Full text : Königlich Württembergisches Staats- und Regierungs-Blatt vom Jahr 1813. (8)

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ste  Befehl  erthellt,  in  Gemeinschaft  mit  den  Oberamts-  und  Thieraͤrzten  diesem  Gegenstande
  volle  Aufmerksamkeit  zu  widmen,  und,  wenn  irgendwo  eine,  auch  nur  entfernte
  Spur  dieser  Krankheir  sich  äußern  sollte,  die,  in  der  Vorschrift  angeordneten
Masregeln  ohne  Ausnahme  und  ohne  Nebenrücksichten,  in  Vollziehung  zu  bringen.

I.  Kennzeichen  und  Ratur  der  Seuche.
5.  1.  Atussere  Kennzeichen  der  Seuche.

Die  Krankheit  äußert  sich  dadurch,  daß  die  davon  ergriffenen  Thiere  den  Kopf
hängen  lassen,  traurig  aussehen,  Zittern  oder  Frost,  und  ein  trocknes,  kurzes  Hüstlein
bekommen.  Dabei  vermindert  sich  die  Lust  zum  Fressen,  verliert  sich  das  Wiederkäuen
oder  Dauen,  und  nimmt  die  Milch  bei  den  Kühen  ab.  Die  Thiere  bekommen  einen
heißen  Mund,  in  den  a  bis  3  ersten  Tagen  besondere  Empfindlichkeit  des  Rückgrades,
so  daß  sich  derselbe,  wenn  man  mit  der  Hand  darüber  hinfährt,  meilstens  krümmt,  lokere
  Zähne,  Knirschen  mit  denselben,  Stöhnen,  trübe  bläuliche  Augen,  heiße  Ohren  u.
Hörner,  weniger  und  trockneren  Mistabgang.  Bald  darauf  werden  die  Ohren  und  Hörner
  kal#t,  die  Thiere  versagen  das  Futter  ganzz;  es  stellt  sich  beschwerliches  Athemholen
  oder  Schnaufen  ein,  der  Mist  wird  flüssiger,  und  sprizt  endlich  mit  einem  dußerst
widrigen  Gestank  heraus.  ·

Hierzu  kommt  haͤufig  ein  Anfangs  schleimigter,  nachher  eiterartiger  Ausfluß  aus
der  Nase,  zuweilen  ein  Ausschlag  an  der  Hinterlippe,  dem  Halse,  Bug  und  Euter,  oͤfurs
  auch  Fecrüre  und  die  noch  in  geringer  Ouantität  sich  absondernde  Milch  wird
gelb  und  diklichr.

Im  Verlaufe  dieser  Krankheit  nehmen  die  Thiere  durchgehends  am  Körperumfang
  und  Kräften  ab,  sie  ächzen,  wersen  sich  nieder,  stehen  wieder  auf,  Lönnen  mit
den  Hinterfüßen  sich  nicht  fest  halten,  der  Durchlauf  ist  mit  *  verknüpft,  der
dünne  Abgang  dabei  ist  geblich-oder  schwarz=  grünes  Wasser,  hier  und  da  mit  Blut
vermischt,  unter  welchen  steigenden  Zufällen  sie  am  siebenten,  neunten  oder  eilften
Tage,  in  seltenen  Fällen  etwas  später,  zuweilen  auch  früher  sterben.

1.  2.  Innere  Kennzeichen.

Die  Krankheit  würkt  besonders  auf  die  Verdauungs-Werkzeuge,  entzündet,  wenn
ste  schon  mehrere  Tage  vorgerückt  ist,  vorzüglich  den  vierten  Magen,  besonders  gegen
  das  sogenannte  Magenknbôpflein,  woselbst  sich  ceschweblene  rothe  Flecken  zeigen;
  sie  seht  denselben  in  brandigten  Zustand,  und  die  Entzündung  verbreltet  sich  auf
den  dritten  Magen,  Löser  oder  Mannigfalt  genannt,  macht  ihn  brandigt,  und
verhürtet  die  in  demselben  sich  befindliche  Futtermasse,  an  welcher  gewöhnlich  das  inners
  Häutchen  der  Blätter,  wenn  man  sie  losschälet,  hängen  bleibt.  Die  Gallenblase
  ist  meistens  sehr  groß,  und  enthält  eine  mißfärbige,  wässerigte,  häufg  dunkel  grüne
Galle.  Seltener  ist  die  Galle  natürlich  beschaffen.  In  den  Gedärmen  zeigen  ssch,
besonders  auf  ihrer  innern  Secite,  entzündete  und  brandigte  Flecken.  Auch  die  Lungen
sind  zuweilen  enrzündet  und  brandigt,  oder  enthalten  sulzigtes  Wasser,  zuweilen  aber
erscheinen  sie  ganz  gesund.