Metadata : Gesetze und Verordnungen für das Volks-, Mittel- und Privatschulwesen im Regierungsbezirk Breslau.

130  E.  Die  Volksschule  (Einrichtung,  Unterricht).

kindlichen  Anschauung  entsprechende  Reime  und  kleine  Sätze.  (Der  ausschließliche  oder
vorwiegende  Gebrauch  der  Silbe  „la“  ist  im  Interesse  der  Tonbildung  zu  unterlassen.)

Durch  besondere  rhythmische  ühungen  ist  das  Taktgefühl  der  Kinder  zu  entwickeln
und  der  Rhythmus  der  Lieder  vorzubereiten;  dabei  ist  es  von  Wichtigkeit,  daß  die  Kinder
auch  selbst  taktieren.

Treff=  und  rhythmische  Übungen  werden  mit  Gehörübungen  verknüpft.  Hierbei
empfiehlt  es  sich,  das  Gehörte  niederschreiben  und  einfache  Musikdiktate  anfertigen  zu
lassen.

Sobald  die  Kinder  zum  ausreichenden  Verständnis  der  Note  gebracht  worden  sind,
dürfen  die  Lieder  nicht  mehr  mechanisch  nach  dem  Gehäör  eingeprägt  werden.  Das  verständnislose
  Nachsingen  einer  vom  Lehrer  vor=  oder  mitgespielten,  vor--  oder  mitgesungenen
Melodie  ist  untersagt.  Jedoch  wird  im  Gesangunterrichte  das  mustergültige  Vorfingen
des  Lehrers  immer  von  großer  Bedeutung  sein,  besonders  da,  wo  es  sich  um  schöne  Tonbildung,
  richtige  Atmung  und  Phrasierung  oder  guten  Vortrag  handelt.

Auf  allen  Stufen  sind  der  einstimmige  Gesang,  das  Einzelsingen  und  das  selbständige
Anstimmen  der  Lieder  durch  die  Kinder  zu  pflegen.

Bei  dem  mehrstimmigen  Gesange  der  Volkslieder  ist  die  Melodie  von  allen  Kindern
zu  lernen  und  in  einer  Tonhöhe  zu  singen,  die  der  durchschnittlichen  Stimmlage  der  Gesangklasse
  angepaßt  ist.  Volkslieder  sind  vorwiegend  ein=  und  zweistimmig,  Choräle  in  der
Regel  nur  einstimmig  zu  singen.

Vor  dem  Singen  des  Liedes  ist  sein  Inhalt  durch  ein  kurzes  Stimmungsbild  dem
Verständnis  und  dem  Gemüt  der  Kinder  nahe  zu  bringen,  damit  es  mit  innerer  Teilnahme
gesungen  werden  kann;  jedoch  darf  darunter,  namentlich  bei  Volksliedern,  der  schlichte,
ungekünstelte  Vortrag  nicht  leiden.  Auch  ist  darauf  zu  achten,  daß  durch  richtiges  Atmen
sowohl  Text  als  Melodie  sinngemäß  gegliedert  werden.

Die  Behandlung  und  Einprägung  der  schwierigen  Liedertexte  gehört  zu  den  Aufgaben
  des  deutschen  und  des  Religionsunterrichts.

In  jeder  Schule  ist  für  die  einzelnen  Klassen  ein  Kanon  von  Liedern  festzusetzen,
wobei  die  vaterländischen  Gedenktage,  die  kirchlichen  Feste  und  die  Jahreszeiten  zu  beachten
  sind.  Die  Gesamtzahl  der  festgelegten  weltlichen  Lieder  und  Choräle  soll  je  30
nicht  übersteigen.  Diese  Lieder  sind  von  den  Kindern  vollständig  frei  vorzutragen.

Außer  den  Kanonliedern  müssen  noch  andere  Lieder  gesungen  werden,  deren  Wahl
dem  Lehrer  überlassen  bleibt;  aber  auch  hier  muß  das  Volkslied  im  Vordergrunde  stehen.

Der  für  jede  Klasse  festgesetzte  Ubungsstoff  ist  auf  den  folgenden  Stufen  zu  wiederholen,
  desgleichen  die  Kirchenlieder  und  diejenigen  Volkslieder,  die  für  das  spätere  Leben
dauernden  Wert  haben.

Die  Choräle  werden  nach  Text  und  Melodie  so  geübt,  wie  sic  von  der  Kirchenbehörde
vorgeschrieben  sind.

Bei  der  Verbindung  des  Singens  mit  dem  Turnen  ist  aus  gesundheitlichen  Rücksichten
  Vorsicht  geboten,  besonders  in  geschlossenen  Räumen.

Für  die  Hand  der  Schüler  ist  ein  methodisch  angelegtes  Liederbuch  notwendig.
Liederbücher  ohne  Noten  sind  nicht  gestattet.  Für  den  Klassenunterricht  ist  die  Benutzung
geeigneter  Lehrmittel  zu  empfehlen.

Lehrstoff  für  ein-  und  zweillassige  Volksschulen.

Unterstufe  (1.  und  2.  Schuljahr):  Singen  nach  dem  Gehör,  wodurch  das  bewußte
Singen  allmählich  vorbereitet  wird.

Einfache  Ton=  und  Lautbildungsübungen.

Auffassen  der  Töne  nach  Zahl,  Höhe,  Dauer  und  Stärke.

Einfache  rhythmische  Ubungen,  verbunden  mit  Zählen,  Taktieren  und  Marschieren.

Einige  Spiel-,  Kinder=  und  Kirchenlieder.

Mittel-  und  Oberstuse  (3.—8.  Schuljahr):  Ton=  und  Lautbildungsübungen.

Singen  nach  Noten.  Treffübungen  in  C.,  G-,  F-  dur  und  in  der  Mollreihe.