden, und hatte für
das Volk, wie für die Vornehmeren, fast alle moralische
Wirkung verloren. Als Theologie betrachtet war sie ein
Gegenstand des Gezänkes vorzüglich dreier Partien, Phariscer,
Sadducäer und Essäer, welche in den wesentlichsten
Religionsgrundsätzen von einander abgiengen, und
nur in dem Wunsche übereinstimmten, ihre Nation von dem
drückenden Joche der Römer und von den Idumäischen Tyrannen
endlich befreit zu sehen.
Zu keiner Partie schlug sich der neue Lehrer; wenn er
diese strafte, so schonte er jener nicht. Er hatte auch solcher
dußeren Partie#nhülfe gar nicht nöthig, denn seinen moralischen
Ermahnungen gab Wahrheit und eigenes unsträfliches
Beispiel den rührendsten Nachdruck; und zu seinen Behauptungen
von der hohen göttlichen Würde seiner Person