Metadata : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

Ursachen  unseres  Niederbruches  —  der  nun  ja  auch  den
Einwohnern  des  Landes  offenbar  war  —  dahin  zusam—
men:  Deutschland  hat  zwei  schwere  Fehler  gemacht.  Es
hätte  im  Herbst  14  Frieden  machen  sollen;  gelang  das
nicht,  so  mußte  es  einen  Zivildiktator  von  unbedingter
Macht  und  Energie  ernennen,  der  dann  die  nötige  Ord—
nung  im  Innern  sicherte.  —  An  diesem  gleichen  Abend
erzählte  mir  der  erste  Generalstabsoffizier  der  Heeres—
gruppe,  Major  von  Bock,  daß  er  von  einem  Elappensoldaten,
  einem  Landsturmmann,  auf  offener  Straße  be—
leidigt  worden  sei.  Zwei  Tage  später  bin  ich  dann  selbst
zum  ersten  Male  mit  der  Revolution  in  direkte  Fühlung
gekommen.

Ich  fuhr  mit  meinem  Ordonnanzosstzier  Zobeltitz  von
Waulsort  die  Maasstraße  auf  Givet,  um  noch  einmal
die  Truppen  zu  besuchen,  die  nunmehr  bei  Charleville
die  Maaslinie  halten  sollten.  Als  wir,  wenige  Kilo—
meter  hinter  Waulsort  an  einer  Stelle,  an  der  die  Eisen—
bahn  dicht  neben  der  Chaussee  entlangläuft,  an  einem
auf  offener  Strecke  halkenden  Urlauberzug  vorüberkamen,
  erblickte  ich  die  erste  rote  Fahne.  Und  gleich
darauf  schallten  mir  auch  schon  aus  den  offenen  oder  zer—
krümmerken  Wagenfenstern  die  albernen  Rufe  entgegen,
die  damals  zu  einer  Ark  Losungswork  und  Feldgeschrei
aller  Radaubrüder  und  Unzufriedenen  geworden  waren:
„Licht  aus!“  —  „Messer  ’raus!“

Ich  ließ  mein  Auko  sofork  halten  und  ging,  von  Zobelkitz
  begleikek,  auf  den  Zug  los.  Ich  befahl  den  Leuten,
auszusteigen,  was  auch  sofork  geschah.

Es  mögen  einige  hunderk  Mann  gewesen  sein,  eine
ziemlich  wüst  aussehende  Gesellschaft,  zum  größten  Teile

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