Jannar 19009. 175
Verantwortlichkeit zu tragen nicht mehr in der Lage wäre, so würde
ich dem Zwiespalte der Auffassungen zwischen dem Monarchen und
mir ein Ende machen dadurch, daß ich Seine Majestät bäte, mich
in Guaden meines Amtes zu entheben.
So sagte ich bereits vor bald 6 Jahren, das halte ich auch heute aufrocht.
Seitdem ich Minister bin, seit bald 12 Jahren, habe ich stets getan,
was zu tun meine Pflicht war, und was ich zu tun vermochte, um den
Träger der Krone vor Mißdentungen zu schützen, um sein Verhalten zu
orklären und zu rechtfertigen, um sein Ansehen zu wahren. Ich habe auch,
als jener Artikel im „Daily Telegraph“ erschien und eine große Bewegung
durch das Land ging, nicht einen Augenblick gezögert, den Sachverhalt
richtig zu stellen und die Schuld auf mich zu nehmen. Ich habe in der
Rcichstagsdebatte alles hervorgehoben, was geeignet war, die unglückliche
Wirkung jenes Interviews abzuschwächen und zu beseitigen. Ich habe
die Mitteilungen über den angeblichen Feldzugsplaun gegen die Buren,
die russisch-französische Mediation, die mißverstandenen Außerungen über
Japan richtiggestellt. Aber, meine Herren, ich habe auch die
Pflicht, dafür zu sorgen, daß zwischen dem Träger der
Krone und den Wünschen und Empfindungen des Landes
nicht ein Zwiespalt entsteht, der für beide Teile verhängnisvoll
sein müßte. Der verantwortliche Minister hat
dafür zu sorgen, daß der Träger der Krone nicht irre wird
an dem Lande und das Land nicht an dem Träger der
Krone. Er hat dafür zu sorgen, daß die Verfassung nicht
mur dem Buchstaben nach, sondern auch dem Geiste nach
aufrechterhalten bleibt. Der preußische Ministerpräsident
hat vor allen Dingen dafür zu sorgen, daß die historische
Stellung der Krone, die eine ruhmvolle Vergangenheit
uns überliefert hat, und die die Grundlage unserer Wohlfahrt
und Macht, unserer Einheit und unserer Zukunft ist,
nicht auf das Spiel gesetzt wird, und daß sie nicht abgenützt
wird. In diesem Hause sind viele Männer, die mit Stolz von sich sagen
können: königstreu bis in die Knochen! Ich bin aber überzeugt, daß nicht
nur sie, sondern jeder ehrliche und denkende Anhänger der monarchischen
Staatsform und der Stellung des Kaisers im Reiche mich verstehen und mir
glauben wird, wenn ich sage, daß ich gerade in den schweren und schmerzlichen
Novembertagen als wahrhafter Royalist gehandelt habe, in voller
Ubereinstimmung mit dem gesamten Staatsministerium, mit dem ganzen
Bundesrat. In dieser Uberzeugung lasse ich mich nicht irremachen, auch