Über den Einfluß des Staates auf die Bischofswahlen, also
über die Hauptsache, ist in der Bulle nichts gesagt. Die Kirche
nahm aber die großartige Dotation des preußischen Staates in
einer Zeit, wo dieser selbst arm und bedüritig war, an:
indem sie ihn für Bischöfe Capitulare und Pfarrer jährliche
Gehälter zahlen ließ. 95)
Die Circumscriptionsbulle schuf 9 preußische Landesbistümer:
im Osten die vereinigten Erzbistümer Posen und Gnesen mit
dem Suffraganbischof von Kulm sowie die Bistümer Breslau und
Ermeland. Imiı Westen wurde aus den Bistümern Aachen und
Corvey das Erzbistum Cöln wieder hergestellt, dem Trier, Münster
und Paderborn unterworfen waren. Im Osten geschah die Besetzung
der Bischofsstühle durch eine Scheinwahl unter entscheidender
Mitwirkung des preußischen Königs, ?%) mit Ausnahme
von Breslau, das wie die Bistümer im Westen freies Wahlrecht
hatte; ein Breve des Papstes wies das Kapital aber an, nur dem
Könige genehme Personen zu wählen. °7)
Bevor wir nun mit Niebuhrs Tätigkeit in Rom abschließen,
— er ging 1823 als Professor nach Bonn und starb 1831 —
wollen wir einem Zweifel entgegentreten, der über Niebuhr nach
dem Gesagten auftreten könnte, nämlich, er sei vielleicht Kon:
vertit gewesen, wenigstens innerlich. Eine solche Zwitterstellung
ist bei dem Charakter eines so edlen und ernsten Mannes unmöglich,
auch zeugen viele Stellen seiner Briefe von großer
Abneigung gegen den „erzpfäflfischen, geradezu jesuitischen
Katholizismus“. %)
Und zum Schlusse sei bemerkt, daß unser Urteil über ihn,
obwohl nach bester Überzeugung nicht polemisch, strikt dem
entgegengesetzt ist, was v. Treitschke °°), also der eine große
Historiker über den anderen, gefällt hat.
%) Sybel, S. 38.
%) Stutz, Seite 164.
97) Treitschke, III, S. 204 ff. und Stutz, S. 46.
%) Treitschke, ILL, S. 203.
9) Bd, III, S. 201 ff; vergl. auch Kissling Geschichte des Kulturkampfs,
Bd. I Seite 178.
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