In maßgebenden Kreisen wird nun bestätigt, daß auf dem galizischen Kriegsschauplatze deutsche Truppen
als Hilfe für die Österreicher eintrafen.
Des Kaisers Dank-Telegramm an den Reichstagspräsidenten vom 30. September 1014 lautete: Reichstagspräsident
Kämpf Berlin. Der einmütige Zusammenschluß der Vertreter des gesamten deutschen Wirtschaftslebens
und die kraftvolle Bekundung des festen Willens, den unserem Vaterlande aufgedrängten Existenzkrieg
auch auf wirtschaftlichem Gebiet siegreich durchzuführen, haben mich außerordentlich erfreut. Mein herzlichster
Dank und meine wärmsten Wünsche geleiten diese ernste patriotische Arbeit. Gott der Herr kröne das Werk
mit seinem Segen und lasse alle die schweren Opfer unserer Tage zu einer guten Saat werden für eine glückliche
Zukunft des deutschen Vaterlandes. Wilhelm, I. R.
Eine halbamtliche Note stellt zur Rechtfertigung der vollständigen Sperrung der Dardanellen fest, daß
die englische und französische Flotte seit einiger Zeit am Eingang der Dardanellen kreuzten und daß sie einund
ausfahrende Schiffe anhielten und durchsuchten und die Besatzung ausfragten, was der Freiheit der Schifffahrt
in den Dardanellen tatsächlich Abbruch tat. Deshalb beschloß die Regierung, die Dardanellen zu sperren
und nicht wieder zu eröffnen, die die genannten Flotten die Meerenge verlassen und die bisherigen abnormalen
Verhältnisse geschwunden seien.
Die Schweiz wurde aufgehetzt zu werden versucht durch die vielfachen feindlichen Verleumdungen, daß
Deutschland, Osterreich und Italien gegebenenfalls die Neutralität der Schweiz nicht achten werden. An
maßgebender Stelle wird autoritativ erklärt, daß derartige Gerüchte jeder Grundlage entbehren.
Die Aufruhrkämpfe in Neuserbien nehmen immer bedenklichere Dimensionen an. Die Zustände
sind schrecklich. Ganze Banden von Freischaren durchziehen die Ortschaften und die Serben verlieren Hunderte
von Leuten.
Auch unter den russischen Muselmännern ist Unruhe ausgebrochen. Die Einwohner Adscharas haben
zu den Waffen gegriffen gegen die Russen. Sie weigern sich in das russische Heer eingereiht zu werden. Auch
in Russisch-Afghanistan herrscht Spannung. Gestern in Konstantinopel eingetroffene persische Blätter enthalten
eine Bestätigung des Zwischenfalls bezüglich des Tunnels an der russisch-afghanischen Grenze.
Die Russen bauten seit Jahren heimlich an einem Tunnel von der Grenzstadt Kuschk nach Herat. Der Gouverneur
von Herat war hiervon verständigt. Der Emir von Afghanistan ordnete die Zerstörung des Tunnels
an. 2000 Russen und zahlreiche Arbeiter sind in dem Tunnel umgekommen. Der Zwischenfall rief zwischen
Rußland und Afghanistan große Spannung hervor.
Der in Konstantinopel weilende Khedive von Ägypten empfing den englischen Botschafter in Audienz
und wurde von diesem aufgefordert, Konstantinopel sofort zu verlassen. Er bot dem Khediven bis auf weiteres
eine Residenz in Neapel, Florenz oder Palermo zur Verfügung. Die Reise dorthin müsse auf dem Seewege
erfolgen. Der Khebive antwortete hierauf kurz, daß England ihm keine Befehle zu geben habe. Sir
Louis Mallet zog sich dann in sichtlicher Verlegenheit vom Audienzsaal zurück. England plante nämlich, den
Khediven mit seiner Begleitung nach Malta als Geiseln zu schicken.
Aus London erfährt die Frankfurter Zeitung, daß nach dem Daily Mirror der Kommandant der englischen
Artillerie General Findley in einer Schlacht in Nordfrankreich gefallen sei.
Die Gumbinner Regierung verlegte ihren Sitz von Königsberg wieder nach Gumbinnen.
Aus London meldet die Admiralität, daß während der letzten Tage der Kreuzer Emden im indischen Ozean
die Dampfer Tumerlco, Kinglud, Riberia und Toyle weggenommen und in den Grund gebohrt und
ein Kohlenschiff gekapert hat. Die Bemannungen wurden auf dem Dampfer Gysedale, der ebenfalls genommen,
ober freigelassen wurde, nach Colombo gebracht, wo sie gestern früh eintrafen.
Nach einer bereits gemeldeten Nachricht wurde die Sperrung der Dardanellen dadurch veranlaßt, daß
ein gestern auslaufendes türkisches Kriegsschiff von einem englischen Torpedoboot aufgefordert wurde,
sich zurückzuziehen, falls es nicht beschossen werden wollte. Zwischen Türkei und England besteht kein Kriegszustand.
Die Aufforderung deo englischen Befehlshabers aber ist ein feindlicher Akt, der um so schwerer ins.
Gewicht fällt, als er in türkischen Gewässern vorgekommen ist.
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